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Das jüdische Literaturblatt · 1881-04-13 · No. 15 und 16. (13.4.1881) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 15 und 16. (13.4.1881)
Date
1881-04-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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* Xo. 15 und 16. T)as Jahrg. X. Jüdische Literaturblatt. r Znr Relenchtnng aller Jmlenthnm nnd .Inden betreffenden literarisch. Entchelnnnjten anf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnograph ie,TheolQgle.Orlentalia, Exegese. Ho■ mlletllc. Lltnrgtk, Pädagogik. II e 1111■ ׳ s צ e צ e b e n ' I >11 ]■’:.׳liliiner Hr. Moritz Knh iirr. Maffdebur^, IC*. April 15*81. r Bücher der einschlägigen LIteratnr. welche der Redactioa ingesandt werden, Anden In diesemBlatte eingeb.Besprechang. BeiEinsendnng ▼on x w e 1 Becenalonsexemplaren erfolgt ancb Erwähn. L d.Wochenschr. Das ״Jttilltiebe E11*er«turbl*tt“ erscheint wöchentlich in einem hulben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Lei pzig bei Robert Friese) pro J ah rg an g: 8 Mk. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift“ (die Vierteljahr!, bei allen PosUnstalten und Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Lileraturblati“ gratis. — Inserate werden mit 2•־■ Pf. für die dreigesnaltene Petitzeile berechnet nnd ausschliesslich entgegengeuonimeu durch die Ceiitral-Annoncen-Expedition von Gr. Hi. Daube Sc. Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. I nlialt: Wissenschaftliche Aufstitze: Hellenen und Semiten. — Kritische Streifzüge Von Dr. Goldfahn. — Additamenta zu Zunz' Namen der Juden. Von Dr. M. Grünwald in Breslau. — Exegetische Notizen. Von Dr. Rothschild in Alzey. Literaturbericht: Recensionen: Maybanm, Dr. S., Die Ent- Wickelung des altisraehtischen Priesterthums. — Mayer. Signuiml Einleitung in die Gesetzgebung und die Medicin des Tlmlmuds von Dr. Israel Michuel Kabbinowicz. — Levi ben Gerson, philosophe, astronome et medicin par Leon Alegre.— Rauchmann, Leo. Religiöse Scheidewände. Notizen. — Inserate. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe ge3tattet. Hellenen und Semiten. Die Judenfrage ist keine Zeitfrage, denn sie hat zu allen Zeilen bestanden; auch eine Racenfrage 1r1üchten wir sie nicht nennen, obwohl die Verschiedenheit der Raee zum eingestandenen Motiv der Bewegung erhoben wurde. Selbst wenn es möglich wäre, nach den vielen Migrationen und Crystallisationen, nach der gewaltsamen Durcheinanderriittelung der diversen Völkerelemente, die Spuren einer reinen n i c 111 semitischen Racc nachzu weisen, so würde das für die Bekeuner des in jetziger Form gefestigten Chiistenthums keinen Grund abgeben, die Racenverschiedenheit als Feldgeschrei zu benutzen. Sind doch die Christen Semiten wie die Anderen, die Blutkügelclien im Körper eines Stöcker enthalten keine geringe Dosis semitischen Zusatzes; aber wenn dies auch nicht der Fall wäre, so bliebe es nicht minder ein Akt der Unlogik und historischen Kurzsieiitigkeit, das K׳, «pfesmotiv aus einem Umstande herzuleiten, dem, nach Ausspruch einer gewiss anerkannten Autorität, Ernst llenan’s, das Christenthum seinen Bestand wesentlich zu danken hat. ,,Das Christenthum konnte nur dort Wurzel fassen, wo die Racenmengung fortgeschritten war“; und an anderer Stelle: ״seine Pllanzungen gedeihen nur auf d ein Boden, den die Bliitmischiingeu gedüngt haben“ — so äussert. sich Hemm iu seinen zu London gehaltenen Vorträgen. Zur Zeit als der tliudwilthige Fanatismus die Scheiterhaufen zu errichten und seine Opfer in die tinsteren Verliesse der Irujuisition zu sperren die, Macht, hatte, da konnte wohl der Racenliass zum Au.soan׳rs- © מ punkt des Religionskampfes gemacht werden. Schon das 18. JahrhuoAKt aber mit seiner Philosophie und kühlen Skepsis muMte nothwendig dem wüsten Treiben ein Ende machen; der mitternächtige Geisterspuk wich dem hellen Tageslichte, das von der Encyclopädistenschale ausging. Wie sollte gar das 19. Jahrhundert mit seiner ganz ausgesprochen realen, nur den exacten Forschungen huldigenden Richtung Zeuge einer Racenfeindschaft sein, einer, wenn auch in ihren Folgen reactionären, ihrem Wesen Dach aber ganz idealen Fewegung? Der Antagonismus ist aber eine leider nicht wegzuläugnende Thalsuche, nur dass man den Grund hierfür wo anders zu suchen hat. Ein grosser deutscher Dichter that den ebenso geistreichen als richtigen Ausspruch, dass die ganze civilisirte Welt in zwei streng gesonderte Lager getheilt sei, von denen das eine zum Spiritualismus mit seinen ernsten, monotheistischen Tendenzen, das andere zum heiteren, götterdurchwobenen Hellenen thuni sich bekenne; und so grundverschieden sind die beiden in ihrem Gedanken- und Empfindungsleben, dass keine Brücke über die Kluft sich wölben kann, die sie tür alle Zeiten auseinanderhält. Die Juden sind vermöge der ihnen zugefallenen Mission, als Träger der Einheitsidee, die Repräsentanten des reinsten, in seiner ganzen Starrheit erfassten Spiritualismus, und wie die meisten Anhänger einer dominirenden Geistesrichtung, zu sehr an die Einseitigkeit ihres Ideenganges gefesselt, um für einen anderen, dem ihrigen diametral entgegengesetzten, die richtige Auffassung zu haben. In den ׳Kann spiritualistischer Weltanschauung befangen, eingezwängt in die. Abstractheit ihrer Lehre, konnten sie von jeher ke׳n syinpathisches Verständniss jener lebensfrohen, heiteren Cultur enlgcgenbringe!!, die im Griechentham ihre schönsten HlUtheii trieb. Der Cultus des Schönen, der Rythnius in Ton und Bewegung, die harmonisch-plastische. Ge- Stellung, dies Alles moelite ihnen als würdiger Zeitvertreib für den durch ernstes Studium Ermüdeten, Krholungsbedürftigeu erscheinen; wie aber ein ganzes Volk die Sehönheitsidee als Lebensberuf, als eine wichtige Staatsangelegenheit erfassen konnte, das zu begreifen war denen unmöglich, die jenes kindlich-naiven Kunst- Sinns vollständig ermangelten. Sie, die hauptsächlich

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