Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 10. (9.3.1881)
- Date
- 1881-03-09
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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— 40 — Analyse des Inhalts gegeben wird. Von den vorgeschlagenen Conjectnren seien erwähnt Cap. I v. 5 שב statt שם (erscheint sehr ausgerenkt!) II, 17 nach חכמה einzuschieben ודעת, gleichwie in I, 17, wie überhaupt ähnliche Stellen sich gegenseitig zu ergänzen pflegen, so ist in 11,24 nach אין טוב einzuschieben כי אם, nach III, 12 und hier ist wohl statt בם zu le«en באדם In III, 17 תחת השמים Statt שם — der letzte Vers von IV ist als erster zu V zu setzen — רגליך ist Anspielung auf ״ שלוש רגליםPilgerung“, die Zeit, in der Gelübde erfüllt wurden. Dass VIII, 1 פניו auf דבר bezogen wird, dürfte nicht viel Beifall finden אדם wird als Collectivbegriff des gewöhnlichen המלך der Könige gefasst, wie in den phönizischen Inscriptionen אדם und ענויז — •ממלכת heisse ״sich beschäftigen“ und dann ist ענץ eine Art Inflnitiv. — Koheleth zeigt einen durch den Glauben an den gerechten Gott gen1ä88igten Fatalismus. Da מלאך auch den Priester bezeichnet, sind IV, 17 und V. 6 wohl ironisch gegen diese gerichtet. Die Ideen des Buches — prachtvoll ist die Bemerkung: ״Das Judenthum hat das Glück gehabt, sehr spät in die Hände der Philosophen zu fallen“ und daher die Vielseitigkeit derselben, die Freiheit, welche den Widersprüchen selbst in der Auflassung Gottes Raum gewährt, dass eine Theologie des alten Testaments unmöglich ist, wofür das Buch den Beweis liefert — erweisen einen Einfluss griechischer Philosophie (es gehört somit, wenig älter als Daniel, in das zweite Viertel des zweiten v or christl. Jahrh.) und zeigen auf einen sadducäischen Verf. hin. Dabei enthält es eine Fülle älterer Sprüche z. B. Cap. VII, 1—8, IX, 17--22, X, 8 ff., XII, 3—6. (Forts, folgt.) Schwarz, Dr. Adolf, Stadt-und Conferenzrabbiner. Das israelitische Fremdengesetz. Predigt am 3. Januar 1881 gehalten. Karlsruhe (A. Bielefelds Hofbuchhand• lung) 1881. 15 S. 8. Ein politisch Lied — ein garstig Lied! hiess es früher. Später fand man, dass von den Zinnen der Partei herrlicher Gesang ertönen könne. So wird auch die Antisemitenbewegung für uns Juden eine lilerarschichtliche Bedeutung erlangen. Sie hat uns Muster gebracht, wie zeitgeschichtliche Fragen auf der Kanzel behandelt werden können und dürfen Eine solche Musterpredigt ist auch in formeller Beziehung (die Einlcitung ausgenommen, in welcher die Theorie der Sonnenstrahlen zu weit hergeholt ist) die vorliegende Rede. Und wie man’s bei Schwarz schon nicht anders erwartet, stehen Gedanke und Ausdruck, Inhalt und Form auf gleicher Höhe, ist Alles durchdacht und gefeilt. L. Antisemiten und (■ymnaaiallehrer. Ein Protest von Dr. Karl Fischer, Professor am Gymnasium zu Frankfurt a. M. (Berlin, Ferd Dümmler's Verlagsbuch־ handlung, Herrwitz & Grossmann, 1881.) Wer sich einmul eine recht vergnügte Stunde machen will, dem empfehlen wir diese vortreffliche Schrift Fischer’s Der Autor, ein tüchtiger Historiker, behandelt in der oben benannten Broschüre, einem Augenblicks - Werkelten , die Antisemitenfrage und zerpflückt mit köstlicher Satire das von einem gewissen Dr. Siecke in Berlin, einem Gesinnungsgenos- 6en der Lehrer Förster, Jungfer und Henrici, herausgegebene Sehnlichen: ״Die Judenfrage und der Gymnasiallehrer.