Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 40. u. 41. (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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K«. 40 u• 41• Das Jahrs, X. Jüdische Literaturblatt r I l Zar Beleaehtang aller Jadenthnn «ad Jade« betreffendes literarisch. Enehelaangen aaf dca Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie,The- 010g le,Orleatalla, Exegese, Ho- Biletlk, Lltargik, Pädagogik. Herau8״e״el1en von Rabbiner Dr. Moritz Knhtiier. Mnffdebnrg, 5. October 1S81. r Bücher der einschlägigen LIteratar, welche der Bedaetloa shgesaadt werden, fladea In dieaeBBlatte eingeh. Besp rechnng. BelEiasendaag voa s w e 1 Beeenalonsexemplaren erfolgt nach Erwühn. L d.Woehensehr. Das ״Jlftsllaelie Llteratarblatt*4 erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buohhandtungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang: 811k. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die Vierteljahr). bei allen Postanstalten and Buch bnndl ungen 3 Bk. kostet) erhalten das .Jüdische Literaturbla«“ gratis. —!■■ernte werden mit 25 Pt. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenomraen durch die Central-Annoncen-Expedition von Gr• L>. Daabe Jto Co., Frankfurt a. M, Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. 1 ■ h*I tt Wissenschaftliche Aufsätze: Kant und Mendelssohn. 1. _ Die Schriften Kaschi's. (Forts, von Nr. 28). — Das Trierer Memorbuch. — Die Juden in Tunis. — Supplement zn mei nen Noten und Verbesserungen znr Dr. WUnsche'schen Biblioth. Rabbinica, Bereschit rabba. — Beiträge zur Erklärung der griechischen Wörter in den Midraschim und Talaouden. Literalurbericht: Recensionen: Kelchner, Or. Ernst. Wozll der Lärm? Ein Beitrag zur Klärung der sogeaannten Judenfrage. — Schreiber, Dr. Emanuel. Der Talmud vom Standpunkte des modernen Judenthums. — The Hebrew Review. Published by the Rabbinical literary association of America. - חשובות חכמי צרפת ולותיר אשר העתקתי מתח■ כתב יד לוח לשנת - .וספחתי עליהן הערות אני יואל הכהן טיללער תרמ״ב IllustrirlerjüdlscherFamilien-Kaleuderfür 5642 (1882). Notizen. — Inserate. Nachdruck nur Mit voller Quellezangabe gestattet. Kant and Mendelssohn. I. Glückliches achzehntes Jahrhundert, spöttisch heute ״Aufkittrungszeit“ genannt, wie rein und klar war die Atmosphäre, in der Deine Denker wandelten! Wie frei von Ueberschtttzung und Tarlüfferie steht das Zeitalter Kant’s da gegenüber dem letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, das seine Jugend im Rausch des Chauvinismus erzieht. Statt Kant, Schiller und Göthe — Schopenhauer, Richard Wagner und Makart, als Apostel derZeit! Kant erkannte einstweilige Grenzen der menschlichen Vernunft; Schopenhauer will das Räthsel des Lebens gelöst haben. Die Signatur der Aufkittrungszeit war Toleranz, auch von Juden wollte ein Kant lernen, während sich heute der Bildungspöbel über ״jüdische“ Professoren chockirl. Wie hoch steht im Punkte der Toleranz der in den dichterischen Herrlichkeiten des Orients schwärmende ״Heide“ Göthe. Büswilligerweise haben die Urheber der verbrecherisch konstruirten heutigen Juden frage es gerade versucht, Aussprüche der Herren der Aufklttrungszeit und 60 auch Kant’s für ihr Wüthen gegen den ״Toleranzdusel“ nutzbar zu machen. Hat unsere in Spezialitäten leistungsfähige Zeit in der That Gelegenheit gehabt, jenen Denkern einzelne irrige Ansichten über das Judenthum zu berichtigen und 60 auch z. B Kants Anschauung von dem Judenthum als einer ״statutarischen Religion“ der Vergangenheit zu überweisen, so ist doch nichts leichter als der Nachweis, dass die Herren der Aufklärungszeit werkthätig nicht ״national* und chauvinistisch beschränkt, sondern universell auftraten. Hing doch Göthe dem christlichen Kreuz den Vers an: ״Soll ich wohl in seiner Starrheit — Hölzchen quer auf Hölzchen singen“. Für Kant erhellt dieses aus den nachfolgenden Auszügen aus seinem Briefwechsel allein. Wenn auch das Ge* sammtmaterial noch mehr erweist, dass gelegentliche Aeusserungen, so z. B. Kant’s bekanntes Urtheil Uber die jüdischen Kaufleute, gegenüber dem universellen Standpunkt gar nicht in Betracht kommen. Man bedenke die damalige bürgerliche Stellung der Juden. Sind nicht noch heute in gelegentlichen Aeusserungen gerade wir Juden ,,die grössten Reschoim“, wie wir dann oft auch noch hinzufügen. Von Antisemitismus in heutigem Sinne aber bei unsern Klassikern reden, heisst wirklich, sich ein Zeugniss für Halbbildung und Begriffsverwirrung in historischen Dingen ausstellen. Der Einfluss Mendelssohns auf das Judenthum wird kaum unterschätzt, aber auch Kant verdankt als dem bestimmenderen Geiste das moderne Judenthum einen Theil seiner Stellung. Mindestens mit demselben Recht wie der preussische Schulmeister die Schlacht bei KÖniggrätz gewonnen haben soll, können wir sagen, Kant hat uns emancipirt. Zu Lebzeiten Kants waren **« einsichtige Juden, die ihn am ehesten verstanden und feierten, ja mehrfach Denkmünzen auf Kant prägten und ihm überreichten. Wir müssen diesen interessanten Gegenstand hier verlassen und geben vorläufig in Folgendem einige diesbezügliche Briefe Kant’s wieder. Merkwürdig ist es jedenfalls, dass die von polnischen Juden so reich frequentirte Stadt der reinen Vernunft auch iu der Neuzeit wohl einen Johann Jakoby als begeisterten Verehrer Kant’s aber keine Antisemiten hervorgebracht hat. Heute jedenfalls merkwürdig! Wir lassen nunmehr Auszüge aus Kant's Brief- Wechsel folgeu. A Monsieur Moses Mendelssohn in Berlin. Mein Herr! Es giebt keine Umschweife von der Art, wie sie die Mode verlangt, zwischen zwei Personen, deren Denkuagsart durch die Aehnlichkeit der Verstandesbeschäftigun* gen und die Gleichheit der Grundsätze einstimmig ist. Herr Mendel Koschmann hat mir den jüdischen