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Das jüdische Literaturblatt · 1881-02-02 · No. 5. (2.2.1881) · p. Seite 20

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 5. (2.2.1881)
Date
1881-02-02
Page
Seite 20 (sequence 6)
Language
German
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— 20 die jüngsten Vorgänge im conservativen England hin, wo selbst die starre Orthodoxie sich dem Verlangen nach Abkürzung des Gottesdienstes nicht mehr erwehren konnte. Das vorliegende vortreffliche und sehr empfehlenswerthe Buch hätte vielleicht in der Anlage vereinfacht werden können, wenn es blos die Gesangstucke der Gemeinde mit Auslassung derjenigen des Cantors enthielte. (Das Buch wäre dadurch allerdings kleiner und noch wohlfeiler geworden, aber es wäre dann für die kleineren Gemeinden, deren Cantoren nicht immer die nöthigen musikalischen Kenntnisse besitzen, kaum zu gebrauchen. Manche grössere Gesangstucke für den Cantor hätten jedoch ausfallen und durch Stichnoten ersetzt werden können. Doch das sind mehr praktische Winke, die hei einer zweiten Auflage Berücksichtigung finden mögen.) Wenden wir uns lieber dem in so reichlicher Weise Dargebotenen zu. Die meisten Melodien sind schön, sic schliessen sich au das Traditionelle an und sind sanglich und leicht einzuüben, was ein Hauptvorzug des Buches ist. £8 sind alle liturgischen, rituellen und usuellen Vorkommnisse berücksichtigt, nur Minchah für Sabath und Feste haben wir vermisst. Wir verkennen überhaupt die Schwierigkeit für die Veranlagung eines solchen Buches nicht und sind überzeugt, dass die Ansprüche an dasselbe geradeso verschieden sind, wie die Gemeinden oder gar die Individuen. Hier wird es nicht in musikalischer, dort nicht in ritueller Beziehung den Wünschen und Anforderungen entsprechen; hier wird es als Rückschritt verschrieen, im Vergleich zu den bisherigen Kunstleistungen, dort wird es als Anbahnung der Reform oder als wirkliche Reform zurückgewiesen werden.**) In ähnlicher Weise verhält es sich ja auch mit den Gebetbüchern, deren es eine Unzahl giebt, wie ja auch die Literatur der Synagogengesänge Ubergross ist. ■ Für die Liturgie und deren Musik sollte eine Einheit erstrebt werden; aber wir stehen der Verwirklichung eines solchen Wunsches leider noch sehr fern. Bis dahin begrüssen wir aber das vorliegende Buch mit Freuden und empfehlen es allen Gemeinden und Schulen zur Einführung. Selbst da, wo ׳״osse 'höre ,nitwi1*׳1•׳•'. ist der Gemeindegesang unerlä6slicn; fü. c'neu solchen aber ist das vorliegende Buch unentbehrlich und durch kein anderes zur Zeit zu ersetzen. Wenn alle Gemeinden es eingeführt haben werden, und das Interesse am Gemeindegesange wieder neu geweckt sein wird, verallgemeinert sich wohl auch das Streben, der Gesammtheit für den Synagogalcultus (Gebete, Gebräuche und Gesang) das zu bieten, was allen Gemeinden notli M1ut und wüuschenswerth ist. Der Druck und die Ausstattung des Buches sind vorzüglich. Der Preis von 2 Mark ist, zumal bei Partienabnahme 25״/, Rabatt bewilligt wird, ein sehr mässiger. Dr. R. Notizen. 1) In der fleissigen und trefflichen Recension von Wünsche’s Midraschübersetzung (Nr 48, Jahrg. IX d. Bl.) bemerkt Hr. Dr. Deu tsch zu p. 298: ״Aus dem Worte לאומים schliesst der Midrasch (Ber. Raba C. 63) Jacob sei beschnitten zur Welt gekommen. Durch welche Ideenassociation mag wohl der Midrasch zu einer sonderbaren Annahme gelangt sein? Vielleicht liest er per inversionem מאילים und lässt א mit ה vertreten so dass מהולים entsteht.