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Das jüdische Literaturblatt · 1881-07-06 · No. 27. (6.7.1881) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 27. (6.7.1881)
Date
1881-07-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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flf®. *7. Das Jahrg. X. jüdische Literaturblatt. 1 Zar BeleacbtoD* aller Jaden tt■■ aad Jade■ betreffenden literarisch. Grsehelaaaffea aaf den Gebiete der Pblloaopble. Geeehlcbte.Gthaoicrapble.Tbeolozle.Orleatalia, Kxegcae, Howlletlk, Lltarflk, Pädagogik. Fl e rft 11 sgeijeben von Rabbiner Ur.!♦loriti Hnlinier. Magdeburg, 6. Juli 1H81. r Bfioher der elaachliclffea LI• teratar, welche der Redactioa *ageaaadt werde■, linden 1■ dienen Blatte elngeh.Bespreeh- ■■ff. BelElaseadnaz toiiwel Beceaaloasezenplarea erfolgt nach Erwähn. L d.Woehenaehr. Das ״Jüdisch« Llter»tarbl«ttu erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipxig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8Mk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteliihrl. bei allen Postanstalten und Bnchhandlungen 8 Mk. kostst) erhalten das ״Jüdische LiteratorblaU* gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. filr die dreige• spaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Ceutral-Annoncen-Expedition von Gr. L. Daube Sc Co., Frankfurt a. M, Magdeburg• Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. ■ nkalti Wissenschaftliche Aufsätze: Der Judengott und Richard Wagner. — Die 8chriften Raschi's. — Nochmals über die *lavischen Wörter bei Raschi. L'Jteraturbericht: Recensioaen: ספר אורח חיים, vom Rnbbiner M. Schwarz aus Hürben. — The Hebrew Keview published bv the Rabbinical - literary association of America. Notizen: Eine Textcorrectur im Midrasch. — Der See Tiberias. — In Amerika u. 8. w Nachdruck nur Mit «־•Iler Quellenangabe gestattet. Der Jadengott and Richard Wagner. *) l)i§ Leser dieser Zeitschrift wissen, dass Wagner der grosse Apostel und Heilige der Antisemiten ist, ja dass er sogar als der Prophet dieser ganzen Bewegung gelten darf; denn sein ״Judenthum in der Musik“ erschien im Jahre 1869 zu einer Zeit, wo die Emancipation eben erst war proklamirt worden, wo also der Neid darüber, dass die Juden nun gleichfalls nach den Ehren und den Vortheilen strebten, welche das Vaterland seinen Söhnen bietet, noch nicht vorhanden war. Aber der Neid ist, wie überall, so auch bei Wagner, der Vater der antisemitischen Gesinnung. Es gab nämlich eine Zeit, wo noch nicht Wagner und Offenbach, der eine frivol und langweilig, der andere frivol und amüsant, die deutsche Musik beherrschten; in den vierziger Jahren war Mendelssohn der angebetete Heros der Zukunft; was dieser geniale Meister schuf, drang rasch in alle gebildeten Kreise, denn diese echte Kunst bedurfte nicht des kostspieligen Apparats, den Wagner’8 Bühnenfestspiel für sich in Anspruch nimmt und der die Wagner’sche Kunst je nach dem Geschmack — zum Genuss oder zur Plage der exklusiven Kreise macht. Konnte nur in den Augen Wagner’8 der bescheidene und edle Mendelssohn ein grösseres Verbrechen begehen als gefeiert zu werden, da Wagner doch lebte und schon seinen ״Rienzi“ geschrieben hatte? Und es schien ihm zu gering, sich nur an Mendelssohn zu halten; das ganze Judenthum sollte es ihm büssen, dass es sich erkühnt hatte, einen Mendelssohn hervorzu bringen. מ י Indess dieses Judenthum hatte sich auch sonst *) Von Dr. Paulus Cassel. Berlin, J. A. Wohlgemuth, schwer an Wagner versündigt. Dieser Urteutone war nach Paris gegangen, um dort sein Glück zu machen, er fand es dort nicht, aber er fand — Meyerbeer, den freigebigen Beschütze r aller Deutschen, die in Paris Noth litten, besonders wenn diese Bedürftigen in irgend welcher Beziehung zur Kunst standen; welch’ eine neue Schuld! statt sich vor den Triumphwagen des Dichter-Componisteu zu spannen, hatte es Meyerbeer gewagt, dessen Gönner zu sein und ihn vom Hungertode zu retten. Schlichte Menschen sind in solchen Fällen dankbar, aber die Dank barkeit ist eine Last, die, wie schon seiue Eheschliessung zeigt, der geniale Wagner nie auf seine Schultern genommen hat, die ja am Musikwerk der Zukunft genug zu tragen haben. Die Wohlthaten vermehrten nur seinen Groll gegen Meyerbeer, der, wie Mendelssohn in Deutschland, in Frankreich der Mittelpunkt des musikalischen Lebens war. Wahrlich, diese Juden, sie raubten dem Teutonen den Concertsaal und die Bühne, und dieser Raub sollte ungestraft bleiben? Dazumal existirte in Deutschland eine Zeitschrift für Musik, von Brendel edirt, in welcher sich die kleine Schaar der Missvergnügten und der Neidischen, wie sie jeder grosse Erfolg erzeugt, ein Stelldichein gaben; hurtig schloss sich Wagner dieser edlen Genossenschuft an, und mit schlauem Sinn, der ihn stets ausgezeichnet hatte, nutzte er das durch die Jahrhunderte genährte Vorurtheii gegen die Juden aus, um diesen musikalischen Herren etwas am Zeuge zu flicken; man hatte bisher Mendelssohn und Meyerbeer einfach als Musiker beurtheilt, Wagner wollte, dass man sie als Juden richten sollte und hoffie, dass er damit nicht vergebens an den gebildeten deutschen Pöbel appelliren würde; damals veröffentlichte er in der Brendel'schen Zeitschrift einen Aufsatz, der im Wesentlichen mit seinein spätem ״Das Judenthum in der Musik“ übereinstimmt; indess Mendelssohn's und Meyerbeer's Ansehen überwog, und der Aufsatz wandelte klanglos in den Orkus der Vergessenheit. Aber Wagner ist bekanntlich ein sehr zäher Mann, er wartete ab und ein Vierteljahrhundert später feierte das in der Brendel’schen Zeitschrift veröffentlichte oder

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