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Das jüdische Literaturblatt · 1881-07-27 · No. 30. (27.7.1881) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 30. (27.7.1881)
Date
1881-07-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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tfo. 80. Das «Falirg. X. Jüdische Literaturblatt. 1 Zur Belenchtnng »Her Judentbum und Juden betreffenden IlternrluchTErscheinungen anf dem Gebiete der Philosophie. Geschieht»,Ethnographie,Theoiogie.Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. H e 1• a u s g e g e b e ti von Rabbiner I)r, .Moritz Knliiner. Ma^debni'K, S7. .Tnli 15*81. Bächer der einschlägigen LIteratnr, welche der Redaction zngesandt werden, finden in dieseinBlatte eingeh.Besprechnng. BeiElnsendnng von > Recenslonsexemplaren erfolgt anch Erwähn. i.d.Wochenschr. Das Jtitllfiel•« liUerotarblutt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlnngen (m Leipzig be!?Robert F riese) pro J ah r g an g: 8 Mk. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift“ (die viertel.iährl. bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inoerate werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Cenh.d-Annoncen-Expeiiition von Gr. L- Daube & Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, Münclien, Zürich, Wien, Paris, Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Ein Lehrer Mendelssohn'».— Dr. Julius Oppert. Literatnrbericht: Receusionen: Nach;ebrift zur Fabel von der jüdischen Maascneinwanderung. Notizen. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Ein Lehre!‘ Mendelssohn’». (Fortsetzung und Schluss.) So war denn 1762 das Evangelium Johannis erschienen. Baumgarlen, ]Mendelssohn und Nicolai waren die ersten Abonnenten gewesen, andere gebildete Man* ner, darunter Geistliche und Gelehrte, hatten sieh zugesellt. — Gegen Ende des Jahres 1763!heilte Damm Moses Mendelssohn mit, dass er nunmehr zur Herausgäbe des ganzen Werkes entschlossen sei. Aber der erfahrene Weise schüttelte noch immer bedenklich den Kopf und wandte seine ganze Beredtsamkeit auf, den alten Mann von einem Schritte abzuhalten, weleher, ohne die beabsichtigte Revolution in der Denkungsart der Theologen herbeizuführen, nur die Folge haben musste, ihm den Best seiner Tage zu verbittern. Alles vergeblich. ״Was wollen sie mir thun?“ sagte er. ״Mir meinen Kopf nehmen? Ich bin über sechzig Juhre alt und des Lebens müde. Mich in’s Gefängniss sperren? Auch da wird mich das Bewusstsein, recht gehandelt zu haben, nicht verlassen. Mir meinen kleinen kümmerlichen Gehalt nehmen? 0, Gott lässt die Vögel auf dem Dache nicht verhungern und weder Verfolgung noch Verleumdung können mir meine Geinülhsrulie rauhen.“ Da zuckte Mendelssohn die Achseln und sagte: ״Thun Sie, was Sie nach Ihrer üeberzeugung thun zu müssen glauben, aber denken Sie nur nicht, dass Sie allen den bitteren Kuin- 111er voraussehen können, welchen Ihnen Ihr Vorhaben verursachen wird. Machen Sie sich vielmehr auf Kränkungen gefasst, von denen Sie jetzt noch gar kei nen Begriff haben,“ Der Rector ging und handelte, aber er sollte sich der Worte des Freundes erinnern. Die Uebersetzung des Neuen Testaments erschien und ihre Wirkung war die einer Bombe. Soweit die deutsche Zunge klang, erhoben sieb die Orthodoxen dagegen mit dem ganzen Eifer ihres Glaubens und selbst die Gemässigteren unter ihnen waren der Meinung, dass eine gleiche Ketzerei noch gar nicht dage* wesen sei. Auch in Berlin hatte dev gute Rector die meisten Geistlichen gegen sich, selbst Probst Süssmilch, der Ephorus des Köllnischen Gymnasiums, grollte ihm heftig und forderte offen das Verbot des Buches und die Absetzung des Herausgebers. Dass es weder zu dem Eben nocli zu dem Anderen kam, hatte wohl nur darin seinen Grand, dass damals in Preussen ein König regierte, welcher Verfolgung in Religionssachen nicht duldete. Was im Uebrigen geschehen konnte, den Verfasser den Hass seiner Feinde fühlen zu lassen, das geschah. Man verdächtigte nicht allein sein Buch, sondern auch seinen Charakter, aber, obwohl es ihm nicht verborgen blieb, welche Mittel seine Widersacher anwendeten, ihn zu kränken, blieb seine Ruhe doch uneischütteit and cs schien in der That, als wolle er der Fels bleiben, welcher sein zu wollen er gelobt. Erst, als die herrschende Erbitterung auf offener Strasse gegen ihn zum Ausbruch kam, als man ihn zum Gegenstände eines Volksauflaufs machte und es •geschah, dass man ihn vor den Augen des Pöbels wie einen Verworfenen behandelte, verlor er seine bisherige Festigkeit. Diesmal war der Stich bis ins Herz gedrungen und ein Gefühl der Reue, gemischt mit Welmiuth, bemächtigte sich seines Wesens. In dieser Verfassung kam er jetzt zu Mendelssohn, drükte ihm gerührt die Hand, erzählte das Vorgefallene und sagte dann mit einem tiefen Seufzer: ״Ach, lieber Herr, Sie haben es mir wohl vorau6gesagt, dass Kränkungen meiner warteten, von denen ich keine Ahnung hätte. Noch vor Kurzem dachte ich nicht, dass Sie damals so wahr redeten, aber wie sehr haben Sie Recht gehabt!“ Die Bekanntschaft mit Mendelssohn be6tand, wie bemerkt, schon seit einer Reihe von Jahren. Sie war seiner Zeit durch Nicolai vermittelt worden, der Mendelssohn Gelegenheit geben wollte, aus der Sprachgelehrsamkeil Damms Nutzen zu ziehen. Trotz seines Eifers und seiner Vorliebe für die philologischen Stu-

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