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Das jüdische Literaturblatt · 1876-12-01 · Nr. 23. (1.12.1876) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 23. (1.12.1876)
Date
1876-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Litcratmdliitt, Herausgegeben von Rabbiner Di». Moritz Skahmer. Magdeburg, 1. December 187«. Bicher der eiaschtögigen Literatur, welche der Red. de« ״Kid. Kiteraturdlatt" in Mazdedurq («der der ^loraet. »,chenschr.- in Stettin) ,»gesandt «erden, finden in diesem Blatte »ingehend« Besprechung. V___/ Zur Beleuchtung aller Judenthum «. Juden detreffenden littrnrischen Erscheinungen ans de« Grdiete der Philosophie,Grschichte,Ethnographie,Bheotogir, Drlrntali», Exegese, Homiletik, Liturgik, Ptdagogik. V._ -/ läv 4)‘i Erscheint am 1« u »8. deS Monat«. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochenschrift" (die jährl. 9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen: in Leipzig durch Robert Friese. 5. Jahrgang. Das Wunder in seinerBeziehung;urReligion Vortrag vom Rabbiner 0r. A. Treuenfels. (Schluß.) Die Juden mußten die Hostien gestohlen, durchstochen, gemauert haben, die Hostie that Wunder und — man schlachtete die Judengemeinden ab bis fast zur Vertilgung im Lause des 14. Jahrhunderts, dann hatte das Wunder gewirkt, die neue Transsubstantionslehre konnte endgültig festgestellt werden. — Ich erinnere noch an die Zeit der Kreuzzüge, mit deren Beginn die Judenverfolgungen im großen Maßstabe anfingen, während gleichzeitig einerseits das Denkvermögen der abendländischen Völker zu erwachen und sich gegen Dogma und Prieuerschaft aufzulehnen beginnt, andrerseits Wunder über Wunder sich ereignen. Diese Dinge sind nicht nur gleichzeitig, sie stehen in innerem Zusammenhänge. Die Juden waren ein lebendiger Protest gegen die Lehre, daß ohne die Kirche und ihre Gnadenmitiel lediglich Sünde fei und Verdammniß; denn jene Leute glaubten nicht und lebten doch, und es gab unter ihnen trotzalledem gute Menschen. Was gab es da Bequemeres, als daß man mit dem Aufruf: ״schlagt die Ungläubigen tobt!״ die lästige Instanz aus der Welt schaffte und zugleich den Zweifel mit todtschlug! Ich könnte noch weiter ausführen, wie nur durch den Kampf und die Berührung mit den Saracenen, unter denen es so edle, ritterliche und gebildete, helldcnkende Männer gab. der Unglaube und Zweifel zunahm, (denken Sie an Friedrich II., den Hohenstaufen!) wie darum die Hierarchie immer fester ihre Herrschaft gründen, dazu immer neue Dogmen feststellen und dazu neue Wunder herbeischaffen mußte Doch ich habe bei diesem Punkte wohl schon zu lange verweilt. Genug, heute soll bekanntlich ein neues Dogma stabilisirt werden, neue Wunder sind 6s rigueur, der Erfolg ist abzumarten. Der orthodoxe Protestantismus kann wieder das Wunder der Menschwerdung Gottes nicht preisgeben, steht und fällt daher auch mit den« Wunderglauben. Er hat vormals, gleichsam als Gegenstück zil den Wundern der katholischen Heiligen, mit großem Eifer und leider entsetzlichem Erfolg die Hexenprozeffe in Scene gesetzt, klammert sich noch jetzt in seinen richtigen Vertretern recht fest an den Teufelglauben an, und von einem wiffenschaftlich hochgebildeten Profeffor, einem Geschichtsforscher, habe ich selbst in einem Vortrage die Aeußerung gehört: er begreife nicht, wie man an der Möglichkeit und Wirklichkeit von Wundern zweifeln könne, da doch die wunderbare Geburt Christi Thatsache sei. Die lutherische Orthodoxie, die so lange Zeit in Preußen die Schule beherrscht hat, ist es denn auch, die durch die Art, wie sie in den Schulbüchern für die Kinder die biblischen Geschichten behandelt, den ganzen Sturm gegen die Bibel und den Religionsunterricht herbeigeführt, ich kann nicht anders sagen als proöozirt hat. Wohl wäre es von Belang, dies näher nachzuweisen, aber ich darf hier doch nicht aus die Beleuchtung von Kinderschulbüchern — mit ihren Bildern! — eingehen׳ Vergleichen sie aber ein unter der Herrschaft der Regulative eingesührteS Biblische-GeschichtenBuch mit einem beliebigen solchen, welches für jüdische Schulen geschrieben ist, so werde» sie den Unterschied sozusagen greifen können. Wir unterdrücken ja nicht etwa die fraglichen Erzählungen, aber gruudverschieden ist die Behandlung. Denn wie verhält sich das Judenthum zu dem Wunder? Abgesehen von dem, was ich bereits über das Wunder der göttlichen Vorsehung und der menschlichen Freiheit gesagt habe, wobei es sich aber um ei» Wunder im Sinne des Widernatürlichen und Widervernünftigeü nicht handelt, ist da auch das Wunder der Offenbarung und der Propheten, auf welche die Lehre des Judenthums nicht verzichten kann. Bei allen diesen ist die Bezeichnung des U e b e r n a t ü r l i ch e n, die ich vorher iit anderer Anwendung zurückgewiesen habe, wohl am Platze. Denn dies Alles steht a>lf einem ganz anderen Boden. Die Naturgesetze alle, von denen wir wiffen, die der Mensch entdeckt, entziffert hat und die er noch entdecken wird, sie beziehen sich auf körperliche Dinge, oder auf s. g. unwägbare, aber doch materiell wirkende Stoffe — oder Kräfte, darüber ist man ja noch nicht einig. Für das Gebiet des Geistes gellen auch Gesetze: die Denkgeietze, und diese widersprechen ver Offenbarung nicht — aber keines von den erwähnten Naturgesetzen. Wie Leibliches auf de» Geist wirkt, Geist auf Geist, Gottcsgeist auf Menschengeist, darüber kennen wir kein Naturgesetz; keines, wonach es sich erklären läßt, also auch keines, dem es widersprechen könnte. Indem ich hier zu Ihnen rede, und Sie mich hören, wirken bekannte Naturgesetze; wer mir aber das Naturgesetz demonstiren, erklären, ja nur andeuten kann, kraft deffen Sie die gehörten Wort: (richtiger Laute) verstehen, beurtheilen, billigen oder

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