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Das jüdische Literaturblatt · 1881-09-21 · No. 38. (21.9.1881) · p. Seite 152

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 38. (21.9.1881)
Date
1881-09-21
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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152 — liier und Asyrer. Die aut'ö. 17 ff. entwickelten Grenzbestimmungen dieser Sprachfamilie zeichnet sich durch grosse Klarheit und Anschaulichkeit aus. Die Einwürfe gegen Renans schiefes Urtheil über die Semiten als ״race infcrieuse“ gründen sich zum grossen Theil auf Grau's vortreffliche Auseinandersetzungen in ״Serniten und Indogermanen etc.“ (Stuttgart 1864), wäh• rend Chwolsons Eintreten für seine Stammesgenossen als apologetisch und religiös befangen (!) verworfen wird. Auch Grau spricht den Semiten gleich Renan, Kunst, Wissenschaft und Politik ab, auch er reicht ihnen die Palme nur im Gebiete der Religion, aber diese eine Leistung erhebt sie weit weit über den Vorwurf, eine inferiore Race zu sein. ,Ja, wer die Kunst und Wissenschaft über die Sittlichkeit, das Erkennen über Liebe und Treue, die Begabung der Phantasie über die aufopfernde Hingebung des Herzens, das intellectuelle Uber das ethische, das wahrhaft nur dann, wenn Gott der Grund und das Ziel desselben ist, bestehen kann, stellt, der mag immerhin die Semiten von jenem niedrigen Gesichtspunkt aus betrachten, gerecht ist er ihnen aber nicht geworden.“ Uebrigens weist der Verf. mit Recht auf die Anfange von Kunst und Wissenschaft auch bei den Semiten hin, die zeitlich der indogermanischen Kultur so weit vorangehen, dass nur eine relative Vergleichung ein richtiges Urtheil ergeben Kann. Dass die Semiten in der Zeit des Kulturschlafes der Indogermanen die. grossartige Vermiitlungsrolle geistigen Lebens und Schaffens zwischen Morgen- und Abendland spielten, weist doch wohl auch nicht auf inferiore Befähigung hin. (Siehe Schleiden in der bek. Broschüre und Krehl in Brockh. Conv. Lexicon: Arab. Sprache und Literatur). Hommels sprachlicher Excurs über die verwandten semitischen Sprachen wird bei jedem Philologen Anregung ung Befriedigung erwecken, wenn auch manche Hypothese noch des schärferen Beweises bedarf. Wie in den Zeiten der Pest aber auch jeder Gesunde Neigung zu krankhaften Symptomen zeigi, so fehlt auch in der voi liegenden Broschüre des iiusserst wohlmeinenden Verfassers nicht ein Seitenblick auf die ״Judenfrage“. Wir sind für jede vorurtheilslose Beurtheilung der Juden und des Judenthums herzlich dankbar, aber so lange Jemand an der oft und gründlich widerlegten Behauptung festhält ״das Geld und die Presse seien in den Händen der Juden“, so lange verliert jedes andere uns gespendete Lob an Werth und Wahrheit. Der Lösung der Judenfrage unter den Palmen des heiligen Landes für die abtrünnigen und vielleicht dem Kreuze sich beugenden Söhne Israels, wie sie der fromme Verf. ersehnt; stellen wir die Hoffnung auf Kr■ füllung des Prophetenvvortes entgegen: ״Und der Herr wird König sein über alle Welt und an jenem Tage wird Gott einig-einzig sein und sein Name einig einzig!“ Rabb. Caro- Erfurt. sehr schön ausgestatteten Buches wird Freunden des Hebräischen und auch sogen. Maggidim sehr willkommen sein. Eine prächtige Sprache, seltene Gewandtheit des Stils — vielleicht auchr ein gewisser Tick, schöne Themata zu finden — geistreiche Auslegung und Anwendung — damit ist Alles gesagt. Streng Wissenschaftliches dagegen im modernen Sinne wird weniger darin geboten, aber auch schwerlich gesucht; obwohl der Verf. nicht selten einen schönen Anlauf dazu nimmt Vielleicht giebt es Kreise, für welche solche ״Uebergangsweise“ berechtigt und beliebt ist. Ausseihalb Deutschlands dürfte sie noch viele Verehrer finden. Coblenz. I)r. Lew in. Notizen. 