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Das jüdische Literaturblatt · 1881-03-02 · No. 9. (2.3.1881) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 9. (2.3.1881)
Date
1881-03-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 9. Das Jahrg. X. Jüdische Literaturblatt. JSIIT Balfnchtnng aller Jmlenthnm and Jadea betreffenden literarisch. Erscheinungen jvs? den Gebiete der Philosophie. Geaehlchte,Ethnographie,Theologle,Orientalin, Exegese, Honiletlk, bltnrjlk, Pädagogik. Tletausgei'clien von Ral>l>im*r l>r. Moritx Knltiuer. Mn"f1U‘l)11r{r, iS. März 1S81. Bücher der einschlägigen teratnr, welche der Kedaetlon ingesandt werden, Anden dleaemBlatte eingeh. Bespreeh nag. BelElnsendnng roa s w e 1 Recenalonsexemplarea erfolgt aneh Erwähn. L d.Woeheaschr. LI- I loa I ־' Dm ״Jfi«ll«1cbe Kilternturblntt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Lei piiff bei Robert Friese) pro J ahrg an g: 8 Mk. 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Februar einen sehr bemerkenswerthen Artikel Uber diese beiden Nationalitäten, welche gegenwärtig — ersiere besonders durch die Berliner antisemitische Hetze — im Vordergründe stehen. Der Artikel bespricht zunächst das gegenseitige Verhältnis dieser beiden Völker und meint, dass, wie in alter Zeit, so auch gegenwärtig, trotz der Judenemancipation in Griechenland, keine besondere Sympathie zwischen ihnen obwalte. Im Hinblick auf die verschiedene Behandlung, welche Griechen und Juden heute erfahren — erstere werden von allen Kabinetten favorisirt, letztere gehören zu den ״Bestgehassten* — unterzieht der Artikel die Culturen beider Nationalitäten einer Besprechung und nachdem er nach Grote’s Geschichte von Griechenland die alten Rechts- und socialen Verhältnisse von Sparta und Athen geschildert hat, wendet er sich zu den alten Hebräern und fährt fort: ״Das Gesetz Mose’s beabsichtigte, die Hebräer zu gottesfürchtigen, frommen Menschen zu machen. ״Gott dienen und unsere Nebenmenschen lieben“, sind die ersten Vorschriften, welche Moses einschärff. Reine Religion und Liebe im höchsten Sinne bilden die Grundlage der 5 Bücher Mose’s. Das patriarchalische Leben des Juden — sein unbeflecktes,*häusliches Leben im Dienste Gottes, im Schosse der Familie, ein liebendes Weib zur Seite und ergebene Kinder in der Umgebung, die ehrfurchtsvoll den väterlichen Segen begehren — steht im Gegensatze zu dem Lebenslaufe des Griechen. Lykurg sagte: ״Werdet stark, dass ihr im Staude seid, eure Nachbarn zu äberwinden und auszuplttndern.“ Moses sagte: ״Arbeitet, damit ihr im Stande seid, Gott Opfer zu bringen und die Armen zu ernähren.* Lykurg trachtete, ein Volk von Gladiatoren zu schaffen, deren einziges Verdienst in physischer Tapferkeit bestehen sollte, Männer auszubilden, welche, roh und ungesittet, ohne bestimmte Moralprincipien, lägen und stehlen durften, sofern sie nur unentdeckt blieben. Moses legte seinen Anhängern die Pflicht auf, im Gesetze zu forschen, was nothwendig die Ausbildung ihrer moralischen und geistigen Anlagen zur Folge haben musste, und in Frieden miteinander zu leben. Arbeit und Studium waren die Schuldigkeit jedes Juden, und die frommsten und gelehrtesten Juden trieben Handwerke wie die geringsten im Volke. Das Heben jedes Juden war eine fortgesetzte Selbsterziehung, die aber nicht, wie bei den Spartanern, darauf ausging, die Muskelkraft auszubilden, 11m ihre Nachbarn besiegen zu können, die Selbstentsagung hatte die Unterdrückung fleischlicher Gelüste und die Förderung der geistigen Ansprüche zur Folge. Die geringsten Observenzen des mos Gesetzes erinnerten die Hebräer an den Gott ihrer Väter, welcher sie aus der Knechtschaft erlöst hatte. Der mosaische Codex war ein anderer, als der Drako's. Jener war voll Barmherzigkeit, und mehrfache Vorsorge ward darin für die Armen getroffen. Die Sklaven der Hebräer hatten eine andere Stellung, als die der Hellenen, unter den Juden gab es keine Heloten. Ihre sogenannten Sklaven wurden nicht auf das Schlachtfeld geschickt, um für ihre Herren zu kämpfen, und sie wurden nicht wie Janitscharen abgeschlachtet, wenn sie zu mächtig erschienen Ueberdies wurde ihnen im 7. Jahre die Freiheit gegeben. Man stelle sich die schwarzäugigen Töchter Juda’s (gleich den spartanischen Jungfrauen) vor, wie sie zur Vornahme von Leibes- Übungen aus Jerusalem ausziehen in einem primitiven Kostüm, das sich von demjenigen, in welchem ihre Mutter aas dem Eden vertrieben wurde, nur wenig unterschied! Und man denke sich eine häusliche und sittsame Frau, die ehrerbietige, liebevolle Gattin eines Rabbi oder eines Patriarchen, in der Rolle (wie sie mancher Spartanerin zuüel) einer Gattin von zwei Ehemännern, einer Vorsteherin von zwei Haushalten! In

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