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Das jüdische Literaturblatt · 1881-03-02 · No. 9. (2.3.1881) · p. Seite 36

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 9. (2.3.1881)
Date
1881-03-02
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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sehen Juden und Heiden, nicht deshalb, weil bei den Heiden eine eheliche Verbindung erst mit der Cohabitation beginn׳, sondern weil es dem ganzen Wesen der Ehe im Jndenthurne widerspricht. Die jüdische Ehe soll den jüdischen Gotiesgedankeu in der Familie erhalten, sie soll leiblich ausführbar und religiös geheiligt sein. Und wenn gar die Heiden einen Ehevertrag einführten, so wäre die Ehe dennoch nichtig, denn das Heidenihum ist die Aufhebung des Judeulhums. So ist die Eheschliessung null und nichtig, wenn der männliehe Theil ein קטן ist (Eb. haes. 43), ebenso, wenn der eine Theil verrückt ist (ib. 44). Es ist also allerdings nicht das Verbot der Ehe an sich die Ursache ihrer Nichtigkeit, sondern die volle Vernichtung des Zweckes, der in der ehelichen Verbindung zur Ausführung gelangen soll. Ebenso merkwürdig ist der Widerspruch, in welehern sich Verf. betreffs der Annahme bewegt, dass zur Zeit der Patriarchen das itonK-Verhältniss bestanden habe. S. XXVI beweist er aus der Geschichte Jakobs, dass die Cohabitation die einzige Form der Eheschliessung gewesen sei und S. XXX behauptet er, dass zwischen dem Eheverlrag (jour du contrat) und der Hochzeit (נישואין) schon zur Zeit Laban’s re9p. Rebekkah’s eine geraume Zeit gelegen zu haben scheine. Abgesehen von diesem Widerspruche scheint aber auch die erste Behauptung nicht richtig. Denn Gen. 29,21 heisst es, dass Jacob zu Laban sprach, als er die verabredete Zeit uin Rahrl gedient hatte: הבה את אשתי ♦ ♦ ♦ ואבאר. עליה Gieb mir mein Weib. Jacob nennt Rahel also W ei b vor der Hochzeit. (Schluss folgt.) Adler, Dr. L., Landrabbiner. Die Bedeutung desEssäerbundes in der fortschreitenden Culturentwickelung der Menschheit. Vortrag in den Beamten- Verein zu Cassel gehalten und auf Verlangen herausgegeben. Cassel, Gebr. Gotthelff. 1860. ״Eine sanfte Darlegung beruhigt den Zorn“ Dieses bekannte Wort des jüdischen Spruchdichters hat gewiss den! redegewandten Vertreter des Humanitätsgedankens vorgeschwebt, als ihm die wachsende Agitation gegen die Juden es für geboten erscheinen Hess, die Verwirrung der Geister zu klären und die Gluth der Gemüther zu dämpfen. Es war keine leichte Aufgabe, vor Mäunern und Frauen, grösstentheils Christen, die schweren Fragen zu erörtern, ob das Judenthum dem Christenthuin feindlich sein könne, worin die grosse Bedeutung des letzteren liege, und warum dennoch die Juden nicht Christen werden können? Auch warschon so viel über die Judenfrage für und wider gesprochen und geschrie• ben, war es peinlich, ein Vertheidiger des Judenthmns sein Zu müssen, war es gefährlich, ein Ankläger des Christenthums zu werden Und nun wählte der Redncr das wissenschaftliche Gebiet einer historischen Auseinandersetzung, also eine neue Schwierigkeit. Aber die Klugheit und Humanität des Redners half ihm Uber Alles hinweg. Sein Vortrag ist in seiner Art ein kleines Meisterstück. Er zerstört die Vorurtheile gegen die Pharisäer durch die Darstellung ihrer hohen Gedanken und Grundsätze, zeigt, dass die Essäer mit den Pharisäern so Vieles gemeinsam hatten. Mit grosser Zartheit dentet er ihre Schwächen an, erklärt sie so, dass sie entschuldbar scheinen, verschweigt das an ihnen, was das ganze Bild hätte trüben können und wendet sich in geschickter Weise zur Besprechung des Christenthums. Es sei die ccntrifugale, das Judenthum die centripetale