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Das jüdische Literaturblatt · 1876-08-01 · Nr. 15. (1.8.1876) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 15. (1.8.1876)
Date
1876-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Mtcralurtilaü. Zur Beleuchtung aller Judenttyurn u. Juden detreffenden llterarlschen Srschelnungen aus dem Gebiete derPhilos«pl>ie,Geschichte,Sthnographie.Lhealugie, ArientaUa, «kxegese, Homiletik, Liturgik, Pidagogik. V_ J Herausgegeben von Rabbiner Vr. Moritz ^kabmer Magdeburg, 1. August 187«. Bücher der einschlägigen Literatur, weiche der Red de» ״Jüd. Kiteraturdlatt" in Magdeburg (oder »er ״Israel, Wochenschr." in Stettin);«gesandt werden, finden in diesem Matte ringehende Besprechung. ^_ZI_ע My | PC Erschein! am I. u 15. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochen- PC Äaidraano •»I. schrift" (bie jährl. 9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen durch all« Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. Unsere Schwurformel. - In der italienischen Kammer ist die Abschass׳.׳.ng der religiösen Schwurformel beschloffen worden; es soll in Zukunft Jeder nur mit ״Ich schwöre" beeidigt werden. Confessionelle Zusätze, wie: ״bei Gott", ״so wahr mir Gott helfe" u. dgl. kommen in Wegfall. Auch der Atheist, sagt man, kann nunmehr schwören, ohne zu einem religiösen Bekenntnisse ge,wunden zu werden, dem er nicht anhängt, ohne einen Gott zu bekennen, den er verleugnet. In der deutschen Reichsjustizcommission ist ein gleicher Antrag gestellt, aber abgelehnt worden. Es wird von Interesse sein, dem geschichtlichen Ursprünge der religiösen Schwurformel nachzugehen, um nachzuweisen, daß selbst die einfache Formel, ״Ich schwöre", auch ohne weiteren Zusatz der religiösen Bedeutung nicht entbehrt, wie der Eid principiell eine solche schon in sich schließt und ohne diese aufhören würde, ein Eid zu sein. Man ist in unsrer Zeit längst gewohnt, an der Hand der Sprachforschung Geschichte zu studiren, zumal Culturgeschichte, wovon auch das Schwören ein Stück ist. Dem deutschen Worte ״Schwur" liegt orientalische Etymologie und orien׳ talische Begriffsanschauung zu Grunde. In der hebräischen, chaldäischen und anderen semitischen Sprachen heißt Schwur ״Schwua". Von diesem Worte ist das deutsche Schwur abzuleiten. Trotz der hebräischen Abstammung sind es aber doch nicht jüdische Begriffe, welche dem Worte zu Grunde liegen, sondern entschieden heidnische. — Stellen wir zunächst die sprachliche Uebereinstimmung des Worts ״Schwua" und ״Schwur" fest. Die genaue Aussprache des semitischen Worts ist nicht Schwua, sondern da der letzte Buchstabe a (ע) ein Gutteral ist, den wir nur aus Bequemlichkeit, um unser Organ nicht fast dis zur Unmöglichkeit zu forciren, gleich a aussprechen, lautet die eigentliche Aussprache nicht Schwua, sondern Schwur. Denn das gutturale Ain ist bald ein g, wie Gomorrha, statt Amora (!עמרד), bald rg oder r, wie arbad statt ab ad (עבד), wovon unser deutsches ״Arbeit". Und so auch Schwur statt Schwua ('שבוע ). Der Grundstamm dieses Worts ist ״scheb" oder ״schewa" (שבע), welcher in allen Sprachen sieben (septen, ssvsu) bedeutet. — Die Bedeutung des Worts liegt in der Ceremonie des SchwörenS, welche ehemals in einer Anrufung der sieben Planeten — Götter — bestand. Die alten Völker kannten nämlich nur sieben Planeten: Sonne, Mond, Mars, Mercur, Jupiter, Venus, Saturn. Jeder dieser Götter führte nach der Vorstellung der Alten an je einem Tage der Woche die Herrschaft; dieser Tag war der Anrufung und Verehrung seines Gottes geweiht. Davon tragen die sieben Wochentage ihre Namen: Sonntag, Montag (Mondtag), mardi (dies martis), mercredi (dies mercurii), jeudi (Jovistag, Donnerstag d i. Thor'stag) vendredi (dies veneris d. i. Freitag, denn Freia ist gleich Venus) saturday (Samstag, eigentlich Sabstag, von Sabta, der Bezeichnung des Saturn bei den Chaldäern, den Hauptastronomen und -Astrologen der alten Welt). Der Hauptcharakter dieser Götter war böse; sie suchten die Menschen zu schädigen. Daher stammt die Bezeichnung: ״Die bösen Sieben". Als der Böseste unter den Sieben galt Saturnus. Er war der oberste und mächtigste der Götter, Vater des Zeus und anderer Götter, gleichbedeutend mit Kr»- nos, welcher als Gott der Zeit (Chronos) nach alter Mythologie seine eigenen Kinder anfzehrte. Die Zeit zehrt in der That ihre eigenen Schöpfungen auf. Der siebente Tag (Saturnustag) galt daher als der gefürchtetste; dem Saturnusgott galt die Hauptverehrung. Davon stammt die ursprüngliche Sabbatfeier; denn Sabbata (Sabta) ist. wie angedeutet, gleich Saturnus. Bedeutung und Art der Sabbatfeier wurde von der Bibel monotheistisch modificirt; die Feier selbst ward vorgefunden. Die Grundbedeutung von Sabbat (: (השבית׳ שבת ״vertilgen, aufhören machen" nach Art des Saturnus ftndet sich noch in der Bibel vor (Gen. 8, 22. Ex. 12, IS. Deut. 32, 26 u. s. w.). Sabta (שיבתא. שבתא), die chaldäische Benennung für Saturn, gilt in der Kabbala noch als böser, unreiner Geist. Chul. 107, b, wo Raschi ש׳ als דוה דעה erklärt); Taan. 20, t>, wo Raschi שד מזיק 018 ש׳ erklärt; Jom. 77, b). Die abergläubische Furcht vor dem Montag als bösem Tag wurzelt ebenfals in ver Kabbala, der es bedeutungsvoll erscheint, daß in der biblische» Schöpfungsgeschichte am zweiten Tag allein der Zusatz fehlt: ״Und Gott sah, daß es gut sei." Die Furcht vor dem Freitag als Unglückstag aber wurzelt in dem Christenthum, weil dieser Tag als der Todestag Jesu gilt. Die Ceremonie des SchwörenS bestand nun in der Anrufung (Beschwörung) aller sieben bösen Götter als Rache- und Strafgötter für den Falschschwörenden durch den dienstthuenden und zaubernden Priester (Richter) 'oder den Schwörenden selbst. Daher wird ״Schwören" im Hebräischen in der Passiv- Form bezeichnet: ׳נשבע eigentlich ״besiebenet oder bei allen

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