Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 22. (15.11.1876)
- Date
- 1876-11-15
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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88 beiden Freistaaten (Athen und Rom) nur ein Privatverbrechen, weiches nur auf Antrag zur Strafe gezogen werden konnte, wahrend sie von dem israelitischen Rechte als ein öfseirtliches verbrechen erachtet wurde, dessen gerichtliche Verfolgung durch Lösegeld nicht leseitigt werden konnte." S. 3. ״Die Grundidee des mosaischen Strafrechts in vielmehr die Idee des modernen Strafrechts, daß die schweren Verletzungen der Gesetze als öffentliches Verbrechen zu den angedrohten Strafen gezogen werde» müssen und nicht durch Ablösung und Versöhnung ausgeschlossen werden dürfen." S. 15 ist der Rachweis, wie die Talmudisten das mosaische Recht im juristischen Geiste interpretirten, dagegen die Kauonisten iit kirchlichem Sinne geführt. Wir nennen besonders die ausführlichen und gilt gearbeiteten Abschnitte: S. 31;. Die Blutrache und die Todesstrafe: S. 76. Beschränkung und Abschaffung der Todesstrafe, womit dann der Artikel ״Todesstrafe" in Hamburgcr's Real- Encyclopädie zu vergleichen sei; S. 107. Ansrottllng, Verbannung und Einzelhaft; S. 367. Charakter des Meineides; S. 414 bis 420. Gotteslästerung; S. 431. Ehebruch; S. 533. Menschenopfer; S. 556. Menschenraub; S. 575. Diebstahl; S. 601. Raub; S. 675. Sabbathentweihung; S. 665. Bestechung und Erpressung. Das Buch hat ein ausführliches Sachregister am Ende und ist vorzüglich gilt ausgejtattet. Möge es die wohlverdiente Verbreitung recht bald finden und in keiner Bibliothek der Juristen, sowie der jüdischen und christlichen Geistlichen, fehlen. II. Mach, Di־., Philipp, Rabbiner zu Posen. Prof. Rohling'S Falschmünzerei auf talmudischem Gebiet. Posen. Druck und Verlag von Louis Merzbach. 1876. Mit Vorliebe suchten in jüngster Zeit judenfeindliche Schriftsteller die Ansicht zu verbreiten, das; der Talmud unsittliche Prinzipien lehre und die Juden, denen dieses Buch die Quelle ihrer Lebensanschauungen geworden, diese verwerflichen Lehren bethätigt und daher auch einen grossen Theil der gegenwärtigen socialen Mißstände verschuldet hätten. Der Talmud erlaube den Juden, — so sagt mancher Avion der Gegenwart — seine christlichen Mitbürger zu übervorthcilen und das Wohl einer anderen Glaubensgenossenschast zu gefährden, wenn nur für einem einzigen Israeliten irgend ein Vortheil daraus entstehe. So sollen auch jetzt alle die jüdischen Glaubensgenossen, die sich an denr sogenannten Gründerschwindel betheiligt, aus dieser unlauteren Quelle einer falschen Moral geschöpft und ihr gemeingefährliches Treiben durch talmudische Sentenzen zu decken gesucht haben. Es dürfte überflüssig sein, zn beweisen, daß unter all jenen sogenannten Gründern fast kein einziger auch nur die geringste Kenmniß des Talmud besessen habe, um nach dessen ethischen Maximen sein Thun und Lassen zn bestimmen und die geschäftlichen Unternehmungen mit den Rechtsprincipien des Choschen Milchpat in Einklang zu bringen und letzteren als das für ihn gültige Handelsgesetzbuch zu betrachten. Der Ehre der Wissenschaft, der Ehre des Talmud und der Ehre des Judenthums sind mir verpflichtet, die bodenlose Unwissenheit und die absichtliche Fälschung in ungetrübtem Lichte zu zeigen, der diese talmudfeindlichen Schrifteir ihren Ursprung zu verdanken haden. Mit Recht hat daher Herr Rabbiner vr. Bloch das berüchttgte Werk des Professor Dr. August Rohling ״Der Talmudjude zur Beherzigung für Juden und Christen aller Stände" einer scharfe» Kritik unterzogen. Rohling ist, wie der Verfasser behauptet, der Urheber und die Säule des PaSquillantenlhums, welches das rubbinische Schriftthum zn seinein Opfer sich ausgesucht hat. Die Rohling'sche Schrift hat einen bebäuerlichen Einfluß ausgeübt, fast alle Judenfeinde haben ihre Kenntnisse des Talmud diesem gehässigen und durchaus unwissenschaftlichen Werte rmlehnt; in Folge dessen ist der Talmud, das in seiner Art einzig dastehende und an tief ethischen und moralischeir