Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 10. (9.3.1881)
- Date
- 1881-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. IO. Das •Kahrs. X. Jüdische Literaturblatt, r 1 y.nr Relenchtnng aller .!mim• tkn■ und Jaden hetrefenden Ilterarieeh.EnekelBaasen anf den Gebiete der Phlloeophle, G«*chiehte,EthBnprapble,The■ ologle,Orle»talia, Exegese. Ho- ■lletlk, Lltargtk,,Pädagogik. Hern h s ״ p u e 11 p n Voll Rabbiner llr. Moritz Hnlimer. 1). März 1S81. Bücher der einschlägigen!.Iteratar, welche der Kedactioa sageaandt werden, Enden ln dieseniBlatte elagek-Besprechj nag. BelEtasendaag voa a w e 1 I BecensloDsexewplaren erfolgt I aaek Erwähn. L d.Woehenaehr. I Das ״JfidlMelte Llteratarhlatl“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (io Lei pzi g bei Robert Friese) pro Jaiirgang: 811k. 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So werden namentlich Diejenigen fragen, welche gewohnt sind, in ihm einen gefährlichen Ketzer, einen Feind der Frömmigkeit und einen Räuber heiliger Güter zu erblicken. Von dem Dichter eines ״Nathan“, dem Verkünder eines Hutnanitätsglaubens. dem Gegner eines Goeze? Allerdings 6cheint hier ein Widerspruch zu 6ein, aber es 6cheint nur. Es ist wahr, Keiner hat gegen Vorurtheil und Dünkel muthiger gestritten als er, Keiner Schein und Lüge leidenschaftlicher gehasst als er, aber Diejenigen irren, welche glauben, dass er sich mit seinem Denken von dem Boden der Thatsachen entfernte, dass die Vernunft die einzige Waffe war, mit der er kämpfte. Man mag ihn immerhin einen Freigeist nennen, jedenfalls wird man zugebeu müssen, dasser eine ganz ungewohnliche Erscheinung in dieser Menschengattung war. Dieser Ungewöhnliche war er auch in dem Falle, von welchem hier die Rede ist Im Jahre 1769 befand sich Lessing bekanntlich noch in Hamburg. Der berühmte Streit mit dem dortigen Pastor Goeze, der! er von Wolfenbüttel aus durch die Herausgabe der ״Fragmente“ so sehr erzürnte, war noch nicht entbrannt, im Ge^entheil: beide Männer waren gute Freunde. Darüber schüttelten Viele den Kopf, den sie konnten nicht begreifen, wie Lessing an *) Wir bringen obigen Artikel von G. Malkewitz auszüglieb aas der Sonntags-Beilage der ״Voss. Zeit.“ — weil er eine ireffliche Widerlegung des ►cliwereu Vorwurfs ist, den Julius Rodetiberg (im Auguslheft der ״Deutschen Rundschau“ S. 281) dem Judenthum daraus macht, dass der Verf. der Pessach-Hagada, welche die vielfachen Verfolgungen und Leiden des isr. Volkes und die wunderbaren Errettungen erzählt, die betr. Psalmstelle (79,6 ,שפוך חמתך) aufgenommen hat. (Rodenberg sagt zudem fälschlich aus, dass seine Glaubensgenossen diese Stelle täglieh beten (vrgl das ״offene Sendschreiben an Rodenberg“ in Nr. 43 der ״Israel. Wochenschrift“ 1880). Auf 8 01 che Zeugnisse solcher, den jüd. Cultus nicht mehr kennenden Juden berufen eich dann die Rohling's und Consorten. (Red.) dein Verkehr mit einem Manne Gefallen fand, dem er so ganz unähnlich war und dem ausserdem nicht durchweg Gutes nachgesagt wurde. Aber Lessing, der auch in diesem Punkte seinen eigenen Weg ging, kehrte sich nicht daran, er schätzte die Gelehrsamkeit Goeze’s, namentlich dessen grosse Bücherkenntniss. Zu Denjenigen, welche der Umgang mit dem orthodoxen Geistliehen befremdete, gehörte auch der Hamburger Pastor Alberti. Dieser war ein biederer offener Charakter und Lessing, obwohl er in den theologischen Fragen nicht immer mit ihm übereinstimmte, in aufrichtiger Liebe zugethan. In dieser Zeit entstand nun ein kirchlicher Zwist. Seit Langem war in den Hamburger Gotteshäusern an den Busstagen ein Gebet abgelesen worden, in welchem u. A. die Psalmworte vorkamen: ״Schütte Deinen Grimm auf dieHeiden und auf die Königreiche, die Deinen Namen n i e h£ aarufen“ Der liberal ג Al berti und ein gleichgesinnter Amtsgenosse glaubten es nun mit ihrem Gewissen nicht vereinigen zu können, diese Worte länger von der Kanzel zu sprechen und lies6en sie aus dem Kirchengebete weg. Darum erhob sich nun in der Brust ihres Collegen Goeze ein!nächtiger Groll, er schlug einen gewaltigen Lärm und schleuderte die Blitze seines Zornes gegen die Neuerer. Alberti, der etwas lieftiger Gemüthsart war, blieb die Antwort nicht schuldig und der Streit, in welchem der Pöbel Partei für Goeze nahm, wurde so arg, dass der Magistrat dem alten Zionswächter bei Strafe der Amtsentsetzung befahl, Frieden zu halten. Lessing dachte nun in seinem Herzen gewiss nicht wie Goeze. Gerade ihm fiel es am wenigsten ein, der Unduldsamkeit das Wort zu reden, und dennoch nahm er das Kirchengeselz in Schutz. Natürlich konnte da9 Erstaunen nicht grössser sein. Nur Diejenigen, welche tiefere Blicke in sein Inneres thaten, wurden nicht irre. Die äuSsere Veranlassung, sich in den Streit zu mischen, gaben vielleicht die Neckereien seiner Freunde, welche ihm ironisch zuriefen, er möchte seinem geliebten Goeze doch zu Hilfe kommen. Sein Eifer war um so grösser, je hartnäckiger Alberti seine eigene Meinung vertrat, Als dieser ausrief; ״Christus sagt: Du sollst Deinen Nächsten lieben als Dich selbst“, uin dadurch die Unhalt bar keit jenes Bussgebetes darzuthun, erwiederte er: ״Das sollen und wollen wir auch und mögen doch wohl Gottes Grimm über Die herbeirufen, welche ihn verdienen.“ ״Ich möchte sehen, wie sie dies vereinigen wollen!“ war die Antwort Alberti’s ״Das sollen sie sehen!“ sagte Lessing und ging. Einige Tage später hielt Alberti einen Druckbogen in den Händen und las: