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Das jüdische Literaturblatt · 1881-11-16 · No. 46. (16.11.1881) · p. Seite 184

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 46. (16.11.1881)
Date
1881-11-16
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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— 184 — Palästina bezieht; dagegen wird Prov. 6,23 die künftige Welt als Beweis angeführt, der Uebersetzer bringt aber nur die erste Hälfte dieses Verses, die gar nichts beweist; in der zweiten Hälfte dieses Verses, die da lautet: ודרך חיים תוכחות מושר liegt der Beweis. Den Satz des Midrasch לפי ששחרו מוסר לכך אוהבו abersetzte der Verfasser gerade entgegen: ״Weil er ihn liebte, darum züchtigte er ihn frühzeitig“, der Midrasch sagt aber umgekehrt:. ״Weil er ihn frühzeitig züchtigt, darum kommt er dazu, ihn zu lieben“. S. 4 übersetzt der Verfasser den Midrasch über ,אלך und ואלה• Dabei überträgt er die Worte ואלה נווסיף שבח על הראשנים also: ״Wo aber das Wort ואלה ״und dieses“ steht, gehört es noch zu dem Vorhergehenden.“ Das ist unrichtig. Vielmehr heisst es: ״fügt es Rähmliehes zu dem Vorhergehenden hinzu “ Auf derselben Seile bei der Erklärung der Namen der Stämme lässt der Uebersetzer bei der Deutung von לוי die Worte »״מתוך הזנה unübersetzt, und doch sind sie bei dieser Stelle von Wichtigkeit. Sie beziehen sich auf die Deutung tn Paraschah 12. S. 7 übersetzt Verfasser im Ps. 63,11 das Wort "״ "יגיהרוהוsie werden umkommen“, was nicht richtig ist; es heisst ״man wird sie zerhauen“. S. 8 übersetzt er in der Deutung des Verses 11 das Wort מלבן mit ״Ziegelstein“ und übersieht dabei, dass der Midrasch selbst gleich darauf das Wort erklärt: ״דבר שמשים עליו לבנים״. Auf derselben Seite übersetzt er die Stelle über die Erklärung des Namens der Stadt Pithom: שראשון ״ ראשון פי תהום בילעיWeil den ersten Grund der Mund des Abgrundes verschlang“, während ״ ראשון ראשוןEinen nach dem Anderen“ heisst, wie der Verfasser selbst vorher übersetzt hat. S. 10 übersetzt er Vers 15 .,und der König sprach zu den ägyptischen Hebammen“, während es im Text heisst: ,,zu den hebräischen“. S. 13 übersetzt er die Stelle מהם שראויים לצאת etc. folgendermassen: ״Manche von den Kindern waren entweder lahm oder blind oder sonst fehlerhaft oder verstümmelt an einem Gliede zur Welt gekommen, damit sie aber wohlgebildet heraustreien sollten, so beteten sie vor Gott“ etc. Diese Stelle ist ganz falsch verstanden. Wenn die Kinder schon so unglücklich zur Welt gekommen waren, was nützte da das Gebet? Vielmehr ist die Stelle so zu übersetzen: ״Manche von den Kindern waren in Gefahr, lahm oder blind oder fehlerhaft zur Welt zu kommen oder, um glücklich aus dem Muttersehoosse zu kommen, in der Gelahr, dass man ihnen ein Giied abschneide. Was thaten sie nun (.die Hebammen) in dieser schweren Lage? sie beteten etc.“ Auf derselben Seite sind die Worte des Midrasch ״ ואנו לא דיינו שאין לנו להאכילןund wir sollten ihnen nicht Unterhalt geben“, nicht richtig übersetzt, da es heissen muss ״und nicht genug, dass wir ihnen keinen Unterhalt geben können“. Auf derselben Seite übersetzt Verfasser die Deutung zu Vers 19 כי חיות הנה, welche im Midrasch lautet אם תאמר מילדות הנה folgendermassen: ״Wolltest du sagen, die Hebammen etc.“; er bezieht also die Deutung der Lebhaftigkeit auf die Hebeammen, und der Sinn wäre folgendermassen: Pharaoh fragt die Hebainmen: ,.Warum habt ihr die Kinder leben lassen?