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Das jüdische Literaturblatt · 1881-08-31 · No. 35. (31.8.1881) · p. Seite 140

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 35. (31.8.1881)
Date
1881-08-31
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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m — 140 — lehren, dass allemlialben "ששת ייז־ :־א:־ oder ע'•ג ב״ לשכושית jm Munde, des Volkes eine Bezeichnung für ״eine frühere, unbestimmbare Zeit“ war, genau dem lat. Worte -Olim“ entsprechend, also nicht wörtlich zu nehmen ist. (Vergl. .Inka 4!>a). 1111 vorliegendem Falle besagt .ששת ינו" ב־אשיל. dass das Maulthier Üavid’s keine heimische Zucht war, sondern dass sich selbes seit früherer, unbestimmbarer Zeit vorfand. (ir.-Kanischa. Jos. I, öwy. Literaturbericht. Kecensioiien. Belh l'ri, (בי־ אורי). Krklürungen schwieriger Stellen des Pentateuch und Midrasch, nebst einem Anhange; lierausgegeben von F. He Iden st ein, Rabbinats-Assessor in Lissa. Frankfurt a/M. 5(541, bei M. Golde. Man nennt unsere Zeit eine materielle, der jeder Idealismus, jede selbstlose Hingabe an das Höhere abbanden gekommen ist, und doch hat auch unsere Zeit eine nicht geringe Zahl von Männern, die ihr ganzes Leben dem Studium, dem Forschen widmeten, über die Lösung der wichtigsten Fragen nachgedacht haben, nicht um schnöden Lohnes, nicht um des blendenden Flittergolds des Ehrgeizes willen, sondern um dev heiligen Sache zu dienen und ihr einen festen Boden unter den Menschen zu gründen. Dieser Klasse gehört der Verfasser des oben UDgezeigten Buches, Herr Heldenstein, an. Der Verfasser ist Rabbinatsassessor der alt ehrwürdigen Gemeinde Lissa. Sein ganzes Leben lliesst in Uebung frommer Werke und im Studium des Talmuds hin, und doch beschäftigte ihn die wichtige Frage, wie der Zweifelsucht der Menschen ein Riegel vorgeschoben, die Glüubigkeit in den Herzen der Israeliten befestigt werden konnte. Ohne Erwartung auf materiellen Lohn, schrieb der Verfasser das Buch ביל• אורי, in welchem an die Wochenabschnitte angeknüpft, Forschungen über die tiefsten Angelegenheiten angestellt werden. Denselben Zweck verbindet er mit der Erklärung einer nicht geringen Zahl schwieriger Midrasclistellen. Jeder, der der hebräischen Sprache mächtig ist, wird darum das Buch בית אורי mit grossem luteresse lesen und manche Frage, die ihn vielfach beschäftigte, beantwortet littden. Ls wird in dem Anhänge auch manches interessantc tulmudische Thema geistvoll behandelt. Wir danken dem Verfasser, dass er selbstlos seinen (.»laubensgenossen dient, und wünschen seinem Buche einen recht zahlreichen Leserkreis. —k. Nathan Le Sage, Conference faite ä la societe republicaine d’instruction de Vesoul, le 5. Decembre 1H80, par Isaac Levy, Grand-llabbin. Paris, G. Fischbuch er, Rue de Beine 33. 1881. 51 S. kl. 8. Was über Lessing und Nathan erzählt wird, ist allen gebildeten Deutsehen bekannt und bis zur verdummendeu Antisemiterei auch wahr gewesen. Wir hätten demnach allen Grund, uns dieses Vortrages zu erfreuen, als eines der vielen kleinen Kanäle der Völkereinigung, als eines der Wege, auf welchem deutsehes Wissen und Kenntniss deutschen Wesens naeli Frankreich gebracht wird. Hierin würde die Inanspruchualune der Lessing’schen Ideen als französischen Eigenthums uns nicht sonderlich gestört haben. Denn je mehr der Besitz der Wahrheit und des Rechten erstrebt wird, desto mehr breiten Wahrheit und Recht sich aus! Allein Herr Levy will auch politisiren r¬ und auf