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Das jüdische Literaturblatt · 1881-05-04 · No. 18. (4.5.1881) · p. Seite 70

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 18. (4.5.1881)
Date
1881-05-04
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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70 — emporschwillt, der Nil die Ufer nicht ilherfluthen will, der Himmel Regen versagt, die Erde zittert, Hungersnoth oder Seuche wüthet, da schreit man: ״Zu den Löwen mit den Christen!“5) Aehnlich sagt Origines in Matth.: ״Man behauptet, Kriege, Hungersnolh und Pest entstehen wegen der Menge der Christen.Wir wissen ferner, dass. als bei uns (unter Kaiser Maximinius) die Erde an einigen Stellen bebte und Verwüstungen entstanden, die Ungläubigen die ,Christen“ als Ursache des Erdbebens bezcichneten, wodurch die Kirchen Verfolgungen erlitten. So aber sprechen nicht blos diese; selbst solche, weicheverständiger scheinen, behaupten öffentlieh: Uin der Christen willen erbebte die Erde hefiig.“ Noch Augustin de Civ. Dei II, 3 klagt schmerzlich Uber die Verblendung und Bosheit selbst der gebildeten Heiden, von denen das Christenthum so viel zu leiden hätte: ״Denke dir hierbei“ — so sagt er — ״dass ich es noch mit jenen Unvernünftigen zu Ihun habe, durch deren Thorheit das Sprichwort entstand: Non pluit Deus duc ad Christianos; lässt Gott nicht regnen, so ist’s der Christen Schuld! Denn es gibt unter ihnen Leute, die in ihren freien Wissenschaften unterrichtet, die Geschichte lieben, bei deren Lichte sie dies gar wohl erkennen, die aber sich tro Lzdein 8tel len, als wüssten sie nicht daru 111, um uns bei der unwissenden M enge verhasst zu machen. Ja sie geben sich alle erdenkliche Mühe, das Volk in dem Wahn zu bestärken, als ob alle Unglücksfälle, welche zu gewissen Zeiten und an gewissen Orten das menschliehe Geschlecht auf eine traurige Weise befallen müssen, demselben nur wegen des christlichen Namens widerfahren wären, der ihren Göttern zum Trotze mit erhabenem und glänzendem Ilufc sich allenthalben auf Erden verbreitet“ .... Besonders waren es die heidnischen Pr iester, Haruspiecs u s. w., welche die Massen gegen das Christentliuin aufreizten und ein entsetzliches Geschrei erhoben, wenn sich ein Christ bei ihren Versammlungen und Mysterien blicken lies. Die Vorsteher der Eleusinen zu Atnen (wohlgemerkt,nicht Spree-Athen) verordneten, dass vor der Feier öffentlich ausgerufen werde: ״Wenn ein Gottesleugner, ein Epicuräer oder ein Christ zugegen sein sollte, so entferne er sich!“ (Luciaa Pseud 38) (Fortsetzung folgt.) Rabbi Salomo Jizcliaki Ae Troyes und seine Schriften. (Fortsetzung von: ״Raschi's Leben und Wirken.“ Nr. 14.) Rabbi Salomo Jizchaki *) (ben Isaak), Raschi oder Jizcliaki allein genannt, wurde im Jahre 1040 geboren u. z. zu Troyes (טרוייש Departement der Aube) in der ehemaligen Champagne. Wenn es wahr ist, das tal- '1 Si Tiberis asceudit in moeuia, 8i Nilus non ascendit in urvu, 8i cot*]um stetit, si terra movet, si fames, 8i lues, statim, Chri sti* anos ad Leoneml Apologet, c. 40. ') Dass der Beiname Jarchi (Lunel) nicht Raschi zukömmt, hat bereits Zunz, Zeitschrift 1. p 279 hinlänglich nachgewiesen. Wir hielten es für uothwendig, dies hier nochmals zu betonen, weil diese irrige Bezeichnung noch bis in die jüngste Zeit herab mudi8che Wort, dass die Kinder grösstentheil den Brüdern der Mutter gleichen, 60 war für Raschi das Prognosticon für seine Zukunft ein günstiges; seine Mutter nämlich war die Schwester des wegeu seiner