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Das jüdische Literaturblatt · 1881-05-11 · No. 19. (11.5.1881) · p. Seite 76

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 19. (11.5.1881)
Date
1881-05-11
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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im Ganzen verhüll er sich nur roferirend. Son9t ist «las Werk mit ausserordentlichem Sammtilflcisse und Scharfsinn uusgeurbeilet, seihst Manuscripte sind he- Sprüchen, Kabhalah, Karäer und Araber nicht ausgeschlossen, von solchen Commeutaren, welche schwer zu erreichen, sind Proben bei gefügt, auch auf solche wird hingedeutet, die noch in Bibliotheken verborgen und nur aus Anführungen bekannt sind; auch gelegentliche Besprechungen einzelner Stellen sind nicht vergessen worden. So zeichnet sich das Buch durch Genauigkeit und Belesenheit aus Interessant sind auch die etymologischen Erklärungen der verschiedenen Cotnmenialoren, welche je nach dem Geburts- und Aufenthaltsorte derselben mit fremdsprachlichen Erklärungen (לע״ן) begleitet sind, von denen der Verfasser sprachkundige Deutungen und philosophische Erklärungen gibt. Von der Reichhaltigkeit des Buches gibt uns der Umstand einen Begriff, dass 100 benainte und 8 anonyme Erklärer zum Hohenliede besprochen werden, 26 solche, deren Manuscripte noch unedirt in Bibliotheken liegen, und 2, welche von Anderen edirt werden, aber deren Manuscripte noch nicht ermittelt worden sind. Wir nehmen diese literarische Gabe dankbar entgegen, und es würde uns freuen, wenn auch andere Bücher der Heiligen Schrift in gleicher Weise behandelt würden. Dies würde der Erklärung und Kritik der Bibel grossen Vorschub leisten, da hierdurch ganze Bibliotheken erselzt werden.*) Wie wir hören, gedenkt der Verf. zunächst mit der Behandlung des Jesajas vorzugehen R. Fürst, Dr. Julius. Lessing's Nathan der Weise. Historisch und philosophisch erläutert. Leipzig 1881. Verlag von Wilhelm Friedrich. ® ס Eine wohldurchdaehtc, sehr sorgsam ausgearbeitete kleine Studie, die, ohne Kennern der Lessing-Literatur viel Neues zu sagen, die ״Nathan-Frage“ auf Grund des bis auf die Gegenwart vorliegenden!Materials genau und sachlich prüft und gegen falsche Annahmen und Auslegungen richtig zu stellen sucht. Muthmasslich liegt dem Werkehen ein früher gehaltener mündlicher Vortrag des Herrn Verfassers zu Grunde und ist es auch in Mendelssohn-Vereinen etc. in diesem Sinne sehr wohl zu verwerthen, daneben aber seiner klaren und edlen Sprache wegen allen Lessingfreunden bestens zu empfehlen. Max Weinberg. Saniuely, Nathan. Shylock und Nathan. Vortrag gehalten gelegentlich der Säkularfeier des Todestages Lessings im Verein ״Schomer Israel“. Leutberg 1881. Verlag des Vereins ״Schomer Israel “ In diesem geistvollen Essay über zwei so verschiedenartige Schöpfungen gipfelt die Untersuchung über das Wesen der beiden Dichter in dem Ausspruch: Shakspeare habe sich zum Philosophen hinaufgedichtet, Lessing zum Dichter hinaufphilosophirt Den Einen habe dte Schönheit zur Wahrheit, den Andern die Wahrheit zur Schönheit geführt. Schon Heine (Engl. Fragtn. B. 3 S. 307J macht darauf aufmerksam, dass fast säinmtliehe Vertreter des Christenthums im ״Kaufmann von Venedig“ einen erbärmlichen kleinen oder gar keinen Charakter haben, Shylock mit seiner verbitterten und vergifteten, aber starken und unerschrockenen Seele überragt selbst den königlichen Antonio um Riesenlunge. Dem starren Vertreter von Nationalität und Glauben, dem blutigen Verfechter seines Rechts hat nun Lessing — nach der sinnigen Auffassung des Herrn Samuely — seinen Nathan als Protest gegenüber gestellt. Shylock, drr blutgierige Jude und der verbrennungslustige