1) Taschlich. Wenngleich sich unsere jüdischen Weisen Uber die verschiedenartigsten ceremoniellen Gebrauche im Judenthum auf das Minutiöseste verbreitet haben, so linden wir Bemerkungen über den genannten Minhag — als solchen dürfen wir das Taschlichmachen nur auffassen — erst bei den späteren und spätesten jüdischen Decisoren; ausser beim מהריל noch bei dem Posener Rabbiner Mordochai Jaffe (in seinem לבוש מלכות) und dessen Nachfolger Jes. Horwitz (in dessen של״ה). Beide lebten im 17. Jahrhundert. Es liegt die Vermuthung sehr nahe, dass der betreffende Gebrauch an einem Orte, vielleicht von einem Kabbalisten, inscenirt und dann allmählich in andere Gemeinden eingeführt, um nicht zu sagen, verschleppt worden i6t, denn eine wahrhaft jüdisch-religiöse, sittlieh erhebende Idee liegt dem Taschlich entschieden nicht zu Grunde; es versinnbildlicht in sehr drastischer Weise den schönen Propheten6pruch: ״Und wirf in die Tielen des Meeres alle ihre Sünden“ (Micha 7, 19). Dass ein ähnlicher Brauch bedeutend früher im Christenthum vorherrschend war, ersehen wir aus Jacob Griinm’s Rede auf Schiller. Die bezüg* liehe Stelle lautet wie folgt: ״Als Petrarka vor schon 500 Jahren von Frankreich aus zu Cöln, damals der grössten deutschen Stadt, unsern Boden betrat, zog ihn ein Schauspiel an, wie es seine Augen nirgendwo erblickt hatten. Es war Johannisabend, er sah Schaaren des Volks wallen an des Rheines Ufer, zierlich gekleidete, mit Kräutern gegürtete Frauen ihre weissen Arme aufstreifen und zum Strome tretend unter Gesängen oder leise gemurmelten Sprüchen diese Krauler in die Flut werfen. Auf sein Befragen erfuhr denn der fremde Gast, es sei ein althergebrachter Brauch, den man alljährlich wiederhole, auch in künftigen Zeiten nicht unterlassen dürfe. Dem Volksglauben gelte für wahr, dass mit den eingeworfenen, rheinab messenden Krflufern aller Unheii des nächsten Jahres weggeschwemmt werde.“ M. Spanier. 2) Die Löwy’sche Erklärung der Stelle in Genes. שפר אור חדש — יבאר מאמרים רבים שתוטים וחתוכים באגדות חש״ם והמדרשים auch unter dem Titel: Contributioi.s towards the elucidatiou 01' bible history und Talmudie e.vegesis by the Rev. JosepliKohn-Zedek. London, N. P. Vallentine, Primer 23, Houedsditch. 149 S 8״. Dem Viceprüsidenten des Ra! lies der Vereinigten Synagoge und Präsidenten des Board of guardians, Esquire Lionel Cohen, bringt der schriftgewandte Verlasser sein Buch als Ehrengabe zur Feier der silbernen Hochzeit dar. Darin sehen wir ein Aufstrahlen der Morgenröthe, dass jüd. Sprache und jüd. Wissenschafl wieder am Heerde jüdischer Grossen Schutz und Schirm finden werde. Der Inhut[ des typographisch 36, 24 in der vorletzten Nummer des Literaturblattes erinnerte mich an die originelle Auffassung dieser Stelle bei Carl Faulmann. In seiner ״lllustrii ten Geschichte der Schrill“ pag. 61 und 333, leitet dieser Gelehrte das Wort ימם vom Aegyptischen hm ab, das Frauenbrust bedeutet. Er übersetzt demzufolge die citirle Stelle: ״Anan erfand in der Wüste das ״Melken“, als er seines Vattrs Esel hütete“. Das Aegyptische entzieht sieh meiner Controlle fhebr.gleich dem ägpt. h. nach p. 626 note 26), aber duss ״ מצאerfinden“ bedeuteu 6011, lässt sich meines Wissens aus der Bibel nicht belegen. Die Bedeutung ״entdecken“ weist wohl Fürst in seinem grossen ״Hebräisch - Chaldäischen Wörterbuch“ nach. Jedenfalls sagt meinem Geschtnacke die Bedeutung ״erfinden“ mehr zu, als die Löwy’sche ״paaren.“ B. Verantwortlicher Redacteur Dr. Ra hm er ia Magdeburg. Druck von H Horbach iu Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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