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Das jüdische Literaturblatt · 1881-07-27 · No. 30. (27.7.1881) · p. Seite 119

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 30. (27.7.1881)
Date
1881-07-27
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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119 haile, bewog ihn seine Neitrung für die Philosophie, die Universität Bonn zu beziehen, wo er ein aufmerksanier Schüler Friedrich Freitags im Arabischen und Christian Lassen’s im Sanscrit war. Er setzte seine Studien in Berlin und Kiel noch 2 Jahre hindurch fort und promovirte in letztgenanntem Oorte als Doctor der Philosophie, zu seiner Dissertation das Thema: Ueber das indische Criminalrecht“ (de Jure Indorum Criminali) wählend. Sich darauf mit Zend und verwandten aiischen Dialeclen beschäftigend, veröffentlichte er kurze Zeit nachher in Berlin ein Werk über das Lautsystem der alten persischen Sprache, betitelt ״Lautsysiem des Altpersischen1847 ,־ in 8 Bänden, Da er ein Israelit war, waren ihm die Vortheile, zu denen ihn seine Bildung und Kenntnisse berechtigten, entzogen; so blieb ihm der Lehr6tuhl eines Professors verschlossen. Empfohlen an den berühmten Kritiker und Archäologen, M. Letronne, kam er nach Frankreich und hatte den Genuss der persönlichen Freundschaft der Herren Burnout, De Saulcy, Longperier und anderer hervorragender französischen Orientalisten. Im Jahre 1848 erlangte er die Stellung als Professor der deutschen Sprache am Lyceum zu Laval und später an dem zu Rheims. Die Arbeiten über die persische Sprache und die Keilschrift, welche er in der מRevue Archdologique“ und in dem ״Journal Asiatique“ veröffentlichte, zogen die Aufmerksamkeit des Instituts auf ihn, und dieses ernannte ihn zum Mitgliede der wissenschaftlichen Expedition nach Mesopotamien, welche auf Anordnung der französischen Regierung im Jahre 1851 unternommen worden war. Bei seiner Rückkehr nach Frankreich wurden ihm die Nnturalisationspapiere überreicht und zugleich wurde ihm durch den Unterrichtsminister der Auftrag zu Theil, nach London zu gehn, wii u!6 daselbst iili bi *itioCliCn M useum liegenden assyrischen Inschriften und die Monumeine der Ruinen von Korschabad zu studiren. — Die Aufgabe, die Reise nach Mesopotamien auf Grund der stattgehabten Untersuchungen zu beschreiben, wurde durch den Siaatsminister seiner Fürsorge übertragen und Monsieur Oppert begann die Veröffentlichung derselben im Jahre 1857 unter dem Titel der ״wissenschädlichen Expedition nach Mesopotamien, ausgeführt auf Befehl der Regierung von 1851 — 1854 durch die Herren Fulgenie Fresnel, Felix Thomas und Jules Oppert.“ Dus Werk enthält, in Hinzulügung zum Reisebericht, bemerkenswert he Abhandlungen über die Chronologie und Geschichte der Assyrier und Babylonier, über Keilinschriften und Erklärung, geschichtliche Erläuterung und Beurtheilung vieler anderer Inschrifteil. In vielen Beziehungen sich zu den Ideen Hinck's und Rawlinson’s bekennend und die Resultate seiner eigenen unabhängigen Prüfung des Gegenstandes benützend, ersann Oppert ein neues System der Erläuterung, welches er dem Institute mittheilte und welches allgemeine Billigung fand. Er war der Erste, der genau die Lage Babylon’s bestimmte, musterte und mass, und der einen Plan davon für die französische geographische Gesellschaft verfertigte. Er lewies in gleieher Weise in seinen folgenden Schriftstücken, dass die vorhandenen Urkunden wirklich das Alter besitzen, das ihnen nachgesagt wird. Auf der einen Seite unterstüzte ihn in seinen Forschungen seine Vertrautheit sowohl mit semitischen Einrichtungen und Ceremonien, als auch mit gewisseu semitischen Wegen, gesetzliche Vorstellungen darzulegen, welche er von biblischen und talmudischen Untersuchungen herleitete, auf der anderen