Wahrheiten reiche Werk, in verläumderischer Weise beschimpft und in den Augen unkiindiger Laien heruntergesetzt worden. Herr vr. Bloch hat nun in seiner sachlich und stylistisch trefflichen Schrift wenn auch wenige, so doch klare und unwiderlegliche Beweise dafür gebracht, daß der Verfasser des ״Talmudjuden" den Talmud, da von ihm kritisirle und so hart vcrurtheilte Werk, aus eigener Anschauung nie gekannt, und daß er nicht die geringste Kenntniß der von ihm geschmähten rabbinischen Literatur besessen hat, daß er ferner angebliche talmudische Citate anführt, die entweder ans dem Zusammenhänge gerissen oder eigenmächtig gefälscht oder gar aus eigenen Mitteln fabrieirt sind. Für jede dieser Be- Hauptungen bringt der Verfasser ein mmntastbares und gewichtiges Zeugniß. Eisenmengers ״entdecktes Judenthum" ist die unlautere und trügerische Quelle, ans der Rohling feine talmudische Belesenheit und ILeisheit geschöpft hat, den Un- Wahrheiten, die sich tu diesem von Judenhaß strotzenden Werke finden, hat Rohling feine eigenen,!jeder Wissenschaft hohnsprechenden Erfindungen hinzngefügt. Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, daß ein solches Werk eines solchen VerfasserS in'kurzer Zeit bereits die fünfte Auflage erlebt hat. Die Annahme des Herrn I)r. Bloch, daß von der halben Million Juden, die Preußen etwa zählt, sich schwerlich ein Hundert finden, welche mit dem Talmud einigermaßen vertraut sind, widerspricht wohl G. s. D. der Wirklichkeit. (S. 7.) Die Provinz Posen allein, in der gegenwärtig der geehrte Herr Versager seinen Wirkungskreis hat, dürfte wohl mehr als die doppelte Anzahl tüchtiger Talmudisten anfznweisen haben. Jedenfalls aber müssen wir dem Verfasser dafür Dank wifien, daß er es in angemessener Weise verstanden hat, der Wahrheit zur Ehre das Rohling'sche Werk an den Pranger zu stellen. Wünschen wir, daß die Schrift des Herrn Oe. Bloch auch in christliche Kreise gelangen »löge, damit diese einsehen, wie eS mit dem sittlichen und wissenschaftlichen Charakter der Talmudseinde heutzutage bestellt ist. Breslau. vr. C. Werner. Vv Tribus Impostoribus — Anno MDI IC. Zweite, mit einem Vorwort versehene Auflage von Emil Weller. Heilbronn. Verlag von Gebrüder Henniger. 1876. Die Vorrede nimmt eilten Anlauf, wissenschaftlich zu sein. Allein über eine bloße Romenclatur kommt's nicht hinaus. Die Lorbeeren, Moses ״kecke Behauptungen im Buche Genesis" vorgeworfen zu haben, sind das Einzige, was der Herausgeber damit erworben hat. Denn das Büchlein, oder richtiger das Fragment selbst ist ei» Curiosum — nichts meh׳. — nichts weniger. Es ist zu seicht, als daß es irgend Etwas in der Bibel ״als nicht stichhaltig" Nachweisen könnte. Aber auch zu flach, um einem Atheisten unserer Zeit zu munden. Denn ״Unglauben" kennt der Verf. noch nicht. Ihm ist das All des religiösen Denkens im Heidenthum und Gottesglauben umschlossen und so müht er sich ab, den letztern auf mindestens derselben nieder» Stufe, wie das Erstere zu erweisen. Natürlich ist die Bibel erlogen, Moses hat Palästina erobert, damit er Fürst, sein Brnder Hoherpriester werde u. s. w., kurz wir haben die Ammenmährchen des Unglaubens vor uns, die man belächelt und nicht bekämpft. Hin und wieder freilich erscheint eine Aeußerung, welche ein ganz modernes Gepräge hat, wie der Hinweis auf die Veden, Bramanen und Chinesen (S. 20), und der Zweifel, ob von Mosis Schriften überhaupt Etwas übrig sei, (S. 28 und ausführlicher S. 32). Der Werth des Ganzen aber ist ״Verlorene Liebesmüh". A. Briefkastzen der Redaktion. Hr. Robb vr. 8. in 8. Beides mit Dank erhalten. — Hr. Dr. C. W. in 8. Wir bitten um Zusendung ver brieflich avisirten Arbeit. — Hr. vr. 1. in 8. Wird im nächsten Vierteljahrs - Hest des ״Predigt- Magazins" abgedruckt werden. — Hr. M. K. in P. Wird, sobald Raum verwendet. — (Wegen achttägiger Ortsabwesenheit d. Red. sind viele Corresp. noch unbeantwortet; wir bitten deshalb un> Entschuldigung.) Verantwortlicher Redakteur: vr. M. Rah in er. Druck von C. Scharnke in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.