Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 26. (29.6.1881)
- Date
- 1881-06-29
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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103 — Ansicht der Decisoren auseinander. Um den רמבן schaa- 1 ren sich Diejenigen, welche es rundweg für ״trephah“ I erklären, während Diejenigen, welche die Untersuchung zulassen, sich um den ראב״ד gruppiren. Usuell wurde die nachmanidische Entscheidung überall acceptirt. Hingegen war in Castilien und Salonichi die qu. Untersuchung gebräuchlich. Diese exceptionelle Erleichterung wird von Karo in seinem Commentare zum Tur Jore Dea §. 3# auf die Thatsache zurückgeführt, dass in gedachten Gegenden die Nichtjuden sich vom Genusse des für ״trephah“ erklärten Fleisches zurückhielten. Die Rückticht auf den Schaden des Metzgers hatte also die mildere Praxis zur Folge. Sollte demnach die Sanitätsbehörde den kastiiischen Brauch rehabilitiren, so muss folgerichtig auch die Praxis von ehedem wieder hergestellt werden. Gleiche Ursachen müssen immer gleiche Wirkungen hervorbringen. Literaturbericht. Receasioaea. Die Stadt Safet und ihre Bewohner, aschkenasischen Ritus — von Dr. Eleasar Rokeach, Jerusalem. 5560 Seelen bilden die jüd. Gemeinde in Safet• Die Mehrzahl sind Aschkenasim (4060) und zwar Russen (d. h. Einwanderer oder Abkömmlinge derselben aus Wolhynien, Kiew, Podolien, Jekaterinoslaw, Cherson, Odessa, Kischinew, die alle zum Kolel YVolhynien gehören). Die Sefardim 1500 Seelen, zumeist aus der Türkei, aber auch aus den afric. Raubstaaten, Kurdistan, Bukara, Chorasan und Persien, bilden einen Kolel, sind einig und haben ein Oberhaupt. Ihre Synagogen und Bote Hamidrasch sind, die Synagoge des Ari (auch der Afrikaner genannt), die Syn. des Mahari Aboab, die Syn. der Stambuler, die Syn. des Ri Hatewi, die Jeschiba des Rab (Verfassers des Beth Josef) — nur Bibliothek und Lehrhaus. — Mit der zunehmenden jüd. Bevölkerungszahl, mit der Einwanderung von Solchen, welche nicht nach dem heil. Lande kamen, dort ihre letzten Tage im Thorastudium zu verleben und ein Grab im Boden der Väter zu finden, ist die Chaluka unzulänglich und widersinnig geworden. Der Handel bietet keine Nahrungsquelle. Der Bauer braucht nicht Kleider, nicht Wein, seine Nahrung ist Brod und Beeren. Für Geldgeschäfte fehlt Gottlob der Boden. Daher ist die Armuth gross. Und dazu die Fülle von Zank, Streit, Hass und Feindschaft unter den Aschkenasim. Die Hauptveranlassung dazu bietet wiederum die Chaluka, von welcher bisher die Bewohner Palästina’8 ernährt wurden. Am Kolel Wohlyn exemplificirt der Verf. wie zu viele Gabaim sind, an deren Händen das Geld kleben bleibt und die sich einen Anfang schaffen und ihre besonderen Lieblinge in Palästina vorweg nach ihrem Gutdünken unterstützen. Allein den Rest liefern sie dem Amarkel ab. Dadurch entsteht Zersplitterung. Der eine Kolel hat sich in 7 Unterabtheilungen, eine von diesen wieder in 3 Sonderbünde getheilt, die Rumänier haben 3 Abtheilungen und 1 Theil (Buckarester) bildet einen besonderen Kolel. 