Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 10. (15.5.1876)
- Date
- 1876-05-15
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 bischen Philosophen, der Vorgänger oder Zeitgenossen de» Maimonides. — In das innere Getriebe dieses vielverzweigten und doch übersichtlich gegliederten Werkes tiefer einzudringen, hieße den gestatteten Raun» weit überschreiten; auch wäre es willkürliches Belieben, dem einen Theile vor dem andern den Borzug zu geben und ihn näher zu besprechen, weil alle gleich wichtig und lehrreich sind. Die Arbeit, die zugleich als Einlritung und Eingang zu den gesamnuen maimonidischen Schristen gelten kann, da sie auch die als Anhang dem ersten Theile folgende ethische Terminologie theilweise dazu macht, und da selbst die halachischen Schriften mit den von Maimonides so häusig zu Grunde gelegten ethischen Momenten vielfach berücksichtigt worden —, die ganze Arbeit muß gelesen werden, um in ihrem ganzen Werthe, in ihrer großen Bedeutung für die ethische Literatur des Judenthums erkannt und gewürdigt zu werden. Die Forschung aus diesem Felde empfängt in dem Werke einen höchst schätzenswerthen Beitrag: es wird gemiß aus lange hinaus unter den Monographieen dieser Gattung eine hervorragende Stellung einnehmen, und Jeder, der es lesen wird, gewiß ebenso, wie der Unterzeichnete, befriedigt, gehoben und in gewisiem Sinne erbaut davon scheiden. Radb. vr. Kusznitzki. Entgegnung. Wenn auch Lessing, der geistvollste Recenseut, als erste Stufe auf der Tonleiter des Recensirens, gelinde sein und schmeichelnd gegen den Anfänger, bezeichnet, so kann man dennoch keinem Recensenten vorschrciben, wie sanft oder wie hart, wie lieblich oder wie bitter er die Ausdrücke des Tadels oder Spottes wählen soll; er muß wiffen und weiß, welche Wirkung er damit Hervorbringen will. Nur darf er niemals verrathen, daß er den Nerfasier und seine Verhältnifle zu sehr im Auge behält; denn er hört dann auf, Recensent der Schrift zu sein und wird persönlicher Tadler. Herr vr. Lewin hat meine Schrift: ״Zur Einleitung in die Bb. Esra und Nehemia" in Nr. 6 dieses Blattes recensirt; sicherlich hätte ich in einer billigen Recension etwas Schmeichelhaftes gefunden, ich hätte mich einer gründlichen belehrenden Beurtheilung gefreut und es verstanden, manchen bescheidenen Tadel zu nutzen; allein vergebens suchte ich das Wasser des Lebens. Herr L. tritt mit Ironie meiner Eitelkeit, der Begutachtung des Herrn Professor Fleischer zu erwähnen, entgegen; ich gebe zu, es ist eine kleine Eitelkeit, sich, wie die Alten sagen, an einen großen ftoutn zu lehnen, sehr oft aber gut, ja nothwendig, wie dies z. B. bei meiner Schrift der Fall war; denn wäre nicht Prof. Fleischer iu persona, der die Arbeit gesehen und begutachtet hätte, Herr L. wollte auch mich wegdemonstriren und beweisen, daß ich eine mythische Person sei, ein Beweis, der für die Wissenschaft von Wichtigkeit wäre, denn widerlegt wäre der Satz Spinoza's: ,?0888 non existere impotentia est1*, und wie leicht hätten sich viele gesunden, die auch geläugnet hätten, meine Arbeit sei ״nach allen Regeln der Kunst gefertigt, und daß in ihr auch ״etwas Morgengrauen" sichtbar werde. Betrachten wir nun die einzelnen Bemerkungen. Herr L wirft mir vor, ich führe eine Fülle von Ausdrücken an, welche den Ueberarbciter von Esra und Nehemia — den Chronisten — erkennen lassen, was ich aber nach dem von mir S. 26 u. 27 ausgestellten Satze nicht thun dürfte; allein Herr L. hat mich nicht recht verstanden! Denn 1. wollte ich nicht Beweise für die Schreibart des Chronisten in Esra und Neh. bringen — ich behandelte daselbst nur Esra l—6 —, da nach meiner Ansicht Esra 7—10 nicht ganz und Neh. gar nicht vom Chron. herrührt; 2. führte ich S. 15 ״die Fülle der Ausdrücke" nicht als alleinigen, ausschließlichen Beweis für die Abfassung von einem Autoren, sonder» blos nebenbei an, was also S. 26 u. 27 nicht widerspricht, und weshalb ich auch mit Recht zugeben kann, daß diese Ausdrücke auch anderswo Vorkommen. Herr L. will aus dem Vorkommen gleicher Wortformen auf eine Gleichzei- Verantwortlicher Redacteur: De. M. Rah ine r. Druck