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Das jüdische Literaturblatt · 1881-07-20 · No. 29. (20.7.1881) · p. Seite 115

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 29. (20.7.1881)
Date
1881-07-20
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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115 — Wer da sagt, was mein ist ist dein, und was dein ist j ist mein, der ist Am-haarez mit anderen Worten: ein Kommunist. 3) Das Meine ist Dein und auch das Deine — so spricht ein Frommer. 4) Das Deine ist mein und auch das Meine — ein Gottloser *) Betrachten wir nun unter diesem Gesichtspunkte die Aussprüche des Talmud über Am-haarez (Pesachim 49 b ): ״Man sollmit einer Communistin keine Ehe eingehen“, denn durch die Gemeinschaft der Weiber ist bei ihnen jedes Gefühl von Schaam erstickt. Communistentöchter sind an Unzucht und jederlei Bestialität gewöhnt. ״Eia Communist dar! eigentlich kein Fleisch essen“, denn die äusserste Consequenz seiner Gleichheitslehre nimmt ihm das Recht ein Thier zu seinem Genuss zu tödten ״R. Elasar lehrte, man dürfe einen Communisten ohne religiöse Skrupel unschädlich machen“ weil er für die Gesellschaft eine drohende Gefahr ist, (siehe Deutsches Reichsgesetz.) Ferner lehrt R. Eleasar: ״Man darf einen Communisten nicht als Reisebegleiter wählen. R. Akiba, der sich bis ins Mannesalter hinein zu den essäisch-communistischen Lehren bekannt zu haben scheint, gesteht nach seiner Rückkehr zu den Chaberim oder Taimide Chachamim, er habe in jener Zeit Todeshass gegen die Gegner im Herzen getragen, er würde keinen Anstand genommen haben, einen Chaber mit den Zähnen zu zerreissen. R. Meir lehrte: Wer seine Tochter einem Communisten zur Frau giebt, der thut, nls'Otr er sie bände und einem Löwen zum Raube vorlegte. Wie ein Löwe würgt und frisst ohne Scham, also fehltauch dem Communisten jedweder Scham. R. Elieser sagte: Ständen wir mit ihnen in commerciellem Verkehr (statt אלמלא wenn nicht, muss es אלמלי wenn heissen, siehe Tosafot Megilia 21a 8. v. אלמלא) so würden sie uns todischlagen. R. Chi ja sagte: Vor einem Communisten die heiligen Lehren der Thora entwickeln heisst erhabene Gefühle der Schändung preisgeben, denn der Unterschied zwischen der beglückenden Rechislehre des Judeuthum6 und der communistischen Irrlehre ist grösser als Glaubensunterschiede überhaupt. Communistische Weiber hassen noch intensiver als Männer, (vide Louise Michel in Paris), am grimmigsten aber ist der Hass von Ueberläufern aus dem Chaber- Orden zu den Communisten. Als eine Folge der staatszersetzenden gegen jede sociale und bürgerliche Ordnung sich richtenden Lehren der Communisten können sie zu den Geschäften und Beziehungen des socialen Lebens nicht herangezogen werden. Deshalb lehren die Rabbinen: Communisten, die also das Recht des Eigentümers nicht anerkennen, können im forensischen Verkehr nicht als Zeugen dienen, sie verdienen kein Vertrauen, sie können nicht als Vormünder für Waisen, nicht als Armenpfleger und nicht als Reisebegleiter gewählt werden; ja manche Lehrer meinen, consequenter Weise dürfe man über verlorenes Eigeuthum eines Communisten keinen öffentlichen Ausruf erlassen, da er ja selbst den Begriff des Eigenthums negirt, (אבידתי braucht nicht wie die Comment. annehmen gefundenes Eigenthum heissen, da Tosafots Frage מאין יודע שהיא של ע״ה ungenügend beantwortet wird. Man rief auch wohl den Verlust einer Sache öffentlich aus). Dass in späterer Zeit aus Denen, welche von den Gesetzen der bürgerlichen und religiösen Ordnung