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Das jüdische Literaturblatt · 1881-09-14 · No. 37. (14.9.1881) · p. Seite 148

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 37. (14.9.1881)
Date
1881-09-14
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 — inneren Grunde. Die einzige erhaltene Handschrift dieses werthvolleu Connnentares liegt auf derHreslauer Seminar-Bibliothek. Herr Rosin, Lehrer an dieser Anstalt, hatte daher seit Jahren Gelegenheit, diesen kostbaren Codex zu studiren und die Veranlassung hiezu bot mit gewissermassen zwingender Nothwendigkeit sein Lehrfach, das die Bibelexegese und besonders die mittelalterlichen Commentaforen zum Gegenstände hat. Unter dem inneren Grnnde verstehen wir die ausgezeichnete persönliche Eignung Rosin’s für eine derartige Arbeit, der die gediegensteFachkenntnis.se uni kritisch geschultes Urtlieilsvermögen mit einer bei jüdischen Gelehrten seltenen wissenschaftlichen Genauigkeit — Akribie lautet dafür das bezeichnendene Kunstwort —, und einer peinlichen literarischen Gewissenhaftigkeit verbindet. Schon die oberwähnte Abhandlung lieferte den Beweis, mit welch’ eingehender Sorgfalt Ilr. Rosin diesen Commeniar studirt, welchen Fleiss und welche• Liebe er daran gewendet und wie reichlich seine Arbeit durch die schönsten Ergebnisse belohnt wurde — mit der Edition des Commentars selber hat dieser verdienstvolle Autor jedoch seinem Werke erst die Krone aufgesetzt und wir dürfen es getrost behaupten, dass sich ihm jeder Kenner der hebr. Literatur für diese Leistung geradezu persönlich verbunden fühlen muss. Denn so wenig ich abfälligen Aeusserungen, wie solche der Recensent eines anderen jüd. Blattes jüngst über Editionen von Schriften fallen liess, bei denen die Flagge des berühmten Namens die geringfilgige Waare decken muss, entgegentreten möchte, so sehr dankbar bin ich anderseits für jede Herausgabe, die ein Literaturwerk von bleibendem Werthe botrifft, sei es nun ein noch nicht gedrucktes, oder sei es ein bereits erschienenes, aber nunmehr in verbes*ortor odor durch wissenschaftliche Z ul baten bereicherter Gestalt neu aufgelegtes Buch. Wie sehr nun der Pentateuehcominentar des Raschbaut einer Herausgabe der letztbezeiclmeten Art bedurfte, erhellt am besten aus dem Urtheile, das Herr Rosin in seiner obgenannten Monographie (S. 54) als Ergebuiss der Untersuchungen über die äussere lind innere Geschichte desselben, die im Grunde auf die des einzig vorhandenen Codex hinauskommt, in folgenden Worten abgibt: ״Der Pent, Com. R. Samuels ist im Laufe der Zeit zufolge seiner durch viele Hände geförderten günstigen und ungünstigen Entwickelung schliesslich in so vielen Punkten seinem ursprünglichen Wortlaute ungleich geworden, dass man sehr oft bewusst oder unbewusst auf Fehler stösst und zu irriger Auffassung verleitet wird. Eine gründliche Erforschung und Prüfung ries (!ommeiriars is kaum mehr abzuweisen; es ist an der Zeit, mit umsichtiger Benutzung der Handschrift und der im äupercommentar (des R. Salo- 111011 aus Posen) niedergelegteu Abänderungen einen nach den Regeln der wissenschaftlichen Kritik gesicliteten Text herzustellen. Dann erst wird eine zuverlässige Beurtheilung und Verwerlhung dieses Commentar's in weiteren Kreisen möglich sein mul dessen ganze Eigcuthümlichkeit sich in ihrer vollen Reinheit dem Leser durstellen.“ (Schluss folgt.) Wünsche, Dr. Aug. Der Midrasch zum Buche Esther, zum ersten Male in's Deutsche übertrugen. Leipzig 1881. Otto Schulze. 