Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 29. (20.7.1881)
- Date
- 1881-07-20
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 116 Und doch degradirt Rah Gidel (ibid 1 diese 8 Verse ן mit der Ansnahmsslellung, dass ein Einzelner solche in der Synagoge vorlesen kann, was auch Maimonides als Halacha codificirt, der aber vom Rabed sarkcstiscli inlerpellirt wird: ״Wohin hat sich die ganze Gemeinde verlaufen, dass der Vorleser יחידו) allein in der Synagoge geblieben?“ Wir versuchen es in den יחיד einen andern Sinn hineinzulegen. Zur liturgischen Vorlesung der Tora waren zwei Personen erforderlich, die eine verlas den Text, die andere ül ersetzte ihn in die Landessprache zum allgemeinen Verständniss der Laien. Einige Stellen jedoch wurden Idos verlesen, und nicht verdollmetscht, weil die Feinheiten des Originals nicht immer übertragbar, ohne den guten Geschmack zu verletzen, der Uebersetzer aber Farbe bekennen mu89. (Megilla 2lb, 25b). Rah Gidel mochte Anstand genommen haben, die bezeichneten Verse auch in die vulgäre Sprache verlesen zu lassen, weil die öffentliche Aleinung tragen konnte: אפשר משה חי וכתב וימת שס משה; er empfahl daher solche ביחיד d. h. durch eine Peison (ohne מתורגמן) ZU verlesen. — Dass aber יחיד nicht immer den Gegensatz von צבור, sondern oft eine abstracte Person ansdrückt, führen wir z. B. an: הפרת נדרים בשלשה הדיוטות או ביחיד מוטחא oder דיני טמונות ביחיד (Bathra 120 b, Kama 80 a), also der Gegensatz von Dreien, hier von Zweien. Gr-Kanizsa. Löwy. Literatur bericht. Receusioaeii. Lehmann Emil, Gabriel Kie9ser, ein Rechtsan wall Vortrag im Mendelssohn-Verein zu Dresden gehalten Preis 00 Pf. Leipzig 1881. Robert Fries e^ Ein wirklich treftliches Schriftchen und leider ein sehr zeitgemässes. Aber auch, wenn das letztere, nicht der Fall wäre, so verdienten wir nicht Männer wie den, der au der Spitze dieses Schriftchens steht., besessen zu haben, wenn wir seiner so rasch vergessen könnten, denn ״das Culturwerk der Judenemancipation in Deutschland, das vor einem Jahrhundert durch Mendelssohn und Lessing begonnen“, hat, wie der Herr Verfasser mit Recht hervorhebt, ,vor fünfzig Jahren ‘seinen tüchtigsten, berufensten, unermüdlichsten und siegreichsten Vorkämpfer gefunden, in — Gabriel Riesser. — Gabriel Ries.er hat für die Juden in Deutschland — und zwar in ganz Deutschland — Grosses geleistet, sein volles Leben und Wirken gehört. uns. Was er gekämpft und geschrieben, es ist nicht verklungen. Es ist Gemeingut geworden der Gebildeten, Grundsatz der Verfassungen. Heil darum der Zrit, die keinen Riesser braucht, wehe dem Geschlecht, das Gabriel Kiesse: vergisst“. (8. 3.) Der Schriftschaiz der jüdischen Emancipationsgcschichte ist reich an guten, noch reicher an mittelmässigen Arbeiteil. Das Beste, was in diesem Jahrhunderte für die Juden geschrieben wurde, ist von Riesser. Keiner hat dem Scholar, der hinelmöuto in die Ständeversamnihingen, hinaus in die öffentliche Meinung, schmetterndere, tiefer e mlrmgende, wohlklingendere,erfolgreichere Töne entlocat, als er. Er verliess den bisherigen Standpunkt der Buie und stellte sich auf den Rechtssiandpunkt. Kr forderte als Recht, was seinen Glaubensbrüdern verweigert wurde. (S. 15) Er sagt schon 1830: yDie Zeiten der Glauhensmärtyrer sind vorüber; die Frage der Glaubensfreiheit ist heutzutage mehr eine Frage des Rechts, der Ehre, der Freiheit, als des Glaubens.