Verdienste um die Mainzer Gemeinde und seiner liturgischen Poesie hochgeachteten Simon ben Isaak (siehe Grätz V 2 p. 300); und sein Vater war auch im Talmud und Midrasch heimisch. Irrig ist daher die Ansicht des Verfassers des Buches Siplithe j eschen im, dass Raschi’s Vater durchaus ungelehrt war, und Raschi wenigstens am Anfang seines Bibelcommentars Genesis 1.1 seiner erwähnte, um das Andenken an ihn bei der Mit- und Nachwelt zu sichern J) In seinem Co in inentar zum Talmud, den Raschi bekanntermassen vor seinem Peotateuchcominentar abgefasst, erwähnt er seines Vaters, so z. B. im Tractat Abodah sarah3) Wir können daher mit Recht annehmen, dass Raschi mindestens die Anfangsgründe des hebräischen Wissens im elterlichen Hause sich bereits angeeignet habe und genügend vorbereitet war, mit Erfolg den talinudisclien Vorträgen des von Rabbi Gerschom ben Jeliuda,‘) Meor Hagolali (der Leuchte des Exils) gegründeten, von Jakob ben Jakar5) fortgeführten Talmudschulein Mainz folgen zu können. Seinem Wissensdrange aber genügte es nicht, Jakob ben Jakar, von dem Raschi übrigens stets mit der höchsten Verehrung spricht, zu hören; es trieb ihn in die weitere Fremde und so linden wir ihn zu den Füssen Isaak ben Jehuda’s in Worms, Rabbi Eljakim’s in Speyer und Isaak Levi’s in Vitry. Wie lange er diese Talmudschulen besucht, lässt sich nicht genau feststellen, dass er aber noch nacli seiner Verheirat hung unter grossen Entbehrungen dem Talmudstudium oblag, erzählt er selbst von sich.‘) Wahr sclieinlich wurde Raschi, der streng nach talmudischen Vorschriften lebte, nach abgeschlossenem achtzehnten Jahre verlieirathet, positive Beweise hierfür mangeln uns allerdings. Raschi hatte drei Töchter aber keinen Sohn.7) Die Raschi zu geschriebenen Reisen hat Zunz") bereits auf das richtige Maass beschränkt und zwar da69 dieselben sich bloss auf Frankreich und Deutschland, und auch nicht auf ganz Frankreich und Deutschland beschränkt haben. Sein Name aber hat sich seither weit über Deutschlands und Frankreichs Grenzen verbreitet und von Tag zu Tag an Glanz gewonnen; aus allen Gauen und Orten dieser beiden Länder wurden Rechtsgutachten von ihm erbeten. Ihm ganz besonders ist das Wiederaufblühen oder sagen wir vielmehr das richtige Verständniss desTalmud zu verdanken. Er verstand es, wie Keiner vor ihm, schlicht und einfach, ohne Haarspalterei den Sinn des Talmud darzulegen, und ohne Raschi’s Commentare wäre es noch heutzutage unmöglich, auch nur die vorkommt, so in J. Jolilsons biblisch-hebräischem Wörterbuche, Frankfurt am Main 1870 p. 611 ״Raschi gewöhnlich Jarchi genannt.“ (Wie Raschi selbst zeichnete, wie die ältesten Autoien ihn citirten, siehe bei Zunz a. a. 0. in der Anmerk 1.) ’) Die ganze Stelle findet sich wie in Raschi Gen. 1,1, ja nocli weit ausführlicher, in dem von Sal. Buber herausgegebenen Lekachtob, Bd. I p 3 Anmerk. 26—36; siehe Übrigens auch Dr. A. Bei•־ liner‘8 Raschi Likutim p. 364. s) Wo in dieser Abhandlung ein talmnd. Tractat ohne nähere Bezeichnung citirt wird, da ist der babylonische Talmud gemeint. *} Zunz Raschi p. 309 und 310. ‘) Zunz Raschi p. 316 ff. Uber sämmtliche von Raschi selbst erwähnten Lehrer. •) Raschi Responsa im Chofes Matnionim von R. Goldberg. Nr. 1 Seite 2. ’) Zunz Raschi p. 282—283 hat eine Geschleclitstafel von Raschi's Familie entworfen, eingehendere Mittheilnngen bringt Dr. D. Rosin in seiner bereits erwähnten Monographie ״R. Samuel ben Meir* p, 3—fl. •) A. a. 0. p. 281 ff.

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