Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 34. (24.8.18818)
- Date
- 1881-08-24
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 136 Literaturbericht. Rfcensionen. Kahtuer, M. Dr.*) Die biblische Erdbehentheorie. Eine exegetische Studie. Leipzig. Robert Friese. 1881, Es ist sehr zu billigen, diiss sieh die Wissenschaftliehe Arbeit auf dem (Jebiete des A. T. Schriftthurns in der neueren Zeit nicht mehr in dickleibigen Commentaren niederschlägt, sondern sich mehr Einzelfragen in Monographien und Abhandlungen zuwendet. Während die Eruirung des Schriftsinnes im Ganzen und Grossen durch mehrhundertjährige Erforschung so ziemlich als abgeschlossen betrachtet werden kann, ist in Rezug auf Textkritik, Lexicographie und exegetische Releuchtung einzelner Stellen noch grade genug zu tiiun übrig. Einer späteren Zeit wird es erst zusieben, die Resultate solcher Einzclforschungen an gehöriger Stelle in den Gesammtorganismus der biblisehen Wissenschaft einzufügen. Eine solche in mehrfacher Hinsicht beachtenswerthe exegetische Studie ist auch die oben angezeigte Schrift des Hrn Red. dies, gesch. Bl. Es fällt dem Verf. nicht ein, etwa eine besondere biblisehe Erdbebentheorie aufstellen zu wollen, was er beabsichtigt, besteht vielmehr darin, zu zeigen, wie diePropheten Joel, Ainos und des älteren Secharjadie Farben ihrer ergreifenden Schilderungen vom ״grossen und schreckliehen Tage des Herrn״, einem wirklichen Erdbeben, sicherlich dem, das in den Tagen des Usia stattgefunden, entnommen haben; auch in verschiedenen anderen Stellen des A. T. hat jene fürchterliche Katastrophe den Autoren ohne Zweifel vorgesehwebt. Dabei ist es von grossem Interesse zu sehen, wie die einzelnen Spraehbilder sich nicht als subjective Ausmalungen als blosse Phaniasmagorien erweisen, sondern mit den den Erdbeben vorausgehenden, sie begleitenden und ihnen nachfolgenden Erscheinungen vollständig übereinstimmen. Was Humboldt, Falb u. A. in ihren Theorien als Ursachen über Erdbeben feslstellen, wie z. B. der Einfluss von ,Mond und Sonne, von Ebbe und Fluth u. s. w., auf das alles weisen auch die biblischen Schilderuugen hin und bestätigen es. Für die Führung der Chronologie der schriftstellerischen Thüligkeit der Propheten Hosea, Joel, Arnos und des älteren Secharja, ist das Erdbeben unter Usia von Wichtigkeit, und es gebührt dem Verf. auch nach dieser Seite hin Dank, ein Moment festgestellt zu haben, welches für die Zeit der Abfassung jener prophetischen Orakel als Ausgangspunct dienen muss. Bekanntlich setzen neuere Exegelen namentlich die Wirksamkeit Joels in viel spätere Zeit. Der Verfasser führt seine Untersuchung an der Hand jüdischer und christlicher Ausleger mit grossem Scharfsinn durch, und es tritt uns eine ganze Fülle von feinen exegetischen und lexicalischen Bemerkuugen in seinem Schriftcheu entgegen, die der wissenschaftlichen Beachtung empfohlen sein mögen. Dresden. Dr. August Wünsche. trag in überraschendster Weise. Bodin ist nicht allein ein Kenner und Verehrer des jiid. Schriftthums, er ist nicht allein von seinen Feinden als ein ,,Judensprössling״ verschrieen worden, sondern er ist ein Kenner des Judenthumes, wie man ihn in seiner Zeit (circa 1570) kaum suchen würde. Er ist nicht ein Vorläufer Lessings, sondern — so seltsam es scheint, er überragt ihn! Denn auch der Verdacht, ״betrogene Betrüger“ zu sein, kann aus seiner Schilderung auf keine Religion