diesem Gebiete ist und bleibt er ein Spiessbiirger, der kannegiessirt — der Nichts lernt und Nichts vergisst. All' die Ammenmärchen von deutschen Spioneu, all’ das elende Geschwätz von deutscher Uugereehtigkeit bei der kriegsgerichtlichen Behandlung der Frunctireurs, der hinkende Vergleich mit dem kriegsmassig geordneten Landsturm von 1813 — die Blindheit für den Unterschied zwischen freiwilligen Soldaten und dem Schlauberger, der morgens in Rlouse und Holzpantinen den Dummen spielt und nachmittags aus dem Busch seine Eimpiartirung niederschiesst — die Salbaderei über Herzlosigkeit, die in der annektion der deutschen Zwingländer Eisass und Lothringen za Tage getreten wäre — all’ dies macht uns diesen Vortrag vollständig ungeniessbar! Vier Zeitfragen in neuer Behandlung von A. Epluen. Breslau, A. Hepner’s Verlag, 1881. 102 S. Lexcf. Wenn die andern 3 Zeitfragen so ״neu“ behandelt sind, wie die ״Ueber die Juden und Christen“, dann tliut uns das Papier herzlich leid, das dazu verwendet worden ist. Pfändungen, Wechsel und Reichsposr, interessiren uns hier jedoch nicht. Zur Judenfrage liefert der jüd Vcrf. nur Bekanntes. ״Der Juden Antheil am Verbrechen“ (der beste Theil der ganzen Schrift) ist von Dr. Löwenfeld viel glänzender beleuchtet worden. Kurios ist die Anpreisung des Trefa-Essens als eines Mittels zur Vermehrung der Körperkraft, wie die Abneigung gegen die jüd. Frauen. Das hat noch kein vernünftiger Mensch geleugnet, dass es auch schlechte Kerle unter den Juden giebt. Wozu wären denn die Criminalgesotze der Bibel und des Talmud gegeben worden! Allein von so beschränktem Standpunkte aus — der Verf. kennt nur sein Breslau — über das Ganze urtlieilen wollen, ist mehr, als gewagt. Da kommt nicht Unparteiisches, sondern Unreifes hervor!^ Möglich, ja wahrscheinlich, dass dem Verf. hierbei sein Lieblingswort entschlüpft: 111m sei es ״egal1'-, was wir von seinem Buche halten. Uns aber ist's durchaus nicht ״egal“, wenn unberufene Juden so naiv sind, dem Risehus Brennstoff zuzufiihren. Sie nähren das Feuer — uns lindert es die Glutli nicht, dass sie es nicht beabsichtigt haben. Constatiren wollen wir noch, dass seihst Herr Ephren für den jüd. Friedhof eine Lanze bricht. Dass für ein solches Buch sich ein Verleger gefunden hat, erklärt sieh aus der I den t i tät von Verfasser und Verleger. Coblenz. Dr. Lew in. Notiz. Zwei dicke handschriftliche Bände, die aus der Mendelssohn'schen Familie stammen, wurden bei einem Berliner Antiquar gefunden. Der eine ist ein Excerptenbuch Moses Mendelssohn's, der in dasselbe allerlei Studien in seinem Buche über Rousseau, sowie die Entwürfe (oder Kopien?) zweier Briefe an Lessing geschrieben lmt. Daneben finden sicli Adressen von hochgestellten Personen, wohl Kunden seines Freundes und Handelsgenossen Bernard, endlich allerlei Ge* dankensplitter, wie man sie zu gelegentlicher Benutzung notirt. Auch Abschriften von Gedichten, besonders französischen, sowie schüchterne Versuche, Liebesgedichte des Abbe5 Bernis in deutsche Verse zn bringen, linden sich in diesem merkwürdigen Sammelhefte. Der zweite Band fuhrt die Ue’oerschrift ״Kollektuueenbuch für das Jahr 1783 von Joseph Mendelssohn“ (dem ältesteil Sohne des Philosophen), enthält aber vorwiegend skizzenhafte philologische Aufsätze des Vaters, sowie ebenfalls Briefkopien. Verantwortlicher Redarteur Dr, Rahraer in Magdeburg. Druck vou H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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