Seite seine Kenntniss der ältesten Gesetze und indo-europäischen Völkerschlachten. Die Fortsetzung seiner .wissenschaftlichen Expedition“ wurde im Jahre 1859 (Resultats de l’expedi־ion) und J861 (Dechiffrements des inscriptions cundiformes) veröffentlicht. Ferner gab er folgende Werke heraus: ״Etudes Assyriennes“ (Paris 1857), ״fildments de la grammaire Assyrienne“ (Paris 1860), ״Grande Inscription des Palais de Korshabad“. (Paris 1803, ״Supplement“ 1866), 11״tscriptions Assyriennes des Sargouides et les fastes de Ninive“ (Paris 1862), ״L’Honover, le verbeerdateur de Zoroaster“ (1863), ״Les Faues de Saigon“ (überse’zt und veröffentlicht aus dem assyrischen Text in Verbindung mit M. .1. Menant, 1868), ,.Histoire des empiresde Chaldde et l’Assyrie“ (1866), ״Inscriptions de Dour Sarkayan“ (1870), ״Immortalite de 1’äme chez les Chalddens, suivi d’une traduction de la ddscente aux enfers de la ddesse Istar Astarte“ (1875). ״Memoire sur les rapports de l’Egypte et de l’Assyrie dans l’antiquite“ (1863), ״Babyloue et les Babyloniens“ (1869), ״La Chronologie biblique“ (1870), ״Mölanges perses“ (1872), ״Salomon et ses successeurs“ (1877), ״Documents juridiques de l’Assyrie et de la Chaldde“ (1877, mit M. Menant), ״Le Peuple et la langue des Müdes (1879), etc. Der kaiserliche Preis für wissenschaftliche Aus- Zeichnung, betragend 20000 Francs, wurde im Jahre 1863 Herrn Oppert zuertheilt, und ebenfalls unter dem Kaiserreich im Jahre 1856 ehrte man ihn durch Verleihung des Kreuzes der Ehrenlegion. Diese Preisvertheilung an Oppert war die zweite seit Gründung desselben. Er war ״für ein Werk oder eine Entdeckung, die am Meisten angethan waren, das Land zu ehren und ihm zu dienen“, ausgesetzt. .Monsieur Mariette, desseu Sitz er als Mitglied der gelehrten Körperschaft, welche den Preisgewinner wählte, jetzt einnahm, war damals sein Mitbewerber. Im Jahre 1857 wurde Herr Oppert zum Professor des Sanscrit an der kaiserlichen Bibliothek in Paris ausersehen und in dieser Stellung edirteer eine Sanscrit-Grammatik für seine Schüler (Berlin 1859, 2 Ausgabe 1863). — Die vortreffliche und lehrreiche Zusammenstellung der staatlichen Sammlung von assyrischen Alterthümern in Paris verdankt man auch ihm 1111 Jahre 1874 wurde er zum Professor der Philologic und der Assyrischen Archäologie am College de Trance ernanut, an welchem sehr geehrten Institute er noch immer seine Vorlesungen über erwähnte Gegenstände lörtsetzt. J. Oppert hat auch ein Werk über die achemenidischen Inschriften (Paris 1854, 8 Bände) veröffentlicht. Er hat dem Institut mehrere Denkschriften und eine Karte des alten Babylon Uberwiesen und sie dem ״Atdnaeum Francais“ und den ״Annales de Philosophie chrdtienne“ zuertheilt. M. Oppert besuchte vor einigen Jalnen den Orientalisten- Congress in London und studirte in diesem Lande im Jahre 1879 von Neuem die assyrischen Urkunden im britischen Museum. Er ist auch ein Mitglied des Central- Coinitd's der ״Alliance Isradlite Universelle“. Herr Oppert war einer der französischen tlelehrten, die im vergangenen Jahre den Congress in Lissabon besuchten und auf ihrem Rückwege nach Paris eine zwar kleine, aber sehr andächtige Gemeinde bildeten, welche die Feier des Versöhnungstages in Madrid beging. Herr Oppert ist der Bruder des ehemaligen Bibliothe* kar's der Königin, jetzigen Professors in British-lndien. Zum Schluss mag noch erwähnt werden, dass vor Oppert schon Israeliten zu Mitgliedern der Academie Franchise gewählt worden, z. B. Munk aus Glogau. Dies ist 80 recht der Beweis dafür, wie aus dem Vaterlande verdrängte Elemente in anderen Ländern, wo sie freundlich aufgenommdn werden, ihre Kräfte zu Gunsten des Staates in dem Maasse verwenden, dass sie ihm zu grosser Ehre gereichen.

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