Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 14. (15.7.1876)
- Date
- 1876-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische LiterMMtt. Zur Beleuchtung aller Judenthum u Juden betreffenden titerarischen Erscheinungen »uf dem Gebiete derPhiiosophie.Geschichte,Ethnographie,Lheoiogir, Brientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Nahrner -««> <״■ Magdeburg, 13. Juli 18?«. ץ- Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Ned de» ״Jüd. Kitrraturdlatt" in Magdeburg (oder der ״Israel. Wochenschr." in Stettin);»gesandt werden, finden in diesem Platte eingehende Besprechung. V_II_✓ Nr.14. Erscheint ain 1. u 18. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochenschrift" (bte jährl, 9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. 5. Jahrgang. Bibel und moderne Wiffenfchaft. Philologische Bemerkungen zur Genesis. II. (Schluß.) Von Martin Kornfeld in Posen. Unzählige Beweise und Schlußfolgerungen für die Gottähnlichkeit des Menschen im Vergleiche zum Thiere haben sich insgesammt als unhaltbar erwiese». Wir wollen hier nur die 3 ecclatantesien anführen: 1. Der Mensch geht ausrecht. 2. Der Mensch besitzt die Sprache. 3. Der Mensch denkt Exacte Forschung und Beobachtilng haben ergeben, daß der Äffe sich ebenfalls erlaubt, von seinen Hinterfüßen den geeignete» Gebrauch zu machen, indem er nach menschlicher Art sich auf die Hinterfüße -»stellen und fortzubewegen vermag. Eine Sprache zur gegenseitigen Verständigung besitzt das Thier unzweifelhaft, während ein stummer Mensch durch den Defect seines Sprachorgans nicht aushört, Mensch zu sein. Daß Thiere gedankenlos sein sollen, widerspricht der Art und Weise, ihre Nahrung und Bedürfniffe im Allgemeinen zu erlangen, und wie viele Menschen, die hierüber hinaus nicht zu denken vermögen, werden dennoch in die menschliche Speci es eingereiht? Wenn nun die wisienschaftliche Forschung auch hierin neuerdings bestäugt, daß zwischen Mensch und Thier eine große Verwandtschaft herrscht, so ist nun doch eine Prärogative zu erwähnen, womit der Nachsatz Cap. II V. 26 den Menschen bevorzugt, nämlich durch die ״Herrschaft über das gesummte Thierreich," welche ihm eingeräumt wird. Ein unmittelbares Privilegium, welches sich bis jetzt ungeschmälert erhalten hat. Der hervorragende Naturforscher Buffon hat bereits im vorigen Jahrhundert darauf hingewiesen,*) daß die Fähigkeit des Menschen, Thiere zu seinen Zwecken dienstbarzu machen, eine fundamentale sichtbare Differenz, eine unausfüllbare Kluft zwischen Mensch und Thier erkennen läßt. In der gesammten Thierwelt findet man keine Analogie hierfür. Das stärkere Thier vermag wohl das schwächere aufzufressen, aber selbst das höchst organisirteste Thier, der Affe (welchem moderne Forscher die nächste Anwartschaft auf den Menschen einräumen), kann sich selbst des untergeordneten Thieres zur Erreichung *) Buffon: Natürliche Geschichte der Menschen. — Während andere Hypothesen dieses edlen, geistreichen Forschers schärferen Beobachtungen weichen mußten, hat sich obige, welche sich an die Bibel lehnt, als unerschüttert behauptet. seiner Ziele oder Zwecke nicht bedienen, während ein degenirter Idiot noch immerhin das hochorganisirteste Thier sich unterwürsig machen faitii. Hiermit hat die Bibel in dem vor׳ erwähnten Nachsatz zugleich die Gottesähnlichkeit des Menschen sixirt, indenr das Thier sich dem Willen des Menschen unterordnet, wie der Mensch der unsichtbaren Urkraft als willenloses Werkzeug dienen muß. Alle anderen Consequenzen, die man aus dieser menschlichen Ausnahmestellung gezogen, haben sich als werthlose Phantasiegebilde herausgestellt. Somit hat uns die Bibel über die Wirkung der Gottesähnlichkeit aufgeklärt, jedoch die Ursachen verschwiegen, durch welche diese Wirkung hervorgebrachi. Vergebens bleibt die Wiffenfchaft bemüht, durch irgend eine materielle Differenz in der körperlichen Beschaffenheit des Menschen, oder durch qualitative oder quantitative Gehirnmasse der Thiere, die Ueberlegenheit des Grsteren zu ergründen. Die Bibel leitet uns auf die Blut- Mischung hin,*) indem das Wort ״Nephesch" den Gesammtorganismus (wie in שבעים נפש) bezeichnet, während zugleich das Blut den Nephesch repräsentirt, nach den; Schristverse: ״denn das Blut ist die Seele", etwa wie in der deutschen Sprache die Seele des Menscheu zugleich den Gesammtmenschen bezeichnet, z. B. Seelenzahl statt Einwohnerzahl. Wenn nun der kühne Forscher Darwin (״die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl") selbst bemerkt: ״Zu untersucheil, in welcher Weise die geistigen Fähigkeiten zuerst in den niedrigsten Organismen sich entwickelt haben, ist eine ebenso hoffnungslose Untersuchung, als die, wie das Leben zuerst entstand. Dies sind Probleme für eine fernere Zukunft, wenn sie überhaupt je von Menschen gelöst werden können", so können wir unsere Bemerkungen nicht bester schließen, als mit dem offenen Geständniffe: Was die Bibel verheimlicht, vermag die Wissenschaft nicht zu offenbaren und Vieles bleibt der Wissenschaft noch Geheimnis, was die Bibel bereits geoffenbart. Tofefta, Tofepba, Tofafta? Controverse der Gelehrten regt den Forschungstrieb, welcher durch erneute Untersuchung die streitige Frage, wenn auch nicht beseitigt, doch von einer neuen Seite beleuchtet. Welche Schreibung ist di« richtige, die Tosefta (Zunz), die Tosepha (de Lagarde) oder die Tofafta (verenbourg)? Ueberein- *) Vergl. den Aussatz; ״Blut und Seele" (in der isr. Wochenfchrift 187S Nr. 49.)