“ und sie antworten: ״Die Ebräerinnen sind anders wie die Aegypterinnen, denn sie sind חיות‘; nach dem Uebersetzer also fragt der Midrasch, ob die Hebammen חיות seien? Das giebt aber keinen Sinn, denn mit der Lebhaftigkeit der Hebammen können sich doch die Hebammen nicht entschuldigen. Vielmehr fasst der Midrasch in seiner Krage das Wort חיות gieichbedeutend mit Hebammen auf und sagt: ״Meint die Schrift mit dem Worte חיות, dass die Hebräerinnen deshalb so schnell geboren, weil sie alle selbst Hebammen gewesen wären?“ Das geht nicht an. Denn wenn gar eine Wöchnerin selbst Hebamme ist, braucht sie doch noch den Beistand einer Hebamme. S. 14 übersetzt Verfasser in der Deutung von Vers 21 also: ״Es soll dir damit gelehrt werden, sagte Jochanan, wer sein Weib aus reiner Absicht ehelicht, das gilt der Schrift so, als wenn sie gehören hätte“. Das giebt keinen Sinn. Uebersetzer hat 1) die Worte לשם שטים unrichtig aufgefasst und 2) das Wort ילדה unrichtig gelesen. Die Uebersetzung lautet so: ״Es soll Dir damit gelehrt werden, sagte R. Jochanan, wer sein Weib 11m Gotteswillen ehelicht, der gilt der Schrift so, als wenn er sie neu geschaffen hätte“. (Fortsetzung folgt.) Notizen. 1) 1) אעשה לו עזר כנגדו. Mos. 2,18). Der schwierige Ausdruck כנגדו scheint mir zu bedeuten: wie sein Gegenüber (wobei an eine Selbstbespiegelung zu denken ist.) Er wäre demnach zu übersetzen: wie er ist d. h. ein Wese.n sei ner Gattung. Dadurch tritt dann auch V. 20 (vgl. Raschi) in das rechte Licht. 2) Der Ausdruck in der bekannten Erzählung von dem Heiden, der zum Juden(hume übertreten wollte ״ ע״ט שתלמדני כל התורה כלה כשאני עומד על רגל אחתunter der Bedingung, dass man ihn die ganze Tora lehre, wäh* rend er auf Einem Fasse stehe“, darf wohl nicht buchstäblich genommen werden; indem sonst der Heide doch etwas allzu hanswurstartig aufgetreten sein würde. Es scheint vielmehr eine blos sprüehwörtliche Redensart zu sein, die blos die Bedeutung hat: in kürzester Frist u. dgl. — Ganz analog sagt auch der Franzose in demselben Sinne, au pied levd Auch das deutsche: stehenden Fusses ist eine ähnliche Redensart. 3) (דונש (בן לברט. Vor einiger Zeit wurde in diesem Literaturblatte die Vermuthuag aufgestellt, dass das Wort: Dons zu lesen sei. Dieser Vermulhung widerspricht jedoch der Umstand, dass in den bekamttan Einleitungsversen zum Hochzeitstischgebete דוי הסר wie in den Sabbathgesang דרור יקרא in dem Akrostichon der letzte Buchstabe s'ets als Schin und nicht als Sin erscheint. Als Akrostichon kann übrigens דונש in keinem Falle als Titulatur sondern muss als nomen proprium betrachtet werden. S ü s k i n d - Wiesbaden. 41 Herr Victor Guerin verlas in der jüngsten Sitzung der Inschriften zu Paris ein Memoire über den Jerusalemischen Tempel. Er nimmt an, dass die Zerstö• rung desselben gegen den Willen des Titus erfolgt sei (ob er Bernay’s Ansicht bestreitet oder nicht kenut, erfahren wir nicht) In Betreff der drei Umwaltuugen stimmt Herr G. fast ganz mit de Sanlcy, dass die aussere Mauer in vielen Punkten dieselbe Richtuag mit der jetzigen Mauer inaehieit. Die jetzige misst 3900 Meter. In der Zeit der grössten Ausdehnung hat sie, wahrscheinlich nie mehr als 4100 Meter gehabt, und die Bevölkerung Jerusalems überstieg nie die 100,000. 5) Im Verlage von A. Durlacher in Paris erschien פי׳ ירמיה von R, Joseph bar Simeon Kars, nach den beiden Manuscripteu der Nationalbibliothek zum ersten Male von L. Schlossberg edirt. Verantwortlicher Kedacieur Dr. Rehmer in Magdeburg. Druck von U. Horbach in Barby. Verlag ▼on Robert Frieia ia Leipaig.

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