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Das jüdische Literaturblatt · 1881-02-16 · No. 7. (16.2.1881) · p. Seite 28

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 7. (16.2.1881)
Date
1881-02-16
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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— 28 — sehr lehrreipfip Schnft aus ^er Hand, von,dem Wunsche beseelt, bajd d.a§ diese Monopraphie ergänzende lieft II begrüssen .zu ״köpneh. _ . . ׳ , . , Sohrau'O/S. Dr. Immanuel Deu tsch. Die HauptwidersprQche gegen den Grundtext der heil. Schrift in deh zwei protestantischen Bekerintniss- Schriften: Augsburgische Confession und Apologie, nachgewiesen von ( einem Theologen. Hannover 1881. Helwig’sche Verlagsbuchhandlung. 40 S. Den Kernpunkt dieses Schriftchens lassen wir rIs ein Internum der christlichen Kirchen unberührt. Uns interessiren nur 2 Erörterungen, Die eine, in welcher wir dem! Verf. beipflichten, dass ־ב.הי — אמת•.; fides nicht mit ״Glaube“, sondern mit ״Treue“ wiederzugebensei; die Andere, in welcher der Verf. nur das seiner Deduktion Zuträgliche ohne Beachtung des geschiehtlieh Gegebenen behauptet, dass vojio; ohne Artikel das Ritualgesetz, während 0 VOJJLOQ ״das Gesetz“, die fünf Bücher Moses oder nur die heiligen 10 Gebote bezeichne», denn das Ritualgesetz sei gleichsam ein Obergesetz über den 10 Geboten bei den Judenchristen gewesen. Das׳ ist absolut •falsch. Das Obergesetz ist bei den Juden stets das Sitten gesetz gewesen, das Ritualgesetz, welches der Verf. fälschlich im Schuld- und Sühnopfer gipfeln sieht (denn Tephillin, Feste, Speisegesetze, Normen für das eheliche!Leben haben zum Sühnopfer gar keine Beziehung() bildet vielmehr eine Stütze, ein Mittel, die moralische Kraft und Festigkeit zu erlangen, welche das Sittengesetz erfordert ,Gott wollte Israel läutern, darum hat er ihm Lehren und Pflichten gemehrt “ Das ist. die jüdische Auffassung des Verhältnisses vom Ritualgesetze zum Sittengeselze, zu den Zehngeboten. L. Sondheimer, Dr. H., Bezirksrabbiner zu Heidelberg. Gesehichtlicher Religionsunterricht. I. Abtheil. Biblisch-gesch. Religionsunterricht; II. Abtheil. Jüdischgesch. Religionsunterricht Lahr, Meritz Schauenburg. Der Grund und Eckstein des jüdisshen Religions- Unterrichtes ist und bleibt die biblische und nach ihr die jüdische Geschichte. Katechismen, Leitfaden, Spruchbüchlein, Alles ist überflüssig, wenn Zeit gegeben ist, unsere Geschichte theils aus den Urkunden selbst, theils in geschickter Weise zusammengestellt und erzählt, den Schülern zu eigen zu machen. Da das eigentliche Bibellesen, selbst in deutscher Sprache, erst die Aufgabe einer reiferen Jugend werden kann, wird man stets auf Oompendien angewiesen sein, und deren giebt es ja eiiie nicht geringe Anzahl. Dennoch bleibt die Abfassung einer güten und brauchbaren bibl. Geschichte immer noch des Schweisses der Edlen werth, und wie von allen der Jugend gewidmeten Büchern heisst es auch hiervon: das Beste ist■ noch gerade gut genug. Den Arbeiten von Levy (Badt), Stern, Jacobson und für nach bibl. Geschichte von Leimdörffer, haben sich obengenannte Büchlein zugcsellt und bilden i!n Kreise bewährter Leistungen kein unrühmliches Glied. Giebt man die von vielen jüdischen Schulmännern vertheidigte Forderung auf, dass die bibl. Geschichte, so weit es angeht, mit den Worten der Bibel erzählt werde (Badt- Levy), so hat Sondheimer mit vielem pädagogischem Takte den Anfängern ein leicht verständliches, knapp und übersichtlich zusammengestelltes Pensum geboten, welches der Lehrer beliebig erweitern und vertiefern kann. Die Anknüpfung der Moral- und Sittenlehre ist in lobenswerther Weise nicht zu aufdringlich gehalten und