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Das jüdische Literaturblatt · 1876-09-01 · Nr. 17. (1.9.1876) · p. Seite 68

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 17. (1.9.1876)
Date
1876-09-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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— 68 — Nischen Uebersetzung deS Buches Jösua und ihr textkritischer Werth untersucht. Moers 1876. 20 S. 4". Die Septuaginta war in den nichtpentateuchischen Büchern noch in geringem Maße Gegenstand der Einzeluntersuchung. Sehr willkommen ist daher die vorliegende gründliche und ihr Thema erschöpfende Arbeit, in welcher die griechische Uebersetzung des Buches Iosua besonders in ihrem Verhältnisse zum hebr. Texte, besprochen wird. Der Vers, verfährt hierbei, wie er sagte, ״etwa in der Weise, wie es Frankel (in der Schrift ״lieber den Einstuß rc.") beim Pentateuch gethan hat." In vier Abschnitten behandelt er die Verderbnisse des griechischen Textes, die Methode des Uebersetzers, die hebräischen Kenntnisse des Uebersetzers und den dem Uebersetzer vorliegende» Text. Es liegt in der Natur derartiger Untersuchungen, tiaß ihr Hauptwerth in den Einzelheiten besteht, welche von ihnen beleuchtet oder ermittelt werden; in unserer Schrift ist besonders wichtig und werthvoll die Zusammenstellung der Stellen, in welchen dem Uebersetzer ein anderer als der massoretische Text vorlag. Der Verfasser verfuhr hierbei fast durchaus mit viel Umsicht und kritischem Tacte. Möge er seine Arbeiskraft den andern Theilen der alexandrinischen Uebersetzung mit gleichem Geschicke zuwenden! vr. W. B. Bücherschau. JlluOrirter israelitischer DolkSkalender für häs Jahr 5637, mit literarischen Beiträgen. 25. Jahrgang. Von Jacob W. Paschel es in Prag. (Preis 70 Pf.) Berliner BolkSkalender für Israeliten auf das Jahr 5637 (1877). Von Vr. M. Poppelauer, Berlin, Neue Friedrichsstraße 61. Pascheles' illüstrirter Volkskalender feiert sein 25jähriges Jubiläum. Weil der Verleger weiß, daß sein Kalender nur durch die Beiträge seiner Mitarbeiter zum beliebten Familienbüchlein geworden, ziert er denselben diesmal mit den Bildern seiner treuen drei Mitarbeiter, Kämpf, Ehreuiheil, Klemperer (Tabor), den Lesern gewiß eine recht willkommene Gabe. Wie seit Jahren beginnt auch diesmal der literarische Theil des Kalenders mit einigeil Erzeugnissen der dichterischen Muse und Muße Kämpfs. Die ״Sprüche aus Talmud und Midrasch" sind diesnlal mit dankenswerthen, das Verständniß erläuternden Anmerkungen" versehen. — Rabbiner vr. Ehrentheil liesert eine recht nette Erzählung: ״Im Schnee", die, wenn auch nicht spannend, doch ein treues Lebensbild abspiegelt; es fehlt darin neben den anmuthigen Schilderungen auch der jüdische Witz nicht. — Der Taborer Kreisrabbiner G Klemperer setzt seine Forschungen ״über das Wesen der jüdischen Geheimlehre" in populärer Darstellung fort. Er behandelt diesmal einen größeren Zeitraum, von Philobis auf Moses aus Leon, mit welchem die Glanz- Periode der Kabbala durch den S o h a r beginnt. (Wir corrigiren den sinnentstellenden Fehler S. 117 Anmerk. 4 ״gräcisirt Nikolaos" st. präcistrt.) — Wir erfahren auch aus einer Note, daß von dem Vers, cme Uebersetzung des ״Zemach David" mit kritischen Noten demnächst dem Druck übergeben werden soll. — Mit einem gut geschriebenen Rückblick auf das Jahr 1875 vom Herausgeber selbst und dem obligaten ״Anekdoten Füllhorn" schließt der literarische Theil des Kalenders, den wir jüdischen Familien bestens empfehlen können. Poppelauers Kalender gehört zu den in den isr. Gemeinden Deutschlands am meisten verbreiteten. Er enthält Alles, was man von einem jüdischen Kalender erwartet, ja — offen gestanden — mehr als das; und dieses ״Zuviel" ist zugleich sein Mangel. Daß der jüd. Kalender die synagogalen und liturgische