“ Der Protest richtet sich dagegen, dass Dr. Siecke im Namen des Gymnasiallehrers zu sprechen 6ich erlaubt und diesem allerlei windiges Zeug unterschiebt. Während Herr Fischer den Berliner Herrn in der ergötzlichsten Weise abführt und ihm den Kopf zurfechtsetzt, verfehlt er nicht, in der anmuthigsten Weise viel Belehrendes in seine Polemik einzuflechten, so dass Jeder, der seine Broschüre liest, nicht blos lachen und sich vertrefflich unterhalten, sondern auch einen dauernden Gewinn für sein Wissen davontragen wird. Herr Siecke wird sich ja freilich an der Lectüre wenig erbauen; er hat in dem Handel, in welchen ihn seine. Unvorsichtigkeit hineingetrieben hat, alle Voranlassung, mit Sir John zu denken: ״Ich wollte, es wäre Schlafenszeit, Heinz, und Alles gut.“ — Wie gesagt, wer lachend lernen und sich in der Antisemitenfrage hübsch orientiren will, der kaufe sich rasch Fischer’s prächtiges Schriftchen! Notizen. 1) Zur Bibelkritik. Die neuere Bibelkritik wendet nicht selten die Methode an, eine Schwierigkeit im Texte dadurch Zu beseitigen, dass sie annimmt, irgend ein Abschreiber habe sich dabei eine Randglosse ge• macht und ein späterer Abschreiber habe diese Randglosse in den Text gebracht. Dass mit dieser Methode viel Missbrauch getrieben wird, ist bekannt,indessen finden wir, dass auch der conservativste französische Commentator davon Gebrauch macht. In Synhedrin p. 103a heisst es: rR. Jochanan sagte, es heisst bei Manasse, er betete zu Gott, ויחתר לן, hier sollte es doch heissen ויעתר? Das lehrt, dass Gott im Himmel Oeffnungen machte.“ Nun steht aber im Texte im 2. Buche der Chronik 33, 13 wirklich ויעתר und nicht יויחתר Jesaias Berlin, dieser grosse Glossator, bemerkt am Rande zu dieser Stelle: möglich, dass in der Ausgabe, welche R. Jochanan vor sich hatte, nicht ויעתר sondern ויחתר stand. Allein Rase hi lässt sich da wie ein moderner Kritiker vernehmen. Er sagt: ומבחוץ כתיב ויעתר וכר. Ich glaube das heisst nichts anderes, als dass ursprünglich wirklich im Texte ויחתר stand. Jemand, dem das Verständniss dieses Wortes nicht einleuchtete, verbesserte und schrieb an den Rand ויעתר. Rabbi Jochanan beanstandete ebenfalls das in Rede stehende Wort. Wenn aber unser Text ויעתר lautet, 80 muss dieses Wort von aussen in den Text gekommen sein. — Uebrigens dürfte hier eine Ver- Setzung der Ausdrücke stattgefunden haben: ויעתר לו ויחתר לו d. 11. erstes Wort sei durch letzteres zu erklären. Zum Beweise heisst es in B. r. 33 bei Isaak ״ ,ויעתרdieses Wort, sagt R. Levi, ist durch Chatar zu erklären, denn im Arabischen ist Atira so viel wie Chatira.“ So heisst es uueh in Sohur zu letzterer Stelle: אל תקרי ויעתר אלא ויחתר דצל צלותא וחתר חתירא טלעילא. (Dass Levi viele Ausdrücke aus dem Arabischen erklärte, ist bekannt.) Dr. M. Du sc hak. 2) חכמה in der Bedeutung von Accoucheuse, sagefemme, Hebamme, darf nicht erst, wie Dr. Grünwald in Nr 1 d. Bl. sagt, aufs Neuhebräische oder, mit Reifmann aufs Targum zurückgeführt werden, weil wir schon חכם ohne weitere Beifügung in der Bibel, im Althebräischeu also, in der Bedeutung von Accoucheur finden. Ich verweise auf Hosea 13, 13. Dort heisst es: ״Wehen der Gebärerin kommen über ihn, der eia ״U11 weiser“ — בן לא חכם — ist, so wird er nicht bestehen beim Durchbruche der Geburt.“ Es ist hier offenbar unter חכם ein Geburtskundiger gemeint. Die treffende Bemerkung der Redaktion zu Aboth IV, 1*) gewinnt erst hierdurch an Bedeutun/. Weissmann. *) Richtiger: zu Taniü 32a. (Red.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Ralimer in Ungdeburg. Druck von K Horbach iu Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig!