Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 4. (26.1.1881)
- Date
- 1881-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JSTo. 4. D&s Jahrs. X. Jüdische Literaturblatt Zar Beleachtaa j aller Jade•■ tha■ aad Jadea >etrafeadea literarisch. EnehelaaBgea anf deal Gebiete der Philosophie. Geseblehte,Ktha0|traphle.TheoIogie,Ortcatalla, Exejese, Ho- ■lletlk, Utarzih.ndagoKlh. Ilerausgegebea von Kabbiner Ur. Moritz llnlmier. Majfdehnr$26 ,״. Jannar 1881. r Bisher der elasehttflgea 1 teratar, welche der Kedaettoa aafesaadt werden, tsdea diese■ Blatte etageh-Bespreeh• aas. BelElaseadaag ▼oa ■ w e I BeeeaaloasexaBplarea erlblgt aaeh Erwlha. t d.Woeheatehr. ״Der Pessimismus im Kampf mit der Orthodoxie.“*) Nicht ohne Neid sehen wir dieses Buch ״gebildeten Laien“ gewidmet. Iin ״Volke der Schrift“ sind die ,.gebildeten Laien“, welche die heilige Schrift studiren, dahin streben, sie zu verstehen, leider recht dünn gesäet. Natürlich haben wir dabei nur Westeuropa im Auge Im Osten und in den anderen Weltiheilen sieht’s doch noch nicht so trostlos aus Dieser Neid hat es schon verrathen, dass wir das vorliegende Werk trotz der wissenschaftlichen Schrulle von Elohisten und Jehovisten, ja selbst trotz einiger christologischen Anwandelungen gern gelesen haben und Anderen zum Lesen empfehlen. Der Verfasser giebteiue trotz eines leichten Versmasses ziemlich treue und klare Uebersetzung von Hiob. Seiner Ansicht nach ist das Werk aus älteren und jüngeren Bestandteilen von einem späteren Redaktor — der Frage der Zeit geht er mit Recht aus dem Wege — in die vorliegende Form gebracht worden. Die ״Reden Hiobs“ sind das älteste Stück. Kap 29 von V. 2 an (V. 21—25 werden als Zukunftsbild gefasst) und 30 bilden den Anfang, darauf folgen Kap. 2 von V. 11 an bis Kap 31. In Kap. 27 sind Vers 7—23 als 8pätere Einschaltung bezeichnet, die zu Hiobs Ansichten nicht passt, wie auch Cap. 28 ״die menschliche und göttliche Weisheit“ ein Besonderes bildet. Hierauf folgen Kap. 38 bis 40 Vers 5 ״die Rede Gottes“, wozu c. 40 Vers 15 bis c. 41 Vers 26 einen Anhang bildet Die Heden Elihu’s (Kap. 32—34) sind ersichtlich jüngeren Ursprunges, und eine andere Art der Lösung versuchen 0er Prolog (Kap. 1 und 2), die zweite Rede Gottes (Kap 40, V. 6—14) und der Epilog (Kap. 42). Im grossen Ganzen ist es trotz des kritischen Apparates die *n jüdischen Kreisen übliche Auffassung, die zur Geltung kommt, doch scheint uns das ״Prüfen“ durchs Leid, wodurch Elihu dem Prolog näher tritt, zu wenig her- *) Oss Bach Hiob für Geistliche und gebildete Laien übersetzt jjnd kritisch erläutert von Dr. Gottl. Ludw. S t u d e r, Professor der rheologie. Bremen. Verlag von M. Heinsius. 1881. 232S.gr. 8. { Das ״<B&«lt11efee lilteratarblatt“ erscheint wöchentlich ln einem halben Bogen; Preis bei allen BaoM1udhl«g6R (in Leipzig bei Robert Friese) pro J ahrg an g: 8 Uk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift* (di e vierteljährlich bei allen Poetanstalten and Buclihandlungen 9 Uk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblati* gratis. — I«ser*tr! werden mit 25 PL für die drei gespaltene Petitzeile berechnet md aassehliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Gl• X!• Daube & Co., Fr>nkfart a. M., Magdeburg» Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. j Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: ״Der Pessimismus im Kampf mit der Orthodoxie * — Der neuedirte Coramenfar zu den Proverbien — von Ibn Esra? Von Dr. Grünwali in Breslau. Literaturbericht: Recensionen: Weil, Isaac. Le Prosdlytisme eliet les Jailb selon la b'ble et la talmud. — Luthardt, Dr, Christoph. Andreas Kempfer's Selbstbiographie. Notize n. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. vorgehoben zu sein. Mit Conjecturen ist der gelehr Verfasser sparsam, wie er überhaupt die rechte Mit! zwischen dem Festhalten des Alten und der Hypothe ־ sensucht inne hält. Sehr anziehend sind die Hinweise auf mythologische Anschauungen im nichtjüdischen Orient, wie 3,8 ״die Tages verflucher“, 7,12 ״die Meeresschlange“ und 9,13 ״Rahab“. Besonders fesseln die Hinweise, wie die im Buche Hiob ventilirte Frage nach dem Urgründe der Leiden in den Psalmen erörtert wird, besonders in (Kap. 7,17 18t eine Parodie von P8. 8,5) P8. 11, 13, 16, 17, 22, 37, 38, 44, 49, 73 und 90 (Inhalt von Cap. 7). Nicht gelten lassen können wir den Säte (S. 5): ,,Von der den Orientalen in seinem dolce fär niente störenden Arbeit und der sie bedingenden Noth und Bedürftigkeit aber hat der röm. Dichter eine bessere Meinung“. Da hat der gelehrte Verfasser der alten, irrigen Ansicht zu Liebe, das ״ לעבדוihn zu bearbeiten“ übersehen, mit welchem die ersten Menschen in den Paradiesesgarten gesetzt worden sind. Bei Besprechung des 44. Psalms hat Herr Prof. Studer übersehen, dass dieser die Empfindungen der Makkabäerkämpfe ausdrückt. Sonst hätte neben anderen Ausstellungen er nicht den Satz schreiben können: ״Es ist der Geist des 8päteren Judenthums, der sich in diesen Klagen und Vorwürfen ausspricht, und diese Klagen eines auf seine leibliche Abstammung von einem vor allen übrigen Völkern aaserwählten Lieblingsvolke Gottes stolzen, and auf die ihm von daher zukommenden Rechte pochenden Volkes müssen alle diejenigen kalt lassen, die nicht in diesem historisch gegebenen und rein sinnlich ünd äusserlich aufgefassten Bundesverhältnisse zu Gott stehen.“ Es ist wahrlich kein Zeichen von Siegesgewissheit, wenn man die eigene Sache dadurch höher zu stellen meint, dass man die gegnerische Meinung niedriger stellt, als sie za stehen verdient; wenn man, an Aeusserlichkeiten sich festhaltend, ohne Prüfung das oft Widerlegte immer wieder wiederholt. Es hat nicht erst einer neuen Religionsstiftung bedürft, um es zu erwirken, ״dass die Opferwilligkeit, wie pie der Prolog unseres Buches von dev ächten Frömmigkeit verlangt, welche alle Güter dieser sichtbaren Welt für den Besitz der idealen Güter einer unsichtbaren Welt gering schätzt und dahin giebt, dass die freudige Zuversicht in Gott, zu der sich der Held der Reden Hiobs durch alle Widersprüche der Erfalirung hindurchringt, nun auf einmal nicht blos das Kleinod einzelner bevorzugter Geister, sonder das Gemeingut der Massen wurden“ etc. Das ist das echte Judenthum, wie es in Bibel und Talmud gelehrt wird. Soilen wir über das ״Schauen Gottes“, über ״das Reich Gottes“ und über die ״Kindschaft Gottes“ uns hier ge-