Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 22. (1.6.1881)
- Date
- 1881-06-01
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 88 — I)ic schöne Ausstattung und der geringe Preis der Sammlung — sie kostet in Oesterreich 1 II. und in Deutschland 13/4 Mark — dürfte wohl die Freunde der hehr. Literatur veranlassen, Bestellungen beim Herausgeber darauf zu machen, damit derselbe in den Stand gesetzt wird, weitere Editionen ähnlicher nütz licher Schriften zu unternehmen. Harrow-College, Mai. Dr. J. Chotzner. (•Oldenburg, B. Die religiösen Ideen der Alten und ihr Einfluss auf die Sprache vom hebräischen Standpunkte aus beleuchtet, doch mit steter Bezugnähme auf andere Sprachen. Ein Beitrag zur allgemeinen Sprachwissenschaft. Tarnopol. Selbstverlag. 1880 Eine Arbeit zu beurtheilen, die alle Forschungen; der modernen Wissenschaft ausser Acht lässt, ist wohl nicht leicht, und man sollte von vornherein erwarten, dass der Werth der Arbeit auch kein sehr grosser sein werde. Doch hat gerade diese BrochUre darin ihren Werth, dass sie den hebräischen Sprachsatz aus sich selbst heraus erklärt und auf difse Weise manche sinnige Etymologie zu Tage fördert.*) Der Verfasser dieser Schrift lebt in einer (legend, die der Cultur fast noch ganz entfremdet ist, und es ist kein kleines Wagniss, sieh auch nur der deutschen Sprache zu bedienen. Wenn das Deutsche auch kein klassisches ist, so wolle ן man nicht vergessen, dass die Schrift aus Galizien, wo das Polnische vorherrscht, stammt. Doch nun zur Schrift selbst Auf Seite 8 scheint uns die Etymologie j!עמד,־ »Ohr plausibel, nach Goldenberg nämlich wäre das Arbeitskleid, welches man, da man bei der 1 Arbeit die liechte entblüssen musste, au der Linken befestigte, was zugleich eine gute Etymologie an die Hand gäbe, nämlich von ״ שטאלlinks“. Bei Anrufen, an die Arbeit zu gehen, heisst es immer: entblösse Deine Rechte העוף ימינך ׳חשוף זרועך. Ansprechend und sinnig ist auf Seite 10 der Zusammenhang von חוה sprechen im Aramäischen mit ״zeugen, gebären1-, womit noch ניב עפתים eigentlich die ״Frucht der Lippen“ bezeichnet wird. Auf derselben S. wird zwischen Schlange als auf dem Staube kriechend und ״Unterstes1־ ein Zusammenhang gesucht. Der Vcrf. vergleicht נחש Schlange und die Iledensar פתן׳ נחועתה על תנור Schlange mit כפתן Schwelle. Sehr gewagt hinwiederum ist z. B. auf p. 1(5 folgende Behauptung: ״Das lateinische rex, König, stamme von regula und bedeutet demnach S ze p ter t r äge 1•, wie das hebräische מושל Herrscher von אשל Zweig! Sinnig dagegen ist die Bemerkung auf Seite 01: das hebt-. הכם stammt von חיך Gaumen, also heisst חככה Geschmack und Weisheit, entsprechend dem טעם. Daher heisst es auch גסרחה חכמתם. Wir wollen noch hinzufägen, dass die Etymologie des lat. sapiens dieselbe ist. Vcrf. gibt eine Fülle geistreicher Bemerkungen, von denen einige gewiss die jüd. Etymologie!Ordern. Leider fehlt diesen Bemerkungen der eigentliche wissenschaftliche Halt: von einer vergleichenden Sprachwissenschaft, wie sie Hopp, Grimm, Schleicher, und auf semitischem Gebiete Gesenius, Renan, Lagarde angebalmt haben, hat der Verfasser noch keine Ahnung. Als unabhängige Arbeit aber hat die Schrift des Herrn Golden borg von Interesse, und deshalb können wir sie. den Orientalisten empfehlen. Dr. M. G r il n w a 1 d. *) Audi in der Broschüre טפר אור חריט von David Kolm aus Odessa linden sieh *ehr richtige Etymologien von schwierigen Wörtern ■I. B.אשפתות, לגאיונים׳ צלמון■ Siehe J). 33. 34. Eine gleichf»119 sehr sinnige Etymologie des Hadix ׳לוץ woher die Worte מליצד״מליץ kommen, linde! man in der von Weise u. Friednmnn lieratisgegebencn Monatsschrift בית תלמוד• Heft 10, p. 300, Zeile 4 von unten. Jellinek, Dr. Ad. Der jüdische Stamm in nicht* jüdischen Sprichwörtern. I. Serie. Wien 1881. Löwy’s Buchhandlung, II, Pruterstr 15. 