Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 16. (15.8.1876)
- Date
- 1876-08-15
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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64 diesem Jahre als vierzehnten Bericht veröffentlicht hat. ES ist in der Arbeit von den Schreibern der biblischen Zeit und von den Gegenständen, worauf, womit und worüber man schrieb, die Rede. Große Ausführlichkeit und Wissenschaftlichkeit ist freilich darin nicht zu finden. Auch sind keine Borarbeitcn benutzt, selbst Löw's Schrift: ״Graphische Requisiten und Erzeugnisse bei den Juden" scheint nicht gelaunt zu sein. Indctz kann die Arbeit als Zengniß für die wiffenschastliche Beschästigung des Verfaffers gelten, welche zumal unter den Lehrern merkantilischer Fachschulen selten auf einen biblischen Gegenstand fällt. S 4 bezweifelt Vers, die Gleichbedeutung von חרטמים und Up^pannaTsn Es gab bekanntlich in Egypten eine Profan- und Priester-Vilderschrist; in der Bibel sind die Priester-Schriftkundige gemeint S. 6 ist für die Egypter nicht Stein als erstes und hauptsächliches Schreib Material anzusühren. Trotz der kastenartigen Abschließung gab es, wie angegeben, schon eine Vulgär- oder Projan-Bilderschrist, was auf eine gewisse Volksbildung schließen läßt. Der egyptischen Kultur ging bereits die assyrische und indische voran; sic wird deshalb schon eine gewiffe Höhe erreicht haben, und Papyrus wird zu Moses Zeiten schon ein bekanntes und gewöhnliches Schreibmaterial gewesen sein. Dies setzt auch für die Fluchschrist des verdächtigen Weibes (S. 6) nicht Wachs, sondern die Anwendung einer flüssigen Tinte voraus. Ueberhaupt wa re» die Egypter in der Bereitung von Chemikalien schon weit; die Chemie trägt ja von ihnen (VN) den Ramen. S. 15 hätten aus der biblischen Zeit mit Sicherheit Partei- und Tendenzschriften namhaft gemacht werden können, was eine hohe Entwickelung der Schrijtstellerkunst voranSjetzen und ebenso auf ein ausgedehntes Lesepublikum schließen läßi. Die Schlußbemerkung S. 16, daß unser heutiger Buchhäudlcrstand es verschmerzen werde, wenn in der biblischen Zeit es noch keine Buchhändler gab, hascht vergeblich nach wohlseilem Witz. Sie ist überflüssig und — lächerlich, denn es lugt aus ihr trotz aller Freisinnigkeit, wie sie bei wissenschaftlichem Streben und historischen Forschungen vorauszusetzen ist. und trotz aller Ehr׳ furcht vor der Bibel und Wissenschaft der Juden, wie sie gezeigt wird, doch die bekannte, aber verwerfliche judenseindliche Antipathie hervor. Dr R. |)as Schächten und die Aouteroke von Dr. Kermaun Kngekdert, Rabbiner in St. Gallen. Zoüikoser'sche Buchdruckerei 1876. Die erneuerten klerikalen Bestrebungen einzelner Cantone in der Schweiz, durch das Verbot des Schächtens die Juden auszutreiben, denen man durch die Macht der Rechtsprincipien unserer modernen Staaten gezwungen war, gleiche Rechte zu geben, sind bekannt. Hier liegt eine Geschichte der betreffenden Verhandlungen vor mit einer Sammlung von Gutachten berühmter Aerzte und Physiologen, wie auch schon früher Kayserling solche eingesordert hatte, welche alle erklären, daß die jüdische Schlachtweise keine Thierquälerei in sich schließe, vielmehr der sonst üblichen Schlachtweise in vielfacher Hinsicht vorzuziehen sei. Selbst die Bouterole hat ihre Verurtheilung in theoretischer und praktischer Hinsicht gefunden, denn weder die Physiologen finden ihre gerühmten Vortheilc begründet, noch die Metzger sie bewährt. Bereits ist diese Neuerung, auf welche die klerikalen Judenfeinde so viel Hoffnung gesetzt hatten, fast überall wieder beseitigt. So hat der Kamps gegen das Indenthum wi.der zu dessen Sieg und Anerkennung geführt; — der Fluch Bileams ist in Segen verwandelt