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Das jüdische Literaturblatt · 1881-11-16 · No. 46. (16.11.1881) · p. Seite 182

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 46. (16.11.1881)
Date
1881-11-16
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 — Der Streit der Söhne Jakob’s. (Schluss.) Um nun zur Sache zurückzukehren, so scheint es also, dass Jakob die Entscheidung nicht treffen konnte. Er hätte, nach diesem Gedankengange, Joseph zum Erben der Tradition ernennen müssen. Das hätte, wie er aus eigener Erfahrung wusste, und wie es sich auch später zeigte, Neid, Hass und Streitigkeiten gegeben. Hat er selber es doch bitter fühlen müssen, dass die Mutter für ihn Partei ergriffen. Diese bittere Erfahrung hat er Joseph ersparen wollen, wie es auch natürlich ist, dass er jedem Streite zwischen seinen Kindern gerne Vorbeugen wollte. Hierzu kam noch der Umstand, dass in Betreff dieses Punktes, in der Familie der Stammväter die Väter noch niemals entscheidend aufgetreten. Es waren bisher, wie bereits bemerkt, immer die Mütter, welche die Entscheidung herbeiführten. Bei Abraham ist es bekanntlich Sarah, die für Isak entscheidet, bei Isak Rebekka, die mit Erfolg für Jakob eintritt. Hier, bei den Söhnen Jakobs, fehlte die eine Mutter. Rachel, die Mutter Josephs, war bereits todt. Sie konnte für ihren Sohn nicht eintreten. Ob Leah diesbezüglich Anstrengungen gemacht, wird nicht berichtet; aber wenn sie welche gemacht, musste sich das Gefühl de9 Vaters gegen die Zumuthung, Joseph zurückzusetzen, sträuben, er musste jeden derartigen Versuch zurückweisen mit dem ausgesprochenen, oder unausgesprochenen Gedanken: man will die Waise verdrängen. So blieb die Angelegenheit in der Schwebe. Die Entscheidung musste der Zukunft überlassen werden, oder die Brüder mussten zeigen, wer Fähigkeit und Anlage zur Führerschaft haben werde. Diese Gedanken beschäftigten die Söhne Jakobs, hielten ihre Gemüther in steter Aufregung und es bedurfte nur eines Anlasses, 11m die im Innern zehrende Gluth der gegenseitigen Eifersucht zur hellen Flamme auflodern zu lassen Den Anlass gab, natürlieh ohne irgend welche Absicht, der Vater selber. Er machte Joseph einen bunten Rock. Da brach der verhaltene Groll los. Als wäre es eine Krone, die er ihm aufgesetzt, oder der Purpurmantel, den er ihm umgehängt. Die Eifersucht, die gar Vieles sieht, was die von ihr freien nicht zu sehen im Stande sind, sah darin die Parteinahme des Vaters für Joseph, gegen Rüben. Der ältere Sohn ward nun in den Augen der Brüder in seinen Rechten verkürzt, zurückgedrängt. Das Mitleid, auf welches der wirklich oder scheinbar unschuldig Leidende immer rechnen kann, war rege, säuuntliche Brüder nahmen Partei für Rüben gegen Josef. Die Träume, die ihnen Joseph, wie es scheint, im jugendlichen Uebermuihe oder Trotz erzählte, machten das Mass voll. Die Träume bewirkten also weder den Hass der Brüder, noch seinen Verkauf, sie beschleunigten nur was kommen musste. Das Geschick ling an sich zu erfüllen. So glauben wir den innern Zusammenhang in der Geschichte der Stammväter klar dargelegt zu haben. Und wenn sich uns in dieser Weise die Stammväter und besonders die Söhne Jakobs in ihrer rein inenschliehen Seite, mit ihrem menschlichen Fühlen und men-chliehen Leidenschaften zeigen, so ist ihnen jedenfalls durch diese Auseinandersetzung der Vorwurf des Kindisch-Seins, des Zankes um Kleinigkeiten genommen; der Vorwurf: dass sie eines Rockes, oder leerer Träume wegen den Bruder gehasst, verkauft und über den Vater solches Welt