43 S. 8. ״Auch das leichte Plaudern der Gelehrten ist Thora.“ Die Wahrheit dieses alten Ausspruches wird durch die vorliegende Causerie des geistvollen und so vielseitig gelehrten Dr. .Jellinek lebhaft illnstrirt. Das sprudelt nach allen Seiten gleich einem lebhaften Raketenfeuer, nur dass die Beleuchtung, die Erhellung dunkler Punkte eine dauernde ist. Aus den scharfen Witzhaken bildet sieh eine Gasse, in welcher antisemitische, aber ebenso semitische Ungezogenheiten und Lächerlichkeiten, Uebertreibungen und widerspruchvolles Gebaltren Spiessruthen laufen, so dass sie vernichtet zusammenbrechen an dem Punkte, wo dem Leser deutlich wird, welch kulturhistorisch wichtige Bemerkungen und Hinweise er in diesem geistvollen Spielen erhalten hat. Ilaman der Agagite gerirt sich als echter Nationalperser; die jüdischen Nasen vor dem Forum der Naturwissenschaft, sie, ״das unabänderliche Factum des jüdischen Antlitzes, das kein Taufwasser zu verwischen vermag.“ Die jüdische Kirche und die Kugel — die Vorliebe der Juden für fremde Namen. Der Luxns bei den Trauungen — die Duellfurcht der beiden jüdischen Geadelten. ״Jeder Staud formt im Laufe der Zeit den Charakter, die Denkungsart und selbst einen gewissen Ausdruck des Körpers,“ z, B. ,jüdische Cantoren, welche jede Woche dieselben Gebetstücke und die. eiben Melodieen vortragen, erscheinen in der Oeffentlicbkeit mit einem Aplomb und einem zur Schau getragenen Selbstbewusstsein, als wären sie alle nicht blos die direkten Nachkommen der Söhne Korah's, ich meine derer, welche im Psalmbuche genannt werden, sondern als wären ihre Stimmen Iliminelsklänge oder eine Tonleiter, die zum Himmel fithrs.“ Auf das Lächerliche der Behauptung einiger jüd. Vorsänger, dass sie einen priesterlichen Charakter haben, wird drastisch hingewiesen Der Lärm eiet* Judenschule war ״der herzzerreissende Aufschrei von Gedrückten.“ Jetzt ist das andere Extrem zur Herrschaft gelangt: ״Alles schweigt, nur Einer singt, trillert, tremulirt, gestikulirt, schüttelt das Haupt, breitet die Hände aus. beugt den Oberkörper, hüllt sich gravitätisch in sein Oberkleid und schlägt den Takt mit seinen Fingern, das ist der Vorsänger oder der Cantor oder der Abercantor. — Er ist der jüdische Atlas, auf dessen Schultern der Himmel Israels ruht.“ Doch neben diesen und vielen anderen die Lachmuskein erregenden Apercus wird das Tret'a-Essen als ein System der gastronomischen Ueppigkeit erklärt, und ״die Thora“ als ein Ehrenschild des Judentliurns nachgewiesen. Besonders fesselnd aber ist der Nachweis, weshalb die Juden nicht Christen werden können und wie die ״Rufl’inirtheil“ bei den Juden entstand. Die Nothwendigkeit einer Geschichte der Abtrünnigen wird betont, mul dass nicht olos in Russland der edle jüd. Ahnenstolz tortlebt, zeigt der Herr Verfasser mit der Hinuentiing auf seinen Urgrossvatcr II. Hirsch Broda. Als rotlier Faden aber zieht sich die Ansicht, dass Weiblichkeit ein Cliarakterzeichen des jüdischen Stammes sei, durch diese ״modernisirte Hagadali,“ diese Uauserieen, welche den besten Feuilletons zuzurechnen sind. Unterhaltend und belehrend dürfte eine reiche Zahl von Fortsetzungen eifriger Leser in jüdischen wie in nichtjüdischen Kreisen sicher sein. Dr. Lew in. Berichtigungei. Ina Literaturblau Nr. 18, S. 72, Z. 10 ist .,zwingende“ st. ״gewinnende“ zu lesen. — In Nr. 20, S. 80 b in der Notiz des Hm. S. Buber muss es boissen: ״der mir (8t. nur) im Manuscript verlieft“, ferner das.: ncbit vielen Zuslitzen. Verantwortlicher Redakteur Dr. Kalimer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.