Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 13. (30.3.1881)
- Date
- 1881-03-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 13. Das Jalirg. X« Jüdische Literaturblatt. Znr Beten cbtnng »Her Judenthnm und Jnde» betreffenden literarisch. Erscheinungen »n t dem Gebiete der Philosophie. Ge»chlel1te,Ethnographte,Theologle.Orient.ll», Exege»«, Honiletlk, Lltnrglk, Pädagogik. Hera 11 s ״ e sr e b c n Habbiner Dr. Moritz llnliiuer. Mng:<1ebu1׳iC, HO. März 1881. r Bücher der einschlägigen LIteratar, welche der Kedaction ingesandt werden, Anden In dleaeaBlatte eingeh. Bespreehnag. BelElnaendnag toaiwel Beeenaloaaexemplaren erfolgt nach Erwähn. L d.Wooheniohr. Das ״J&dlftehe Llter*turbla1tt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BuohhMdlungen (in Lei pzi g bei Robert Friese) pro J ah r g an g: 8 II k. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährl. bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten!las ״Jüdische Literatnrblati“ gratis. — Iimerate werden mit'iöPf. fiir die dreigespaltene Petitzeile berechnet nnd ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von G. L. Daube Ä, Co., Frankfurt u. U, Magdeburg, Berlin, Humburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inbalti Wissenschaftliche Aufsätze; Kirchenväter Uber Juden. I. L i ter atur b e ri ch t: Recensionen: Rabbinovicz, Dr. I. M. L6gislation cirile du Talmud etc. — Revue des dtudes jnives, publirntion trimestiielle de la socicte des etndes juives. — Horovitz, Ch. U. Sammlung kleiner Midraschim. — Weissmann, A. S Ctiajira Prostak. — Scholl, Carl. Jesus von Nazareth auch ein Semite. N o tize n. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet Kirchenväter über Juden. 1. Wir beabsichtigen, im Folgenden Stellen aus den Kirchenvätern zusammenzustellen, welche sich mit Juden und Judemhuin befassen, um gegenüber den Schmäiiungen jetziger Hofprediger zu zeigen, wie die ״auto* ritaiiven“ Väter der Kirche über beide dachten. Wir beginnen mit den Kirchenvätern der ersten christl. Jahrhunderte und lasseu, da uns Origen es gerade vorliegt, diesem das erste Wort. Hören wir, wie dieser Kirchenlehrer das Judenthum gegen die Angriffe des Heiden Celsus, der etwa in der 2. Hälfte des zweiten Jahrhunderts gelebt, in Schutz nimmt. Im fünften Buche seiner umfangreichen Schrift: ״Contra Celsum“ sagt er unter anderem wörtlich: ״Celsus wirft den Juden vor, dass sie sich fälschlieh als das von Gott unter allen Völkern auserwählte Erbtheil ausgeben, dass sie sich im Hochmuthe rühmen, den grossen Gott vor allen anderen zu keimen. Celsus spricht ihnen ferner die Erkenntniss des höchsten Gottes ab und giebt vor, dass sie sich durch vorgebliche Wunder Mosis derart haben bezaubern und betrügen lassen, dass sie ihn zu ihrem Unglücke zu ihrem Lehrer machten. ״Wir haben schon früher1* — so fährt Origenes fort — ״nachgewiesen, wie vorzüglich und bewundernngswürdig der jüdische Staat, so lange noch die Stadt und der Tempel Gottes stand, eingerichtet gewesen. Und wer Uber die Absichten des jüd Gesetzgebers gründlich nacltdenken und seine Gesetzgebung mit denen der übrigen in der Welt vergleichen will, wird finden, d ass kein Volk der Welt mehr als das jüdische bewundert zu werden verdiene. Alle dem menschlichen Geschlechte nutzlosen Dinge waren aus demselben, soweit dies menschenmöglich, entfernt und nur die nützlichen Dinge blieben heibehalteD. Hier kannte man keine Kampfspiele, keine Schaubühnen keine Wettlftufer 11. 8. w. Hier duldete man keine Weiber, die sich jedem Wüstling preisgaben. Und welch ein Glück war es, dass dieses Volk von frühester Kindheit gewöhnt wurde, seinen Geist Uber alles Sinnliehe zu erheben und zu glauben, dass Gott von nichts Körperlichen umschlossen ist, sondern nur geistig gefasst werden könne. Und wie nützlich war es, dass dieses Volk die Lehren von der Unsterblichkeit der Seele, von den Strafen in der Unterwelt und von den Belohnimgen derjenigen, die hier einen frommen Lebenswandel geführt, wie man zu sagen pflegt, mit der Muttermilch einsog, und fast noch früher begriff, als es recht spredien lernte! Es ist wahr, dass diese Lehren den Kindern und jenen, deren Verstand demjenigen der Kinder ähnlich, bildlich vorgetragen wurden; allein jenen, die ihre Vernunft bilden und zur Reife bringen, verwandeln sielt diese Bilder in die Wahrheit selbst. Dass die Juden alle WahrsagerkUnste verwarfen und sie für trügerische, von bösen Geistern ausgehende Wissenschaft gehalten, dagegen die Wissenschaft des Künftigen nur bei bevorzugten, von Gott wegen ihrer besonderen Unschuld inspirirten Männern zu finden glaubten, ist genügend bekannt. Ein Volk, welches das Erbe und Eigenthum Gottes genannt wird, musste dies thun. Und muss ich noch von dem Gesetze sprechen, welches einen Menschen, der die jüd. Religion bekennt, nicht länger als sechs Jahre dienen lässt, und zeigen, dass diese Einrichtung vernünftig und weder für den herrschenden, noch für den dienenden Theil unbillig sei? Die Juden müssen demnacn nicht aus demselben Grunde bei ihren alten Gesetzen verharren, aus welchem die übrigen Völker die ihrigen festhalten; sie wären vielmehr höchst strafwürdig, wenn sie die Vortrefflichkeit und Vorzüglichkeit ihrer Gesetze nicht anerkennen oder glauben wollen, dass dieselben in derselben Weise wie jene der übrigen Völker entstanden seien. Celsus mag also sagen, was er will, die Juden sind doch weiser und verständiger nicht nur als der gemeine Mann, sondern selbst als jene, welche den Namen ״Weltweise“ führen. Hätten 8ie Je6um nicht getödtet, was sehr zu bedauern,