gebracht haben. Sieht man auf den eigentlichen Gegenstand des Streites, so verliert der letztere, abgesehen davon, dass durch ihn der Schicksalsknoten geschürzt wurde — sein Hässliches. Was da zu erringen war, war nicht irdisches Gut und nicht materieller Besitz, sondern die ideelle Superiorilät — sie kämpften um den Vorzug: das geistig-religiöse Joch tragen zu dürfen. Es war eine מחלקה לשם שמים Möge es nie andern Streit in Israel geben. Literaturbericht. kteenirae». Stein, Dr. Ludwig. Die Willensfreiheit und ihr Verhältniss zur göttlichen Präscienz und Providenz bei den jüdischen Philosophen des Mittelalters. Berlin und Frankfurt bei B. Baer und J. Kaufmann. 1882. Man darf wohl von einer Renaissance der jüdi• sehen Religionsphilosophie in unserer Zeit sprechen, denn kein Gebiet des theologischen Schiifithums war in den jüngstvergangenen Jahrhunderten so gänzlich unangebaut, wie das religionsphilosophische. Bei sehr gelehrten und durchaus nicht fanatischen Rabbineu fanden wir den More im untersten Fach des Bücherspindes unter sonstigen ספרים חיצונים und das Studium desselben galt als Vorstufe zum Abfall. Seit Munks bahnbrechenden Arbeiten ist es anders geworden, die bedeutendsten Gelehrten haben ihre Geisteskräfte und Geistesschärfe dieser Materie zugewendet und es ist nicht der geringste Ruhm der Breslauer Rabbinerschule Religiousphilosophen wie J 0 ß 1, B e r. 11 a y 8 (s. A.), R 0 s 5 n, Freudenthal und Kaufmann unter der Zahl der Lehrer und Schüler aufweisen zu können. In dem vorliegenden Buche haben wir ein neues, und um es gleich zu sagen, auch recht geistreiches als interessantes Produkt der bezeichneten Studien zu begrüssen. Es war ja eine dankbare Aufgabe, aus dem überreichen Schatze der mittelalterlichen Religionsphilosophie einen Stoff herauszugreifen und dessen Entwickelung und Behändlung bei den verschiedenen Autoren zu verfolgen, aber ebenso dankenswert!» hat der Verf. diese Aufgabe gelöst und selbst der Laie gewinnt aus seiner Behändlung ein anschauliches Bild von deu Gedankenkreisen in denen sich die jüd Philosophen in Bezug auf die Willensfreiheit in ihrem Verhältniss zur göttlichen Präscienz ״Omniscienz“ bewegten. Die Ansichten vou Saadia, lbn Pakuda, Jehuda Halevi, Abraham ihn Daud, ben Esra, Maimonides, Gersonides, Mose Narboni, Aharon Nikomedi (י(עץ חיים Chasdai Creseas ("אור ד) und Joseph Albo werden nicht nur klar und lichtvoll dargelegt, sondern es gejiugt dem Verf. auch eine prägmatisehe Folge der Gedankenentwicklung herzustellen, die der Auffassung ungemein förderlich ist. Ein Einwand gegen die vorgetragene Quintessenz der verschiedenen Systeme wird sich ausser vielleicht in Bezug auf Levi ben Gerson nicht erheben lassen. Den Vorwurf, der philosophischen Behandlung eines Ausgleichs der menschlichen Willensfreiheit mit der göttliehen Präscienz aus dem Wege gegangen zu sein, verdient Gersonides schon deshalb nicht, weil die!,rage mit der Annahme siderischer Fatalität eigentlich schon entschieden ist, und nur zu erwägen bleibt wie ״ausnalunsweise“ siderische Einflüsse zu besiegen sind. Er behandelt die Willensfreiheit nicht, weil er sio streng genommen kaum statuirt. Für das System Ihn Pakuda’s halte der Verf. in Kaufmanns bekannter Arbeit für Creceas in Joels grundlegender Monographie gern benutzte Hill'smittel, die jedoch ein gründliches Studium der Quellen selbst dem Verf. nicht überflüssig machten. Für Maimonides giebt sich eine freudige Begeisterung kund, mit welcher der sehr anfechtbare

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