nichts 8 (״iehe hierQber den Pirke-Aoot-Commentar ״Minchat Schabbä•* meines Vatere zu St. wissen wollten, faktisch Unwissende und Ungebildete geworden sind, dass der communistische Am-haarez 6ehr bald in den Ignoranten sich verwandelte, ist natürlich und erklärt den acceptirten Sprachgebrauch, Unwissenheit in der Gotteslehre mit Am-haarazus zu bezeichnen. Rabb. Caro-Erfurt. Die letzten acht Verse des Pentateuch. Es ist selbst unter den Tanaim die Frage viel ventilirt und discutirt worden, ob Moses oder Josua die letzten 8 Verse der Tora geschrieben, die vom Tode Moses und Uber sein Grab hinaus handeln, und ist die Freimüthigkeit zu bewundern, mit welcher Mehrere derselben sich für Josua als den Schreiber dieses Anhanges erklärten. Vom Standpuncte der Religion können wir nicht leicht zugeben, dass eine zweite Hand ausser Moses auch nur ein Tüpfelchen vom Jod hinzugethan, wenn die Aechtheit der Tora im Allgemeinen nicht alterirt werden soll; aber nicht nur unsre religiöse Erziehung präoccupirt uns, für Moses zu stimmen, sondern weil wir nicht wüssten, was Josua bewegen konnte, diese 8 Verse dem Werke Moses anzuhängen, und sie nicht seinem Buche ״Josua“, dass er unmittelbar selber als neue Folge geschrieben (B. Bathra 14,6) voranzusetzen? Ferner leuchtet es uns nicht ein, dass Josua von sich selber ausgesagt haben sollte: ״Und Josua war erfüllt mit dem Geiste der Weisheit“, während es Moses, dem die göttl. Inspiration die Worte: ״Und es stand in Israel kein Prophet wie Moses wieder auf“, unselbsstän•• dig in die Feder dictirte, nicht als Unbescheidenheit angereehnet werden konnte. Andrerseits jedoch beschleicht uns die Kritik schönunjslos, wie sie seit der Talmud-Redaction (ibid. 15 a bez. Sifre Ende Habracha) bis herab im ״Bet-Talmud* der HHrn Weiss und Friedmann (I. Ijar-Heft 641 Seite 15) zur stehenden Rubrik geworden. Die Beweisführungen (Deuter. 31, 34) לקוח את ספר תורה הזה und wieder ויכתוב מושה את התורה הזאת bestimmen nicht das Finale der Tora, welches die 8 Verse ebensogut einals auch ausschliessen kann. Auch im Buche Josua und Samuel, deren Namenslräger sie schrieben, wird deren Tod besprochen, was auf die Gepflogenheit hinweist, dass eine fremde Hand selbe completirte, wie es schon der Talmud bemerkt. Und endlich wie sträubte sich die Feder nicht, beim lebendigen Leibe des Schreibers den Anachronismus וימת שם משה niederzusehreiben? Zum Glücke ist hier kein איסור והיתר im Spiele und für den scheinbaren Zweifel dennoch ein Ausweg gefunden, wodurch Moses ohne Widerspruch als Schreiber dieser 12 Verse anerkannt werden kann. Wie bekannt, war ursprünglich die hebr. Schrift ohne jede hiterpunktation, die erst später zur Feststellung der Lesearten eingeführt wurden. Denkt man sich das Waw 0) in וימת׳ ויקבר/ ויבכו nicht mit dem Patach conversivum, sondern mit dem verbindenden Schwa 0) punktirt, so könnte Moses lebend und anstandslos in futurum: ״er wird sterben, begraben und sie werden beweinen“, in Folge göttl. Inspiration auf sich selber niedergeschrieben haben.*) *) Vergl. Bathra 21 b, wo Sochor für ״Selber Amalek“ gelesen wurde. Bezeichnend ist die wahrhatt göttl. Weisheit der h. Schrift, wo es heiest: Der Herr sprach zu *loses, schreib die Ausrottung Amaleks in das Buch, und sprich in die Ohren Joaua's — dem Falsch lesen vorsorgend — מחה תמחה את [כר עמלק. (Mose* II. 17, 14). (,Wir erinnern uns,v eine Ähnliche Er- klftruug Über die 8 Verse im כור לזהב von Scherschewski gelesen. I zu haben. Red.)

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