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Das jüdische Literaturblatt · 1881-04-27 · No. 17. (27.4.1881) · p. Seite 68

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 17. (27.4.1881)
Date
1881-04-27
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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— 68 — in der Rede Achija's za Jerobeam Vers 32 and 36: עיר אש* בהיתי רשום שם* שש”• Radin! 12, 26- 33 heisst es von dem Plane Jerobeams: אם יעלה העם רזה לעש־ זבחים בבית ה׳ בירושלים ושי לי העם הזה אי אדניהם אל רחבעם סלך יהודה. Sogar von Dan her musste Jerobeam den Besuch des jerusalemischen Tempel furchten. Freilich in den Augen des Verfassers sind das Alles keine Beweise, denn der ״nuehdeuleronomische‘■ Bearbeiter des Baches der Könige hatte die Tendenz, den Jerobeam zu beschuldigen, dass er den Kalberdienst erst eingefuhrt habe. Das sei aber keineswegs so gewesen, cs sei gar nicht ftlr ungesetzlich gehalten worden, Gott bildlich als — Stier darzustellen. Beweis? Michuh und Gideon! Ja! Eliuh and Elisa haben gegen den Stiercultus Nichts eingewendel. Selbst Jehu war von Gott gelobt worden, trotzdem er den Kälberdienst fortgesetzt hätte! So argmnentirt der Verfasser. Wie wird er aber in 2. Könige 10,31 ausdrücklich getadelt! Ja, sagt der Verfasser, das hat der .,nachdeuteronomische“ Bearbeiter geschrieben Nun steht aber ein Tadel schon v. 20, denn es heisst: רק חטאי ירבעם בן נבט אשר החטיא את ישרא׳ לא סר יהוא מאחריהם עגלי הזהב אשר בית אל ואשר בדן Oder ist das nicht Tadel genug? Den Vers hat also nicht ein ״nachdeuteronomischer“ Bearbeiter hinzugelugt. Und dennoch hat dieser ״vordeuteronomische“ Autor Jehu getadelt und den Kalberdienst ausdrücklich die ,Sünde Jerobeams11 genannt. Wie Verfasser das übersehen konnte und nicht die Falle merkte, die er selbst seiner Hypothese stellte, ist nur ans der Voreingenommenheit zu erklären, von der sein ״kritischer‘ Geist sich hat verfuhren lassen. Aber nicht genug! Der Stierdienst war auch von Salomo im Tempel beibehalten, denn Stiere trugen das Meer, und sagt der Verf. mit Emphase: ״Der rein geistige Monotheismus ist offenbar erst eine Errungenschaft des späteren Prophelentlmms.“ (S. 10 Anin.) Warum sagt der Verfasser denn nicht conse1!uent, dass man einen Löwcncultus gehabt habe? (1. Kön. 7,29.) Was muss da wohl noch jetzt von den Löwen auf einem פרחח gedacht werden?! Die Cherubim, meint, Verf., gehörten gar nicht ursprünglich zur Bundeslade. Und doch heisst es in Samuel I. 4,4: ארון ברית ה׳ צבאות -שב הכרובים, ebenso Samuel II. 6,2: להעלת משם את ארון האלהים אשר נקרא שם ה׳ צבאות ישב הכרובים עליו. Nun, Verlasse! wird sich helfen und sagen: das ist später interpolirt worden. Dann bleibt es aber doch sehr tadelnswerth, dass der ״nachexilische“ Bearbeiter des Leviticus soweit die piophetische Lehre vergessen hat, auf der von ihm, wie Verfasser darstellt, lingirten Lade im VVUstenzelle, auch Cherubim anzubringen. Dieser nachexilische Redaktor ist Überhaupt ein starker Compromissmann. Die Opfer ״concedirt“ er, trotzdem die Propheten dagegen geeifert, er findet sogar, dass sie sinaitische resp. mosaische Anordnung sind, und die Cherubim fingirt er auch noch trotz des reinen Monotheismus des späteren Prophetenthums. Dass diese Compromisstheorie eine bessere sein soll, als die vom Verfasser höhnisch genannte ״Vorlesungshypothese'1 des Professor Grätz ist wohl nur dem Verfasser zu begreifen möglich; doch — die Hauptsuche ist, dass Jerobeam den Kälberdienst als geordneten Cultus eingeführt hat und das kann Verfasser nicht umwerfeu; sein Vordeuteronomiker zwingt ihn dazu. Und damit ist auch einer seiner Gründe dafür genommen, dass Jerobeam nur der Prachtliebe Salomo's habe entgegentreten wollen, und dass er, wie Verfasser so tolerant und in deutlicher Hinneigung zu dem freien ״Höhendienste“ sagt, sehr wir k s a m der spomanen Neigung des Volkes, den jerus. Tempel aufzusuchen, entgegengetreten sei. Es ist wohl kaum je aus der Feder eines Rubbiners eine derartige Beurlheilung Jerobeams hervorgegangen Doch la6sen wir den ״Rabbiner“ ausser Spiel, wir haben es ja nur mii dem ״Forscher“ zu tlmn (Schluss folgt.) N 0 t i z e 11. 