26 Abtheilungen, uusser denen die noch kommen, haben eine jede Gabbaim, Geldvertheiler, Secretäre, Diener, Gehilfen etc, die auf Kosten des Kahal leben! Was Wunder, dass es beständig Zank und Scandal giebt. Und dazu, nicht eine Schule, in der arme Kinder unentgeltlich unterrichtet werden (auch nicht im Hebräischen!), kein Hospital, kein Arzt, keine Apotheke, keine Volksküche, kein Brod für die Hungernden, kein Verein, der Armen helfen und Kranke pflegen will! Als Ausbund aller Schlechtigkeit wird der Dajan und More Zedek Raphael Damez geschildert. Ein pfiffiger Ränkeschmied, wusste er sich zum Genossen des Vorsteher, zum Vermögensverwalter der Wittwen und Greise zu machen, und so ward er nach 9 Jahren zum Besitzer von 2 4 Grundstücken, die der Gesammtheit testamentarisch vermacht worden waren, und vielen Geldes. Ungerechtigkeit und Bestechlichkeit werden ihm ausserdem zum Vorwurf gemacht. Dem sei wie ihm wolle. — Was der Verf. in Betreff der Chaluka vorschlägt, ist sehr heachtenswerth. Er verlangt, dass die Juden Russlands — von welchen am meisten dazu beigetragen wird — unter staatlicher Aufsicht eine Centralverwaltung in Petersburg einsetzen, deren Vertrauensmänner die gesammelten Gelder mit Sammellisten, in welche die Geber sich eigenhändig eingezeichnet und dagegen Quittung erhalten haben, vierteljährlich an sie einsende. Nach Veröffentlichung genauer Rechnung sollen die Gelder an ein von einem eigens dazu bestellten Europäer geleitetes Comitd in Jerusalem, welches unter Aufsicht des russisehen Consuls steht, gelangen und von ihm an Subcomite’s in Safet, Tiberias und Hebron rcrtheilt werden. Die Comitdmitglieder verwalten ihr Amt als Ehrenamt. Das Comitä wird die Einigung aller Aschkenasim erstreben, was bei einer Centralspendestelle leicht zu ermöglichen sein wird. Das Geld wird in 4 Theile getheilt 1) für die greisen Gelehrten, die natürlich namentlich im Register zu führen sind. Für die Familienlosen werde ein Asyl gebaut. 2) Hilfe für Handwerker, deren es viele giebt (in Jerusalem z. B. Schnitzer von Olivenholz) und die nur Unterstützung zum Ankauf des Rohmateriales und Wohnung brauchen. Also eine Darlehnskasse, die alljährlich des Geliehenen zurückerhält. 3) für Ackerbau. Das Land ist fruchtbar. Es bringt gute Oliven, prächtige Weintrauben, Essrogim und mancherlei Baumfrüchte, schönen Weizen. Arbeiter allein fehlen und diese sind bereit, wenn Land bereit gestellt würde. 2) Colonieu sind nöthig, eine für die Leute von Jerusalem und Hebron und die zweite für Safet und Tiberias. Auch hier sollen die Auslagen binnen 10—12 Jahren wiedererstattet werden. Werden die Ansiedler von der Getreideabgabe befreit, so genügt dies zum Abzahlen des Capitales. 4) für Unterricht — Schulen in den 4 Städten. Zum Schlüsse betont der Verf. abermals die Rechnungslegung des Subcomitd’s, die Oberleitung und die Veröffentlichung derselben. Dies Alles sollte nicht unbeachtet bleiben. Coblenz. Dr. L e w i n. Brasch, Dr. Moritz. Moses Mendelssohn’s Schriften zur Philosophie, Aesthetik und Apologetik, mit Einleitungen, Anmerkungen und einer biographischhistorischen Charakteristik Mendeiosohn’s, 2 Bde. mit dem Bildnisse Mendelssohn’s in Stahlstich. 627 S. und 602 S. gross octav. Leipzig, Leopold Voss. 1880. Als ein im besten Sinne des Wortes zeitgemässes Unternehmen muss es sicherlich bezeichnet werden, dass dem Philosophen der Aufklärung ein so stattliches Denkmal gesetzt wird in einer Zeit, die sich über die Aufklärung so weit erhaben dünkt, dass sie mit ihren Schwächen und Einseitigkeiten auch ihre schönen und vernünftigen Gedanken schonungslos über Bord wirft, dass in der Zeit engherzigsten Bekenntnisshaders und widerwärtigsten Interessenkampfes der Verfechter der Toleranz und Humanität der Vergessenheit entrissen wird, dass in der Aera der Judenhetze, in der Mancher seine Ehre darein zu setzen scheint, das Urbild des Tartuffe zu spielen, das ehrwürdige Bild Dessen aufgepflanzt wird, der in seinem I Leben und Wirken, Denken und Fühlen das wahre