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Das jüdische Literaturblatt · 1876-10-01 · Nr. 19. (1.10.1876) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 19. (1.10.1876)
Date
1876-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische LitkntuMtt, Zur Beleuchtung aller Judenthum «. Juden betreffenden titerarischen Erscheinungen auf dem Gebiete berphiiosophie.Geschichte, Ethnographie, Theologie, Arientati», Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. I J Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer Magdeburg, 1. Oktober 1876. Bücher der einschlägigm Literatur, welche der Ned. de» ״Jüd. Kteraturdlatt" in Magdeburg (oder der ״I»rael. Vßochenschr." in Stettin)?«gesandt werden, finden in diesem Platte ringehende Besprechung. Nr. 19. Erscheint am 1. u 18. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochenschrift" (die jährl. 9 Mark kostet) g r a t i s. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. 5. Jahrgang. Uebcr den Gottesbegriff im Pentateuch. Von Dr, Kornfeld, Wohlau. Zu den drei Gründen, mit welchen Kant') zu beweisen sucht, daß die jüdische Theokratie nicht eine Religio ns- Verfassung hat sein wollen, sondern eine Staats Verfassung, hat Tobias') einen vierten gesügt, der noch erstaunlicher als die Kant'ischen ist und um desto mehr befremdet, als Tobias selbst ein Jude ist, wie er behauptet. Der erste Grund Kant's, daß alle Gebote Mos. gar nicht mit der Forderung an die moralische Gesinnung in Befolgung derselben, sondern schlechterdings nur auf die äußere Handlung gerichtet worden, könnte darauf schließen lassen, daß Kant nicht einmal daran gedacht hat, daß das Hauptgebot der jüd.^ Religion heißt: Du sollst Gott lieben, ein ferneres: Du sollst nicht begehren rc. Das zweite Argument, daß das Judenthum, weil es nichts von einer zukünftigen Welt enthält, gar keinen Religionsglauben repräsentirt, ist doppelt falsch. Denn daß die Juden, wie Kant sagt, ebenfalls an Himmel und Hölle geglaubt haben, ist nirgends erwiesen (wir sprechen nur von den Juden, die ihren Glauben im Pentateuch codiftcirt finden); daß die Sünden der Väter bis ins vierte Glied gestraft werden, sobald die Nachkommen weiter ״sündigen," ist eine medicinisch z. B. gelegentlich der hereditären Verhält- Nisse von Irrsinnigen durch Morel bewiesene Thatsache. An eine zukünftige Welt zu glauben, hat aber Moses nicht verboten. Wenn aber ein religiöser, von den vernünftigen Anschauungen Mose's durchdrungener Mensch noch ein Bedürsniß hat, über solche unergründliche Dinge, wie: Was wird aus der Seele nach dem Tode, sich mit sich selbst ins Klare zu setzen, so braucht er noch nicht zu glauben, daß sie entweder in den Himmel oder in die Hölle kommt. Unbeschadet seines Anspruchs, ein frommer Jude zu sein, kann er mit Moses annehmen: daß alle böse»! Handlungen sich an jedem Einzelnen auf Erden rächen und an seinen Nachkommen, ausgenommen, wenn diese nicht ihren Vätern nachgerathen. Ter dritte Grund Kant'S, daß die Juden ein alle übrige Völker ausschließendes, alle Völker anseindendeS Volk gewesen seien, ist wohl der schwächste. Daß die Juden auserwählt waren, den Monotheismus allen Menschen zu lehren, bezwei- ') Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. X 10. -) Grenzen der Philosophie, »erlin 1875 S. W. F. Müller Nr. 364. felt Niemand. Allen Anhängern des Monotheismus hat aber Moses ausdrücklich gleiches Recht wie den Juden gegeben. Worin der besondere Segen für die Kinder Israels besteht, ist schwer herauszufinden. Zunächst jedenfalls in dem Besitz Palästina's; und den Wunsch, im eigenen Lailde zu leben, wird man keiner Nation nehmen können, also auch nicht den Nachkommen Abrahams, sobald sie sich als solche legitimirt haben werden. Kant hatte aber wenigstens den Monotheismus der Juden nicht angegriffen. Aber Tobias behauptet Folgendes: ״Der jüdische Gott in seiner ursprünglichen Wesenheit führt sich durchaus nicht als Leugner andrer Götter ein, son- ^dern hält nur darauf, der einzige Nationalgott seines Volkes zu sein und zu bleiben. Daß für andere Nationen andere, wenn auch niedriger geartete Götter wirklich existire», wird von der ursprünglichen alten Lehre einfach als etwas Factisches hingestellt und durchaus nicht bestritten. Der reine Monotheismus der heutigen Juden ist somit ein Product historischer Entwicklung." Wer einmal einen fiommen Juden aus voller Inbrunst den so zu sagen zur Parol; seines Glaubens seit Moses gewordenen Satz ausrusen jört: Höre Israel, unser Gott ist Eins, (oder: der All-Einige) — weiß, ob damit eine Anerkennung anderer, wenn auch niedrigerer Götter, jemals enthalten sein konnte Aber unzweifelhaft haben in dem jüdischen Volke zeitweise rel' giöse Anschauungen und Culte Platz gegriffen, welche fremdartige Anschauungen z. B. von Engeln, Dämonen, Höle und Paradies adoptirten, glücklicherweise ohne den Kern der mosaischen Lehre zu schädigen und ohne der culturhistorischen Bedeutung des Judenthums Eintrag zu thun. Die Keime für solche Anschauungen können, bei oberflächlicher Betrachtung der 5 Bücher Mose's, in diesen allerdings hier und da gesunden werden.*) Es ist z. B. von ״Engeln" die Rede, von ״fremden" u. ״neuen" Göttern (V. B. M. 32 V. 12. u. 17), von den Göttern LabanS, der Kananiter u. s. w. Ja die verschiedene Bezeichnung der Gottheit, namentlich der Plural Elohim, macht im ersten Augenblick etwas stutzig. *) Doch fehlt es dann nie an den eindringlichsten Ermahnungen und strengsten Verboten gegen derartige polytheistische und abergläubische Anschauungen. (Red )

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