8#, 102 S. und X. Es ist tust׳ überflüssig, über die Uehersetzung dieser Midrusclipiecc viele Worte zu verlieren. Der gelehrte Herr Uebersetzer lmt sich mit dem Midrasch und der einschlägigen Literatur so eingehend vertraut gemacht, dass man seiner Arbeit den Sehweiss der Mühe nicht mehr anmerkt, der beste Beweis für das Gelingen seiner Leistung. Die Verstösse gegen den richtigen Sinn sind liier nur sehr sporadisch anzutrclfcn. Wir sind der Mühe überhoben, darauf hier im Einzelnen näher einzugehen, weil alle Fehler in den Schlussnoten gewissenhaft registrirt und berichtigt .werden. Die Uebersetzung des in den verschiedenen Theilen poetisch tief angelegten Midrasch macht den angenehmen Eindruck eines organischen Ganzen. Der schöne poetische Gehalt kommt hier sichtlich der Uebertragnng zu Statten. Dies zeigt sich besonders bei den grösseren Stücken. Man kann dem Uebers. die Gewandtheit und Sicherheit des seinen spröden Stoff Bemeisternden nicht streitig machen. Es klingt Alles so gerundet und wie aus einem Gusse, dass man kaum eine Geberset/ung vor sich zu haben glaubt. Die Noten, aus der Feder des Herrn Dr. Fürst tliessend, zeichnen sich durch Reichhaltigkeit, Gründlichkeit und sachgetnässe Anlage aus. Die Einleitung würdigt gebührend, ohne Neues von Belang heranzubringen, die Bedeutung and Stellung des Midrasch Esther bei genauer Rücksichtnähme auf die einschlägigen Vorarbeiten. Der Uebers. hat seine Arbeit wesentlich dadurch gefördert, dass er das Targum scheni oft zum Vergleiche heranzieht. Diese Uebertragung reiht sich ebenbürtig ihren Vorgängerinnen an. Soiirau Ü/S. Dr. Immanuel Deutsch. Notiz. Herr Dr. Jelliuek hat sich ein Verdienst erworben, dass er gegen das Gebühren mancher Cantoren auftrat, die sich auch die ״Priesterwürde“ aninassen wollen. — Wer dieser Ansicht nicht sein sollte, dein empfehlen wir den Artikel eines Cantors in der Zeitung d. Judenth. Nr. 23. Könnte man nicht dabei an die Worte des Propheten Ainos denken: הפרטים ״ .על פי הנבל כדו־ד חשבו להם ב״שSie die eintönig nach der Harfe siiigen, dem ״David“ gleich sich mit ihrem Saitenspiel wähnen.“ (Arnos 6,5). — Da wird u. A. für den Cantorenstand die Achtung eines ״Maharil“, ״Kali! “ u. s. w. verlangt.;— Wenn wir Cautoren haben werden, die Gebete verfassen, so grosse hebr. Kenntnisse und tiefen religiösen Sinn besitzen wie Kalir u. s. w., dann können dieselben eine solche achtunggebietende Stellung beanspruchen. Die Paitaniin ptlegten oft die von ihnen verfassten Gebete vorzutragen. Ob dieselben mit besonderen ״Stimmmitteln“ beanlagt waren, wird uns nicht berichtet. — Legte man ja früher hauptsächlich auf das ״hebr Verständuiss“ einen Werth. (Siehe Mordeclmi, Ende des ersten Perek Chtillin). In welcher Weise schon die ältesten Rabbinen gegen die nur Cantoren (Sänger) sein wollenden Vorbeter auf- (raten, ist aus folgenden Schriften zu ersehen: ב״י ב״ח א״ויח ק״א und ו״ה;א״וחינ״ג führt noch Jeremias 12,8 an. ״Sie fielen über mich her mit ihrem Geschrei, darum hasse ich sip.“ Sehr wichtig ist auch die Beiiierkimg von Mekore Minhagiiu S. 14 ״Das die Abnähme der Anducht und der Lärm in den Gotteshäusern den Chasaiiim zuzusehreihen ist,*) denn כי דחונים רובם ״ * בוריםDie Clmsanim sind vorwiegend — geleert.“ Es liegt uns sehr f.j111׳, irgendwie die modernen Cantoren mit den ״früheren“ zu ideniificiren Wir kennen eine Anzahl von wohlunterrichteten, bescheidenen Cantoren. Nur gegen eine Klasse von ״llüchmütliigen“, die dem Cautorenstaiid geschadet haben und schaden, da sie selbst Veranlassung zum Volkssprilcbwort: Chasonim sind.geben, ist es nötliig, unbekümmert um ihr ״Bass-Kol“, Protest zu erheben. A. Dieser Vorwurf trifft unsere modernen Cunloreii g 1»ם z und gar nie 111, denn das ist ja keine Frage, dass durch würdigen Vortrag und Chorgesang Andacht und Ruhe im Gotteshause recht eigentlich hergestaUt wird. (Red.) Verantwortlicher Redarteur Dr. Kahmer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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