Pa- *) Der Verf. ist gern bereit, aein Buch gegen wissenschaftliche Arbeiten seiner Collegen zu vertauschen. triarch, Shylock, den der Hass blendet, und Nathan, den die Liebe weise macht, die untreue jüdische Tochter Jessica und das getreue Christi. Pflegekind Recha, die proselytenmachende Daja und der die Concurrenz an Schweinelleisehessern fürchtende Gobbo, die drei Ringe und die drei Kästchen lassen in ihrer Gegenüberstellung in der That die Ansicht, als habe Lessing in bewusster Weise gegen Shakspeare protestiren wollen, berechtigt erscheinen. Der Vortrag schliesst mit einer feurigen, edel empfundenen Aufforderung an unsere Glaubensgenossen durch unser Leben und Wirken die Echtheit unseres Ringes zu beweisen. Caro-Erfurt. WollF, L., Prediger. Agende für jüd. Cultusbeamte. Handbuch für alle Casualfälle von der Wiege bis zum Grabe. Rostock, 1880 Selbstverlag. Schon das Skizziren des Inhalts des vorliegenden Buches würde von dem Raume dieses geschätzten Blattes mehr als gebührlich beanspruchen. Was Wunder! Ist es doch für Beamte bestimmt, deren Wirkungskreis nicht so leicht zu präcisiren ist. Religionslehrer, Prediger, Cantoren, die nach Minhag-Aschkenas und Polen und noch einigen Separatminhogim fungiren, sollen auf 148 und 120 Seiten alle מנהגים/דינים, Casualgebete für alle Fälle des religiösen Lebens u. s. w. dann finden. Dies scheinbar unmögliche ist dennoch durch jahrelanges Sammeln, Sichten und eigenes Hiazuthun gelungen und ein Werk hergestellt, welches dem Anfänger ein vollständiger Wegweiser in allen angegebenen Fällen ist, dem geübteren und befähigten Beamten aber, der befähigt ist, die דינים in ihren Quellen aufzusuchen und Selbständiges zu leisten, erspart es das Suchen und bietet ihm bei Functionen das Zusammengehörige zusammen, erspart ihm bei Feierlichkeiten, welche ihrem Wesen nach nur selten Vorkommen, wie z. B. Synagogenein־ weihungen u. dg!, das mühevolle Zusammenstellen eines Programms und gewährt ihm hierbei, wie bei den öfters vorkommenden Feierlichkeiten als Bar-Mizwa etc. manche schätzbare Anregung und manchen nützlichen Fingerzeig. Analekten von Jakob Reif mann. 1) In den Hilchoth Jesode Hathora (II, 2) liest man והיאך היה הדרך לאהבתו ויראתו בשעה שיתבונן האדם במעשיו וברואיו הנפלאים הגדולים וב׳ מיד הוא אוהב כמו שאמרו חכמים בענין אהבה שמתוך כך אתה מכיר את מי שאמר והיה העולם. Hier fehlt offenbar das Mittel, wodutch man die Erkenntniss Gottes erhalten kann und es sind die Worte הסתכל במעשיו zu ergänzen, so findet sich auch diese Stelle in den Responsen Peer Haddor (Caput 53): וז״ל כבר אמר ר׳ מאיר בבריתא הסתכל במעשיו שמתוך כך אתה מכיר את טי שאמר והיה העולם. — 2) In den Hilchot Kiddusch Hachodesch (Schluss des Cap. XVII) liest man: שכל דבר שנתגלה טעמו ונודעה אטתתו בראיות שאין בהם דופי אנו םוטכין על וה האדם שאמרו או שלמדו על הראיה שנתגלתה והטעם שנודע ע׳כ׳ל. Hier fehlen die zwei Worte אין אלא u.zw.: איןאנו סומכץעלזה וכו׳אלאעל הראיה rVotiz. In der Sitzung der Akademie der Inschriftt-n zu Paris vom 1. April wurde Folgendes mitgctheilt. Junge Leute die in einem Teiche bei Jerusalem badeten, entdeckten einen kleinen Tunnel und sahen darin hebräische Buchstaben an den Wänden. Herr Sayce hat mit anerkennenswcrlher Ausdauer (er stand 8 Stunden, eine Lampe in der Hand, im Wasser) die Inschriften copirt und entziffert. Nach den summarischen Angaben im Athenaeum sind sie sehr alt, etwa aus dem 8. Jahr• hundert vor Chr. Der Text scheint einen Bericht über den Durchbruch dieser unterirdischen Wasserleitung zu enthalten. (Arch. isr.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Kahmer in Magdeburg, Druck von H Horbach in Burby. Verlag von Robert Frieae in Leipsig.

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