geworfen werden. Ihm heisst’s allein: Wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beisatnmenwohnen! Wir vermeiden es, die fesselnde Dar- Stellung des Vortragenden von dem, jild. Kreise besonders iuteressirenden Inhalte des Hepla plomeres auszugsweise wiederzugeben, um dem Büchlein und dem zu erwartenden, umfangreicheres Werke über denselben (Jegenstand nicht die Leser zu rauben. Doch den Hinweis wolle uns der Verf. gestatten, dass die Humanität des Judenthumes nicht solch’ schwacher Stützen bedarf, wir Halbvers Jerem. 50,15 eine bietet, woselbst dem Worte: ״Die Rache ist Gottes“ folgt: ״rächet euch an ihm“. Wir schliessen mit dem Wunsehe, dass das umfassendere Werk über Rodin in Form und Diktion dem werthvollen Inhalte besser angepasst sein möge, als dies bei diesem Vortrage der Fall ist. Coblenz. D1\ Lewin. Ein Wort der Mahnung an Israel um Relierzigung der Judenlietze und merkwürdige darauf bezügliebe Träume, von Jasc 11 ern Mi 1 o Debor in Würzbürg. Würzburg 1881. (!0 S. kl. 8. *Seit des Tempels Zerstörung ist die Prophetie zu Kindern und Narren herabgesunken.“ Mit diesem alten Worte mag man sielt ob obigen Büchleins trösten. Wäre der Traumglaube. der bei aller scheinbaren Demuth die Arroganz der lixen Idee einer besonderen Berufung und Befähigung enthüllt, nicht in so widerliehet־ Manier hier aufgetreten, welch' Unfug und Chil- 1111 hascheni hätte der sonstige Inhalt, von einem Antisemiteu geschickt benutzt, angestiftet. Wie würde man auf die Juden geschimpft haben, die so todeswürdige Verbrechen begehen, wie Frisiren am Sabbatb! Doch Gottiob, die Haltung des Ganzen ist so wirr und widersinnig, dass auch der tollste Antisemit uns nicht diesen Blödsinn auf den Hals laden kann. Nebenher sei es erwähnt, dass dieser Vorläufer des Messias mit 10000 M. jährlich Palästina colonisiren will — das wäre ein Wunder, durch welches er sich als Auserkorencr zeigen würde! Allen Ernstes aber, solch’ Zeug ist eine Gefahr für uns. In ruhigen Zeiten gehören diese Produkte in ein Journal pour vire — jetzt aber kann der Blödsinn anstecken! Drum Schuster bleib' beim Leisten und Träumer, erzähle die Cbalamnaus Deiner werthen, nicht aus gegenseitiger Neigung geheiratheten Frau — uns aber lasse damit unbehelligt. L. Bloch, Dr. J. S. Jean Bodin, ein französischer Staatsmann and Rechtslehrer, ein Vorläufer Lessing's aas dem 10. Jahrhundert. Vortrag am 20. Januar 1881 im Saale der Handelsakademie zu Prag. 2(! S. Was ist uns Bodin? Diese Frage beantwortet der Vor- ״) (Vir lassen diese uns zugegangene Hecen«. unseres Schriftehens schon um des geschätzten, in der liebr. Literatur so sehr bewanderten Recensenten willen hier folgen BrieUiche Mittheiluiigcn jüdischer Gelehrten Uber einzelne Stellen geben wir später in anderem Zusammenhänge. (Rtd.j Notiz. Der ״Globus“ erzählt, dass die ersten Fatnilien der grusinischen Aristokratie, welche ihre Stammbäume last Jahrtausende weiter, als die europäische zurückzuführen vermag, zumeist eingewandert sind. So sind die Bagration, welche lange auf dem georgisehen und armenischen Königsthrone gesessen haben, ursprünglich Juden und behaupten von David abzustammen. Briefkasten der Redaction. B. in L. Beides erhalten; die Recension in nächster Nr. — R. in P. Besprechung wird mit andern Büchern derselben und ähnlichen Geure's erfolgen. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barhy. Verlag von Robert Friese in Leipzig. J