1) Herr Joachim Menant hat unter dem Titel ״die Bibel und die chaldäischen Cylinder“ die 3 Mittheilungen veröffentlicht, welche er vor der Akademie der Inschriften und schönen Künste darüber gemacht hat. Den Inhalt bilden: Der Fall Adams und Eva’s, die Sindluth, Noa in der Arche und der Thurm zu Babel, die Mythe von Androgenos. 2) Herr Haldvy, der seit Januar 1880 an der ccole pratiipie des hautes etudes Aethiopisch lehrt, ist zum mal׳re de Conferences an dieser Schule ernannt worden. Der Oberrabb uer S. Levy ist als Mitglied des Schulraths der Gironde auf weitere 3 Jahre bestätigt und für 1881 zum Mitglied der Examinationscommission für das Belähigungszeugniss bestimmt worden. 3) Von den Schrifteu des angesehenen russischen Schriftstellers A. Puschkin ist eine — und zwar zum ersten Male — unter dem Titel אהבה נכזבה in hebr. Uebersetzung erschienen. Die Uebers. erschien anonym (אחד מבעלי האספות) 4) Meyer Esofowicz von Elisa Orseszkdwa, Warschau bei B. Loewenthal — ist der Titel eiues polnisehen Romans, der eine Christi. Dame zum Verfasser hat, welche das jüd. Leben genau kennen gelernt hat. Sie zeichnet den schlichten frommen Mann in seiner stillen Tugeudhühe und seinen talmudisch gebildeten Enkel in seinem Wisseusd urste Daneben steht der reiche ßanquier und sein gebildeter Sohn, denen da9 Leben zwecklos erscheint, wenn es nicht Reichthum und Genüsse bringt. 5) Von J e 11 i n e k ist eine dritte Predigt ״über die hebr. Sprache“■ erschienen; sie ist ebenso geistvoll wie die beiden frührren Uber denselben Gegenstand. Es ist recht erfreulich, den berühmten Kanzelredner mit solcher Wärme für die Beibehaltung der hebr. Sprache im Cultus und die Pflege derselben in der Religionsfchule eintreten zu sehen.*) Nachtrag. Ch. D. Lippe’s Bibliographisches Lexicou und Ad ress-Anzeiger ist in diesem, wie in anderen jüd. Blättern rühmend erwähnt worden, ohne Zweifel mit vollem Rechte Wenn aber ein solches Buch seiner Bestimmung ganz entsprechen soll, iet vor allem Vollständigkeit und Genauigkeit von Nöthen. Da bei einem ersten Versuche, wie dem vorliegenden, 1101hwendig Manches fehlt und Manches fehlerhaft verzeichnet ist, wäre es gut, wenn Jeder ans seinem Kreise dem Verfasser Correcturen für ein eventuelles Supplement einschicken würde. Als Beispiel mögen hier einige Daten folgen, die dazu dienen können, die Angaben Uber einen der ältesten und am längsten literarisch und amtlich Ihätigen jüdischen Theologen richtig zu stellen: A. A. Wolff, Oberrabbiner von Copenhagen, ist nicht am ,,9. April 1816“ wie bei Lippe angegeben, sondern am 29. April 1801 **> geboren. pg. 543 enthält unter Nr. 6,8,9 Wiederholungen und Fehler. Es erschien11 ׳: a) Ageude für die Synagoge (dänisch) 1833, enthaltend: I. Synagogenordnung, II. Liturgie: b) Agende zum Gebrauch beim israelit. Gotlesdienst (deutsch) 1839 (ausser I. und II. noch III. Kanzelgebete, IV. Anmerkungen). (Schluss folgt.) *) E» liefen uns noch eine grosse Anzahl einzelner Predigten zur Besprechung vor, aut' die ausführlich einzugehen es uns an Ruum, den Lesern — mit Ausnahme natürlich der Herren Autoren — wuld auch an Interesse gebricht, auf die bedeutenderen kommen wir gelegentlich ln Kürze zurück. (Red.) ״*) D. 1 16. Ijar 5 6t. Prof. Wolff vollendet somit am 16. Ijar dieses Jahres (16 Mai) sein 80. Lebensjahr. Veiantwortlicher Redacteur Dr. Ra 111.1 er in Magdeburg. Druck von H Horbach in Bnrby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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