Gotteslehre. Das wahre Christenthum sei in seinem Urzustände ganz Judenthum gewesen, später habe es mehrere Gesetze desselben abgeworfen, weil es nach seiner Auffassung des Judenthums von dem bereits eingetretenen Gottesreiche sich dazu berechtigt glaubte. Das wahre Christenthuni sei aber kein Ge״ner des Judcnthuins, wie dieses auch nicht von jenem. Nur das Unchristliche erzeuge den Judenhass, wie das Unjüdische Formee.heiligkeit bei Sittenlosigkeit erzeu״e. Im Grunde seien Judenthum und Christenthum eins. Doch könnten die Juden nicht Christen werden weil sie Gott auf ihren Posten gestellt, weil sie keine* Ent- Scheidung fällen dürften, welches Christenthum das richtige sei, weil sie endlich ein lebendiger Mahnruf seien, dass die Menschheit sich vereinige. Liebenswürdig im Anfang, lehrreich in der Ausführung und liebevoll und erbauend am Schlüsse, konnte der Vortrag nicht verfehlen, einen tiefen Eindruck hervorzurufen. Wenn nun auch im Vortrage einzelne Behauptungen aufgestellt werden, die mehr den theologischen Standpunkt des Redners zeigen, als ganz objectiv erscheinen, wie die Redewendung von dem Buchstaben und dem Geiste, der Form und dem Geiste oder Behauptungen, die neu sind aber kaum haltbar sein möchten, wie die Ableitung des räthselhaften ״Essäer“ von — אסר ,binden״ (Bund) oder dass die Essäer, ohne vom Weltlichen sich ganz abzusondern, ohne von den übrigen Menschen sich abzuschliessen, so waren, wie wir uns die Menschheit wohl wünschen möchten u. s. w. so ist trotz solcher vereinzelter Behauptungen das Ganze doch ein dankenswerther Fingerzeig, wie man ״vortragen“ soll. Dr. Krön er. Notizen. 1) Das in dies. Bl. (Nr. 48 v. J.) besprochene שתים ist nach meiner Ansicht ursprünglich chaldäisch und ist von da ins Hebr. übergegangen. So sagt man im Chald. auch שתי statt שני. Im Chald. fällt das Gesetz weg, nach welchem auf ein bewegliches Schewa ein Dagesch nicht folgen darf. So heisst das Wort שנת im Chald. שתא; der sechste Theil heisst שתות. Dr. D u 8 c h a k. 2) Im ״Jüd. Litbl.“ Nr. 48 bringt eine Notiz des Herrn M. Auerbach die Ansicht des R. Elia aus Wilna, nach welcher entblössten Hauptes benedicirt werden darf. Dass dies aus dem angeführten Midrasch Rab. hergeleitet werden kann, hat schon der ט״ו zu Or. Ch. S 61,1 erkannt. Indess glaubt dieser Decisor es auf Grund ובחקותיהם לא תלכן verbieten zu müssen. Dieser Ansicht aber steht die Entscheidung eines ראשון entgegen. Auf die von seinem Neffen an ihn gerichtete Anfrage, ob man unbedeckten Hauptes dem Thorastudium obliegen darf, erklärt Sichron •Tehudah Res. 20 es als einen Akt grösserer Ehrfurcht für den, der es ertragen kann — למי שיובל לסבול — das Haupt zu bedecken. Es ist aber nicht zu leugnen, meint der ged. Autor, dass bei drückender Hitze die Kopfbedeckung lästig sei ולפעמים מפני כובד החום אינו יסול לסבול• Ungeachtet der lakonischen Kürze, die allen seinen Ent- Scheidungen eigen ist, ist unverkennbar כסי רישך כי היכא דתהוי עלך אמתא דשמ א die Quelle, aus welcher dieser Decisor seine Ansicht geschöpft. Wiewohl ihm der Brauch des Entblössen des Hauptes ausserhalb des Judenthums nicht mehr unbekannt sein konnte, Hol es ihm nicht bei, darin eine Art חה״ג zu erblicken Trenczin. Dr. Simon Wolffsohn. HebrälMhe Tn»aformul»re (riljHfO) mit geeigneter, anf die vornngegangeue Civiltrauung Bezug nehmender, deutscher Ucbersetznng von Rabbiner Dr. M. Rahner versendet 10 Stück gegeu Einsendung von 2 Mark franco Dl« Expedition die«. Blattes. DEC* Einzelne Exemplare i 30 Pf. *IM Verantwortlicher Redacteur Dr. Ra hm er in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Frieee in Leipzig.

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