“ Aber das Vertrauen auf eine gerechte Sache ist auch ein Glaube, es kann auch begeistern zu Mühen und Opfern, die, wenn sie kein augenblicklicher Erfolg krönt, wohlthätigen Samen in die Zukunft streuen können! 80 lesen sich viele der Riesser’schen Schriften, als seien sie gestern geschrieben und vollends das noch jetzt Zeitgemä6seste daran, das Beste des Guten, hat Herr Fmil Lehmann in dem vorliegenden Schrif'chen harmonisch zusammenfügt, dabei weist er an der Hand des Riesser’schen Briefwechsels klar und überzeugend nach, wie, ähnlich wie bei Lord Beaconsfield, die Liebe Riesser’s zu seinem Volke auf dem Boden des Vaterhauses erwachsen und wie ״das zu echter Freundschaft verklärte Innigkeitsverhältniss zwischen Vater und Sohn, in dem traulichen Fumilienleben des Riesser’schen Elternhauses, einem Leben von echter deutscher, wahrhaft jüdischer Tiefe der Grund für seine ganze selbs lose Thätigkeit liege.“ Wir können das treffliche Schriftchen bestens empfehlen, und sind überzeugt, das es bei tüchtiger Verbreitung Gutes stiften wird. Max Weinberg. Notiz. Fund bei Jerusnleiu. ״In beil Ur El taclita“ (dem bibl. Unter-Bethhoran) auf dem alten, über Lydda nach Jaffa führenden Weg, der sogenannten Kameelstrasse, sechs Stunden von Jerusalem, wurde ein Knabe beeidigt. Da es bei den Mohammedanern Sitte ist, dass der dabei fungirende ״Schech“ (Geistliehe) zu den Todten ins Grab hinabsteigt, um da ל ם noch über den Leichnam einige Segensworte zu sprechen, that es auch hier ein Schech aus der Berberei, ein Mann, der schon weit herumgekommen und darum aufmerksamerer Beobachter ist, als es die Eingeboreneu gewöhnlich sind; und so bemerkte er denn, dass an der Seite des Grabes sich eine schöne Steinplatte im Erdreich befinde, auf welcher, wie es ihm vorkam, Buchstaben waren. Die Erde wurde nun weggeschafft und die Platte, auf der sich eine Inschrift zeigte, herausgenommen; dieselbe bildete den Deckel zum Ein* gange in eine Höhle, und in dieser fand man bei der Untersuchung eine Kille, in welcher zwei Leuchter (ein goldener und ein silbener), drei Flaschen mit einem gelben Wasser, Metall.-chlüssel und mehrere and■ re Dinge enthalten waren. Der Schech wollte auch seinen Antheil an dem Funde, darüber gab es Streit. Man offerine ihm hundert Piaster, wenn er schweige, aber er war damit nicht zufrieden, ging nach Jerusalem und machte dem Gerichte Anzeige. Dasselbe ordnete eine Commission ab und schickte dieselbe mit einigen Soldaten hin, um die gefundenen Dinge als dem Staate gehörend in Sicherheit zu bringen. Allein die Kiste und ihr werthvoller Inhalt waren inzwischen verschwunden und die Leute leugneten, dass sie überhaupt Derartiges entdeckt hätten, blos die drei Fluschen ze gten sie vor. nie Steinplatte uiit der lnschrift war inzwischen zerstört worden. Die betheilig en Leute sind 11111 hier im Gefäugniss, waren aber bisher zu keinem Geständnisse zu bringen. (Hierauf ist das Gerücht von der Auffindung der Bundeslude mit der MaunufUsche und dem goldenen Leuchter, zu* rückzuführen. Red.) Belchdgu g. in Nr. .7 des Literat urblatls S. 103 b, Notiz 8 lies: המאסף, ברית, גילוי___ ]Pormulare-nOT? Hebrftl••(* und deutaeh (von Dr M Rahm er! — mit Er״ wähnung der vollzogenen Civil-Traiinng — DdE* 6 8tück für 1 Hark ~9Q versendet fraise• die Expedition d. Blattes. Veiantwortlicber Redacteur Dr. Kahmer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.