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Das jüdische Literaturblatt · 1876-08-15 · Nr. 16. (15.8.1876) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 16. (15.8.1876)
Date
1876-08-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mische Literiliirblitt. Zur Jeieuchiung aller Judenthum u. Juden betreffenden titrrarischcn Erscheinungen «us den» Lediete der Philosophie,Leschichte,Ethnographie,Theologie, Brientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. _/ Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz stkahmer. Magdeburg, IS. August 187«. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der «ed de» ״Iü». skiteraturdlatt" in Magdeburg (oder der ״Israel. Wochenschr.- in Stettin);»gesandt werden, finden in diesem Blatte eingehende Besprechung. 's___y Nr. 16. Erscheint am 1. u IS. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochenschrift" <die jährl. 9 Mark kostet) g r a t i s. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Fries«. 5. Jahrgang Das Bild des Kikajon. Jona CaP. 4. Von Rabbiner vr. I. S. Bloch. Meine, in der vom isr. Literatur-Verein herausgegebenen Schrift: ״Studien zur Geschichte der allhebräischen Literatur" S. 72—97, entwickelte Auffassung vom Inhalte des Buches Jona hat manchen Beifall und Anhänger gefunden; aber vielfach wurde hervorgehoben, daß C. 4 ihr Schwierigkeiten entgegen zu setzen scheine. Der Recensent der Schrift in Nr. 1 und 2 des ״Jüd. Literaturbl.", Kollege vr. Lewin, nannte sie ״geistvoll", aber auch er konnte nicht umhin, darauf tiinzuweisen, daß der Schluß des Buches, namentlich die Kikajon- Geschichte trotzdem ein Näthsel bleibe. Freilich darf man nicht vergeffen, daß auch nach allen bisherigen, alten wie!teueren, traditionellen wie modernen Auffaffungen dieser Schluß — wie überhaupt der ganze In- I halt — des Buches in noch viel höherem Grade ein ungelöstes Rähsel bildet. Allein da ich, wie ich gestehen muß, über den Inhalt und die Bedeutung der Kikajon-Erzählung, die sich vollkommen harmonisch in das Ganze einfügt und zum Gesammtinhalt paffend nicht blos, sondern in der Thal nothwendig, allerdings in meiner Arbeit wenig ausführlich gewesen, so habe ich versprochen, das Nothwendige nachzutragen und zu ergänzen. Meine Auffassung von diesem Buche gipfelt darin, daß wir in Jona nicht einen einzelnen isr. Propheten, sondern das prophetische Israel selber zu erblicken haben. Die lichttragende Taube galt schon im grauen Alterthum als ein Symbol Israels, und bekanntlich hörte noch ein späterer Talmudist aus den Trümmern Jerusalenls den Genius Israels ״klagend wie eine Taubenstimme" מנהמת כיונה Ber. 3 a. Aber auch אמתי p ״Sohn des Wahrhaften" kann sich blos aus Israel, dem ״erstgebornen Sohn Gottes" (Ex. 4, 22, Deut. 14, 1) beziehen. Entsprechend der Personificirung Israels durch den einzelnen Propheten soll die, Jona als Missionsziel angewiesene, Stadl Nineveh, der auch eine ganz unnatürliche Größe gegeben wird, die heidnische Welt als solche darstellen. Dem prophetischen Israel ist die Ausgabe geworden, der heidnischen Welt die Gottesidee zu künden und sie dadurch vor dem sichern Verfalle zu retten. Jona-Jsrael aber, ungehorsam und starrsinnig, weigerte sich deß, ging vielmehr selber unter die Heiden, im Wahne, der Macht und der Strafe Gottes entgehen, oder, wie der Dichter sich ausdrückt, entfliehen zu können. Die Wafferstrahe nach dem Handelsplatz Tarteffus hatte Verlockenderes als der dornenvolle und undankbare Weg einer prophetischen Mission. Und die verdiente Strafe blieb nicht aus. Die gefahrvollsten Stürme brachen über das Schiff herein und ließen es nicht zur Ruhe kommen, bis der Ungehorsame, bis Jona-Jsrael in das Meer geworfen und von einem Seeungeheuer verschlungen worden. Ein ״gefräßiges Seethier" לויתן oder תנין בים nannten die Propheten (Jeremia 51, 34. 44; Jes. 27, 1. 13; Ezech. 29, 3; 32, 2 ff) des öfteren Babel, welches Israel plötzlich v e r - schluckte und mit seinen Köstlichkeiten sich den Bauch gefüllt- Aber im Innern dieses Ungeheuers hat Jona-Jsrael nicht, wie so viele andere Völker, zu leben und zu athmen aufgehört, im Gegentheil, hier ist Israel — wunderbar genug — sich bewußt geworden seines eigenartigen Daseins nnd Zweckes, seines hohen göttlichen Berufes; die Leiden haben es . nicht vernichtet sondern gestärkt, hier hat es sich Gott wiederum zugewendet, es betete und ward gerettet. Es traf ein, was Jeremias geweissagt, daß Gott an dem Seeungcheuer das Geschehene ahnden und ״ihm das V e r s ch l u ck t e aus dem Rachen reißen wird" Jer. 51, 44. Nunmehr entzog es sich nicht der ihn! gewordenen prophetischen Missionsaufgabe, es kündete den Heiden das Wort Gottes, sie nahmen es gläubig und vertrauungsvoll an und bekehrten sich. Aber Jona's prophetischer Geist hatte es richtig vorhergesehen und geahnt, daß die Missionslhätigkeit ihm keinen Dank bringen würde, er sah voraus, wie sie, die Heiden, wiewohl sie blos durch sein prophetisches Wort bekehrt und gebesiert worden, dennoch Jona-Jsrael als einen falschen, einen Lügenpropheten lästern, ihn und seine Verdienste verleugnen würden; in seinem Unmuthe ob dieser Verkennung und undankbaren Mißachtung hatte Jona der heidnischen Welt lieber den Untergang gewünscht. Um diesen Mißmuth zu verscheuchen und die Schädlichkeit und Verwerflichkeit solch pessimistischer Anschauungen und jedes derartigen wie von Jona in der Erregtheit gehegten Wunsches nach dem Untergänge der heidnischen Welt zu demonflriren: das ist der Zweck der Kikajon-Erzählung. Auf Geheiß Gottes war über Jona ein viel- und breitblättriger, schattengebender Baum emporgeschoffen, deffen Schatten Jona wohl that

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