worden Auch in Deutschland hat man für die Bouterole gegen d e Juden Partei genommen. Das Resultat war ein Gleiches. (S. Zeitsch. des Thierjchutzvereins für das Grotzh. Hessen- Darmstadt, Herdert 1875 S. 114: die rituelle Schlachtweise der?uden vom Standpunkte der Humanität von Dr. Rothschild in Alzey.) In diesem Kampfe ist auch noch besonders der Vortheil zur Anerkennung gebracht worden, den das Fleisch des jüdisch-geschlachteten Vieh's vor dem in anderer Weise getödteten dadurch hat, daß es in Folge der stärker» Slutentziehung länger haltbar, vor schneller Zersetzung und vor Entwickelung des Blutgisies gesichert ist. Hierin liegt sowohl ein materieller, wie sanilätischer Vortheil von großer Bedeutung, wie allgemein anerkannt worden ist. Auch hier bewährt sich wieder die rituclle Vorschrift vom Ausschneiden der Blutadern (Porsche») und das Verbot, nach 3 Tagen das Fleisch nicht mehr zu genießen, wenn nicht die Adern vorher ausgeschnitten worden sind, weil sonst Zersetzung des Blutes und Blutvergiftung zu befürchten ist, wie solche in heißen Ländern und Tagen wirkl ch vorkommt. Dr. R. Berichtigungen zu den »literarischen Stotizen" dr» Herr« Rabbiner Dr. Lewysohn. Zum Verständniß der ״literarischen Notiz" 8ub 15 in voriger Nr. glaube ich Folgendes zu bemerken: Heidenheim hat sehr richtig das Wort 1NYY!7 als Analogon zu 2I7ZYN citirt; Lewysohn aber scheint im Besitze einer Pentateuch Ausgabe zu sein, in welcher das מ dieses Wortes mit einem Chatuph-Pathach, also "1NHYN, punklirt ist, daher ihm dies Beispiel nicht ״zutreffend" gilt, ״da hier!2 ein P at h a ch (d. h. ein Chatuph-Pathach und kein bloßeSSchwa) hat." — (In der Thal punklirt Rab. Menacbem de Lonzano i» ״Or Thora“ sol. 14 b das angeführte Wort mit einem Cathuph Pathach unter dem!2.') Allerdings ist die Erklärung Heidenheim's, wie Dr. L. bemerkt, unrichtig, anderseits aber scheint die Bemerkung L.'s, daß ״das präformative מ vor Pitzl und Pual niemals ein Dagesch hat", nicht zutreffend, da Pual nie ein präsormalives מ hat?) ccüftrow. Eduard Löwi, Prediger. Nachbemerkung der R e d a c t i o n: aä 1) Auch Herr Rabb. Dr. Lewysohn schreibt uns unterm / 4. d. Nt., daß er sich über die Fragezeichen und die Note der Red. gewundert habe; allein alle von ans verglichenen Ausgaben haben (mit Schwa.) Nach der obigen Bemerkung des Herrn Lewi, gestützt auf Lonsano, ist der Jrrthum nunmehr aufgeklärt, ack 2) Das Particip. passiv., das von den altern hebr. Grammalikern meist als בינוני 2עןל des Pitzl hingestellt wird, wird von neueren Grammatikern als Particip. Pual angesehen, wofür auch die ganze Formbildung desselben (mit Schuruk) spricht. Als Druckfehler zu berichtigen sind: in vor. Nr. 8ub 14 Z- 6!?א statt לא; sub 16 Z. 4 müssen die Punkte v o r נאה zu stehe» kommen. In Nr. 12 8ab 8 Z. 12 v. o. ist statt לנווידק zu lesen!׳)לציווייה׳Schweden). P Rahiner's Israelitisches re-igt-Magazin. Hest 1 des ersten Jahrganges (u. A. 2 Roschhaschana n. 1? omkippur-Predigt - von Rahmer, Treuenfels u. Horowitz — enthaltend) wird gegen Einsendung von nur SS Pf. franco versandt. Das soeben erschienene Juli-Heft des Jsr. Predigl-Magazins enthält u. A. zwei Predigten zur Tedanfeier u. wird gegen Einsendung von 75 Pf. (in Reichsmarlen) umgehend franco zugesandt von der Exp. der Jsr. Wochenschr. in Magdeburg. Briefkasten der Redaktion. Recensionen, die bereits in andern Blättern gestanden. Hinnen in unserem keine Aufnahme finden. — Mit ״Hülserufen" und ״Bitten" uns sonstigen Inseraten wense man sich an die über den Jnseratenthcil der ״Jsr. Wochenschr." verfügende Verlagsbuchhandlung von H. 3 kuts ch in Breslau. Verantwortlicher Redacteur: Dr M. Rahmer. Druck von L. Scharnle in Barby. Verlag: Robert Friese in Leipzig.