“ Dass diese Erklärung ziemlich weit hergeholt erscheint, wird selbst ihr Urheber ein- *) Diese Befürchtung ist ausgeschlossen, da das Buch bereits in orthodoxen Gemeinden eingefllhrt ist. (Red.) stehen. Sie ist aber auch nicht einmal befriedigend da doch מהולים im plural sich auf beide Brüder bezöge! Die Schwierigkeit ist aber bloss entstanden, weil Deutsch von einer gänzlich falschen Prämisse ausgeht. Die Stelle im Midrasch lautet: וושני לאומים ממעיך יפרדו אטר״ר ברכיה מכאן שנולד מהול. Wo ist da gesagt, dass R. Berechia seinen Schluss aus dem Worte לאומים zieht? Vielmehr wird der Nachdruck auf ממעיך יפרדו zu legen sein. Schon in der Geburt waren sie verschieden: Der Eine trug dass Bundeszeichen an sich, der Andere nicht. (.מתנת כהונה meint wohl dasselbe’, wenn er zu נולד מהול hinzusetzt: ומיד בצאתו מבטן היה ניכר שהוא קודש לה׳.) 2) In der Auslegung von II Sam. IX. 1, 17—27 (Nr. 2 d Bl.) stellt Hr. Dr. Sidon in längerer Auseinanderlegung eine Erklärung von ללמד בני יהודה קשת auf, welche an die geschichtlichen Ereignisse anknüpft. Diese findet ihre Unterstützung durch Hieronymus und Raschi. Letzterer erklärt zur Stelle ausdrücklich: ויאמר דוד מעתה שנפלו גבורי ישראל צריכים בני יהודה ללמד מלחמה ולמשוך בקשת. Und die Vulgata übersetzt: Et artem sagittariam Judaeos discere jussit. Caro. 3) Das erste Heft der von der Gesellschaft der jüd. Wissenschaft herausgegebenen Zeitschrift: ״Revue des Atudes Juives“ ist erschienen und enthält Beiträge von den Herren A. Darmesteter, J. Derenbourg, Isid. Loeb, Jos. Halevi u. s. w. (Das Heft ist uns nicht zugegangen und können wir auf den Inhalt deshalb nicht näher eingehen Red.) Replik. Vom Herrn Landrabbiner Dr. Hamburger ging uns eine längere ״Replik* gegen die Recension 8eiue9 Vortrages ״Die Nichtjuden u. 8. w.“ (in Nr. 50 v. J. dies. Bl.) zu, die wir schon wegeu ihrer Ausdehnung nicht bringen können, dann aber auch deshalb nicht, weil eine Erörterung über die Differenzpunkte (z. B. über רביתדנכרי) gerade in jetziger Zeit zu vermeiden wir uns doppelt veranlasst sehen. Wir lassen nur kurz den wesentlichsten Punkt daraus nebst der Erwiderung des Recensenten hier folgen und halten die Angelegenheit damit für abgethan. Herr Dr. H. meint, der Recensent habe den Hauptpunkt seines Vortrages nicht erwähnt, die Stelle Seite 4, woselbst es heisst: ״Einen eigenen Namen für ״Christen“ als die welche mit dum Judenthume in keinein religiösen Zusammenhänge stehen und in Folge der paulinischen Lehre zum Gesetz nicht verpflichtet sind, hat der Talmud nicht. Das irrthümlich dafür gehaltene ״Min“ bedeutet den die Grundlehre des Jadenthums verwerfenden Hellenisten, Gnostiker und Judenchristen u. s. w. ״Es giebt keine Minim unter den Völkern‘׳, lehrte Rabbi Naehunja. Somit können und dürfen nicht die 6trengen talmudischen Massnahmen gegen die Sektirer (Minim u. s. w.) innerhalb des Judenthums auf ״Christen“ bezogen werden.“ Ferner: Die Anhänger des Christenthums, die sich zur Lehre des Evangeliums bekennen, an Gott und dessen geoffenhartes Wort glauben, werden im Judenthume als Gottesverehrer gehalten u. s. w. Diese Auffassung ist die der bedeutendsten Gelehrten bis in die neueste Zeit u. 8 w.“ Darauf erwidert der Herr Recensent: ״Ob der Ausdruck מץ auf Nichtjuden angewandt wird, oder nicht, ist gleichgültig; denn in den meisten Bestimmungen des Talmud und der Codices werden die Bezeichnungen נכרי oder גוי angewandt, und was z. B. unter ריבית דנכרי ZU verstehen ist, erhellt zur Genüge aus dem Verfahren und den Erklärungen Jakob Tam’s, der bekanntlich in Nordfrankreich lebte; ודי לחכיטא• Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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