ergiebt sich ziemlich naturgemäss aus dem Inhalte des Erzählten. Von grossem Nutzen können die dem Schüler mitgetheilten Proben dichterischer Erzeugnisse sein, wenn hierdurch der Eifer erweckt wird, die Perlen der bibl. Literatur in der Ursprache kennen zu lernen. Ob die vom Verleger beigegebenen Illustrationen dem Unterricht förderlich sein dürften oder nicht,, mag hier nicht entschieden werden — unserem subjectiven Geschmacke entsprechen sie nicht, sie riechen zu sehr nach dem christl■ Religionsbüchlein und hindern die freie Phantasieentfaltung des jugendlichen Gemüthes. Eipe sehr fleissige und brauchbare Arbeit ist der II. Theil, welcher die nachbiblischeGeschichte enthält und welcher auf den höheren Unterrichtsstufen mitLeimdörffers Buch um die Einführung in den Religionsschulen zu ringen haben wird. Wem da die Palme zu reichen ist, wird schwer zu entscheiden sein. Wir freuen uns von Herzen, dass das lange vernachlässigt gebliebene Gebiet der nachbibl. Geschichte in der jüd. Religionsschule anfängt, eifrig bebaut und gepflegt zu werden und dass dem Lehrer eine Auswahl gediegener Hilfsmittel zu Gebote gestellt werden. Der Schauen burgischen Verlagshandhandlang muss für die Ausstattung und für den civilen Preis von 60 Pf. pro Abtheilung Anerkennung ausgesprochen werden. Caro- Erfurt. Notizen. 1) Im Literaturblatt Nr. 45 des vor. Jahr anges wird eine glückliche Erklärung der schwierigen Bibelstelle II. Samuel 17,3 versucht. So geistreich aber auch der Versuch ist, vermag er dennoch nicht ohne Emendation das Dunkel dieser Stelle zu erhellen. Meiner Ansicht nach kann dies, wenn man schon zur Emendation greifen muss, durch eine ganz harmlose geschehen, wenn nämlich anstatt גישוב gelesen wird כשוב und dies als Inf. abs. von ״ שבבumherschweifen“. Achitophel wollte das leichte Gelingen und den sichereu Erfolg seiner Conspiration andeuten, indem er auf das lose Verhält« niss des Volkes zum König hinweist. Demnach wäre der Sinn dieser Stelle folgender: Ich will dir das ganze Volk zuführen, da doch Alles den Mann (David), den du suchst, nur umschweift, d. h. ihm nicht in aufrichtiger Treue ergeben ist. Dr. F—r. 2) Ueber den sehr schwierigen Vers Sam. 17, 3 theile ich die plausible Ansicht des hiesigen gelehrten Herrn Recheles mit. Derselbe meint, es sei hier eine Versetzung anzunehmen. Das האיש אשר אתה מבקש hatte seinen Platz in V. 2. Es hiess ursprünglich: והכיתי את המלך לבדו האיש אשר אתה טבק׳. Der Abschreiber versetzte den Passus האיש אשר אתה טבקש in den 3. V, D u 6 ch a k. 3) Die dunkle Stelle ודן למה יגור אניות (Richter 5,17) habe ich im VIII. Jahrgang dieses Blattes Nr. 14 durch eine Eigenheit der hebr. Sprache, das ב zu verschlingen aufzuhelien versucht, יגור somit gleich יגבור, und dieses als gemischte Form von Kal uud Piöl wäre. Professor Dr. Grätz glaubte es in seiner Geschichte der Juden Bd. 1 p. 117 in יגורר;ג1ד (d. h. die Schiffe an’s Gestade ziehen) zu emendiren und zwar aus demselben Grunde, weil die Daniten unmöglich auf den Schiffen wohnten, sie sollen vielmehr Kaperer gewesen sein. Allein vergleicht man diese Stelle mit Genesis 49,13, so bedarf es keiner weiteren Conjectur. Man muss nur den Satzbau der antiquen hebr Poesie würdigen und man wird finden, dass die beiden Vershälften sich ergänzen, wie folgt: דן למה יגור - אגיות אשר — ישב לחוף יטיס In der ersten Vershälfte ist das Wort לחוף, in der zweiten ילמה um Wiederholung zu vermeiden und auch der kräftigen Kürze wegen, ausgelassen. Für den Bibel kritiker bietet das Deboralied mit dem Segen Jakobs viele lehrreiche Vergleichungspunkte. A. 8. Weissmann. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipxig.

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