vimm und Minhagim an Ort und Stelle bringt, ist seines Amtes, auch daß Todestage berühni- Verantwortlicher Wacteur; Dr. Ä. Rah mer. Druck von E. ter jüd. Gelehrter beim betr. Datum angegeben sind, ist eine dankenswerthe Zugabe, daß aber eine Menge kritisch gar mcht gesichteter Notizen, wie: am 7. Cheschwan wurden dem Könige Chißija (erst) die Augen ausgestochen und (sodann) seine Söhne vor seinen Augen (?) geschlachtet" — oder: am 8. Tedeth wurde die Thora in's Griechische übersetzt u. d. m., an die Seite geschrieben sind, betrachten wir als störenden Ballast, durch welchen die Uebersichtlichkeit leidet. Im Uebrigen läßt die Ausstattung nichts zu wünschen übrig; auch ein ״Gedenkblatt für Geburtstage und Jahrzeiten" befindet sich darin. Erwiderung. Die ״A. Z. d. I." zieht in Nr. 33 S. 526 gegen unser ״Literatürblatt" los. Zunächst gegen den Verf. des erstsst Artikels in Nr. 3 desselben, den in jüdisch-literarischen Kreisen nicht unbekannten Hrn. I. Lewy in Gr. Kanischa (die A. Z, d. I. nennt ihn einen ״gewiffen" Lewy) und sodann gegen uns selbst. Sie schreibt: ״Dieselbe Nr. dieses ״jüd. Literaturblattes" enthält auch vom Hrn. Redacteur selber — ״Exegetisches." Was findet man da? Aus der A. Z. d. I. vom vor. Jahr Nr. 24, wird eine exegetische Notiz wörtlich abgedruckt. Wie ein solches Verfahren im gewöhnlichen Lebest genannt wird, braucht den Lesern nicht erst gesagt M werden. Und Alles das gilt für Wiffenschaft und Gelehrsamkeit in gewiffen jüdischen Gelehrtenkreisen." Von vornherein mißtrauisch gegen diese Auslastung, nahmen wir unsere Nr. 3 zur Hand, um den bezeichneten Artikel aufzusuchen. Dieselbe enthält einen längeren Aufsatz exegetischen Inhalts über einige Stellen aus Hieronymus' Bibelcommentar — dieser konnte nicht gemeint sein; sodann cu|f der letzten Seite einige ״exegetische Notizen", von denen die eine eine briefliche Mittheilung deS Hrn. Rabb. I. Taubes in Verlad besprach, die andere eine kurze Widerlegung einevon Schopenhauer falsch übersetzten und falsch angewen- / beten biblischen Verses (Spr. Salom. 12, 10) — auch von Jotzl in seiner jüngst erschienenen geistvollen Schrift: ״Religiös philosophische Zeitfragen" (S. 68) in ähnlicher Weise gerügt, wie wir dies in unserer vom 1. Febrnär c. datirten Nr. 3 gethan — und nun endlich kommt das muthmaßliche corpus delicti. Man höre! Ein wörtliches Eitat aus Hartman's: Waldleben in Hoch- Sennar", von 12 Zeilen, worin dieser Reisende ausführt, daß in Afrika neben dem Sonnenauch der Mond st ich sehr gefürchtet werde. Diese von einem geehrten College st uns übersandte Notiz begleiteten wir mit der Bemerkung, die jedem Psalmkundigen sofort einsallen mußte, düß hiernach V. 6 des 121. Pf.: ״Am Tage wird die Sonne Dich nicht stechen und des Nachts nicht der Mond" erst recht verständlich wäre*). Von diese» 14 Zeilen, von welchen, wie ausdrücklich daselbst angegeben, 12 wörtlich aus Hartman citirt sind, und zwei die Uebersetzung eines Bibelverses enthalten, behauptet nun die A. Z. d. I., von der wir die betr. Nr. hier nicht einmal auftreiben konnten, daß wir sie ihr nachgedruckt hätten, und knüpft daran ihre Gloffen., — Wie soll man ein solches Verfahren nennen? Absichtliche Täuschung der Leser, Charlatanerie. Der Herr Redacteur der A. Z. d. I. kann ganz beruhigt sein, weder seine Zeitung, noch seine Werke sind sür uns eine Quelle — jüdischer Wissenschaft. Redaction. *) Wir haben diesen Vers — nach Jbu Esra — längst in diesem Sinne übersetzt; allein uns fehlte bislang die auf Erfahrung und Anschauung beruhend« Bestätigung dieser Ansicht von einem bewährten Reisenden. Briefkasten »er Redactton. Herren Rabb. vr. Et. in St. und vr. Z. in D. Ihre gesch. Beiträge in nächster Nr. Scharnke in Barby. Verlag: Robert Friese rn Leipzig.

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