von L tigkeit der Abfassung schließen, hätte er jedoch meine Schrift gründlich gelesen, dann hätte er nach S. 27 keineswegs diesen für die Bibelkritik gefährlichen Satz ausgesprochen; er stellt ferner dem von mir S. 27 als zuverlässiger erkannten Prüfungsmittel für die Abfassung zweier Bb. den Satz entgegen, daß denselben Grundsätzeil und Tendenzeil zwei Menschen auch in verschiedenen Zeiten huldigen können; allein Herr L. vergißt, daß. weil bei dem alten jüd. Volke das polit., sociale und religiöse Leben zusammcnsiel, die Geschichtschreibung auch einen andern Charakter trägt, indem sie der Gesammtausdruck des ganzen Volksgeistes, der Tendenzen und Bestrebungen, die in der Zeit geleg^z. bietet, und daß zwei Geschichtszeite» sich niemals ganz ähnlich sind, wie sich unter den Millionen der Mcnschengesichter niemals zwei ganz ähneln; angenommen aber, wir wollten feinen Satz als richtig hinnehmen, waS wäre die Folge? Wir nrüßten dann auch das B. Esra ganz von der Chronik trennen, was jedoch von allen Bibelforschern verworfen wird. Ganz falsch ist ferner der Satz, daß ein Autor, selbst während er ein Buch schreibt, sich nach verschiedenen Seiten Hinneigen kann; wer ein echter Mann ist, erfüllt von seiner Idee, der wird die Anschauung sesthalten, der er sein Lebe» gewidmet hat. Der Chronist steht im Dienste des theokr. Pragmatismus, was ja auch Herr L zugiebt, da er anerkennt, daß Priester, Leviten und Opferdienst von ihm hervorgehoben werden: wird er aber dadurch zum Lügner und Geschichtsfälscher gestempelt? Werden wir Menzel, den berüchtigten, judenfeindlichen Historiographen zum Geschichtsfälscher stempeln, weil er die Geschichte in seiner Weise auffaßt und bearbeitet? Uebrigens bleibt es unerklärlich, wie Herr L. mir vorwerfen konnte, daß ich den Chronisten zunt Lügner machte, da ich ihn gerade S. 11 gegen eine solche Auffassung vertyeidige und die Authentie seiner Schrift (S. 53 m. Schr.) ״eingeheild" und ״gut" beweise. Herr L. deutet kurz meine Resultate über die Abfassung der Bb. an und sindet meinen Beweis von Jaddua S. 31 auf sehr schwachen Füßen; ich besitze Selbstverläugnuug genug, diesen Beweis bei Seite zu lassen, nur hätte Herr L. uns eingehender beweisen und belehren müssen; doch wie wird Herr Recensent uns die Chronologie bei den Königsnamen in Jes. 1, 1, Hos. J, 111 ö. bestimmen? Ich glaube, er wird zu demselben Beweise, den ich bei Jaddua gebraucht, die Zuflucht nehmen müssen Die Construction des Satzes ״der Chassidäer" ist unklar; was ich mir aus ihm zu erklären versuche, ist, daß dem Herrn Recensenten meine Ausführung nicht zu genügen scheint; könnte er uns vielleicht den Namen des Chassidäers geben? Am positivsten ist das Urtheil über die Widmung und Vorrede (S. 3—6). Arme Vorrede! Der Styl ist zu schwülstig; mag sein! Ich habe die Vorrede in gehobener Stimmung geschrieben, und die gehobene Sprache ist so lange nicht falsch, als nicht Redewendungen Vorkommen, die sprachlich nicht zu rechtfertigen sind. Noch manches kann ich nicht einsehen, doch wollen wir uns in keine Haarspaltereien einlassen; was mich aber besonder« in Erstaunen setzt, ist die Nebenbemerkung, daß Herr vr Levy gar bedächtig sein Haupt geschüttelt haben dürfte: meine persönlichen Verhältnisse interessiren nur wenige, wozu etwas anregen, was nur einen kleinen Kreis angeht? lind denkt Herr L., daß Herr vr. Lewy wirklich auch Ursache hat, bedächtig fein Haupt zu schütteln, dann finde ich es höchst auffallend, eine solche Frage anzuregen; was sollte damit erreicht werden? Uebrigens kann ich Herrn L beruhigen, Herr vr. Lewy ist ein Mann, der die beste Erklärung einer jeden Arbeit in dem Menschen und seiner Lebensweise sucht und findet. Pasewalk, den 27. März 1876. _vr. Ad. Rosenzweig, Rabbiner. Zur Unterstützung des jüd. Literaten Hrn. Jacob Reifmann (siehe Ltbl. Nr. 19 v. I.) sind ferner eingegangen : Von Hrn. Jonas Löw» Beer in Boskowitz 5 fl. — Hrn. D. O in B. 2 fl. Briefkasten der Redaktion. Hr. N. in P. Die Besprechung ihres Büchleins in nächster Nr. — K.,H., L., Ihre Beiträge auch nächstens. Sch arnke in Barby. Äerlag: Robert Friese in Leipzig.