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Das jüdische Literaturblatt · 1876-05-15 · Nr. 10. (15.5.1876) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 10. (15.5.1876)
Date
1876-05-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische LiteratilMlt Zur Beleuchtung aller Judenthum u Juden betreffenden lilerarischrn Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophiereschichte,Ethnographie,Theologie, Brientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, PLdagogtk. Herau-gegeben von Rabbiner Dir. Moritz Hahmrr. Magdeburg, iS. Mat 187«. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Ned de» ״Jüd. Uiteraturblatt" in Magdeburg (oder der ״Israel, «ochenschr.- in Stettin) xugesandt werden, finden in diesem Ktatte eingehende Besprechung. V___/ NrIV Erscheint am I. u 15. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mail. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochen schrift" (die jührl. 9 Mark kostet) g r a t i s. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen: in Leipzig durch Robert Friese. 5. Jahrgang. Juden in Breslau. Bortrag, gehalten von Rabbiner vr. M. Brann. (Fortsetzung.*)) Die älteste Judengasse befand sich hier auf der jetzigen Ursulinerstraße von der Schuhbrücke bis zur jetzigen Gerbergasse- Noch vor fünfzig Jahren hieß dieser Stadttheil das Judengäffel, und noch heute bezeichnet die Ueberlieferung ein Eckhaus der Ursulinerstraße und Schmiedebrücke als eine ehemalige «Judenschule". Ebenso wurde noch vor fünfzig Jahren die schmale Gaste, die von der Schuhbrücke zur ehemaligen Jesuiten- (jetzt Universitäts- oder Misstons-) Kirche uild zur frü- Heren Gerbergaste führte, das Rabbinergäßchen genannt. Vermuthlich hieß es platea rabbinorum, weil dort der Rabbiner seine Wohnuilg hatte. Jetzt bildet dasselbe einen Theil des Universitätsplatzes. Der jüdische Friedhof befand sich damals außerhalb der Stadt vor dem Ohlauer Thore dort, wo im vorigen Jahrhundert der ״Kretscham zu den elf Brettern", unweit vom jetzigen Stadtgraben lag. Seine Ausdehnung und Begrenzung ist mit juristischer Weitschweifigkeit in einer Urkunde vom I. 1316 beschrieben. Allein die jridenfreundliche Gesinnung hielt nicht gar zu lange vor. Denn schon im 13. Jahrhundert, und namentlich seitdem die Mongolen das blühende Land in eine Wüstenei verwandelt hatten, waren zahlreiche deutsche Ansiedler hierher gekommen und hatten mit dem deutschen Gewerbfleiß und Städterecht, wie bereits beiläufig berührt, auch die drückende deutsche Judengesetzgebung hierher verpflanzt. In dem sich neu bildenden Gemeinwesen war für die Juden als gleichberechtigte Vollbürger keine Stelle mehr. Aus bisher vollberechtigten Eingeborenen wurden sie allmählich auch hier zu heimathlosen Fremden herabgedrückt. Andere Umstände wirkten dabei mit. Die schlesischen Herzogshäuser starj^n nach und nach aus, und die böhmische Krone setzte sich in den Besitz deS Landes. Die Juden, die den Geldvertehr in Händen hatten, waren auher ihren Steuern von jeder Leistung für die Stadt befreit. *j In dem in vor. Nr. abgedruckten Theil dieses VorrrageS sind folgende Druckfehler zu berichtigen: S. 33a Z. 3: bestimmt ist. — Z. 26: Interesse. — Z. 33: CurüuS. — S. 33d bis in die Mitte . . . Slenz. — Z. 16 st. Ostsee: Oder. — Z. 32: Seine reichen. — Z. 39: Piasten. — S. 34a Z. 8: feindlichen Einfülle. — Z. 29: lag damals bekanntlich nur. Das Leihen auf Zins war den Christen verboten und ihnen allein gestattet. Es wurde allmählich ihr einziger Nahrungszweig. Wenn sie dadurch zu Vermögen kamen, so beeilte sich der Volkswahn, wie immer, von fabelhaften Reichthümern der Juden zu reden, und das um so mehr, als uns wirklich einige Beispiele seltenen Reichthums überliefert sind. So hatte z. B. ein einziger Jude an den Herzog Boleslaus von Liegnitz und Brieg eine Schuldforderung von 8000 Mark, d. i. eine Viertelmillion Thaler nach jetzigem Geldeswerth. Im Jahre 1345 waren die Judeneinkünste Breslau's auf 460 Mark veranschlagt. Betrug die wirkliche Einnahme auch nur 366 Mark, ,so war das immer noch nach heutigem Maaßstab die hübsche Summe von mehr als 10,MO Thalern,״wie Ludwig Oelsner das Alles urkundlich nachgewiesen hat. Es ist einleuchtend, daß unter solchen Verhältnisten namentlich der kleine Bürger und Handwerker häufig in finanzielle Abhängigkeit von den Juden kommen mußte, so daß zur religiösen Abneigung, die von den Geistlichen nach besten Kräften geschürt wurde, die beinahe gefährlichere aus national-ökonomischen Gründen hinzukam. Sobald aber das Gefühl der Ungleichheit bei der Vertheilung des Besitzthums zum drückenden Bewußtsein gekommen war, mußte es auch mit der judenfreundlichen Stimmung bald ein Ende mit Schrecken nehmen. In der That war es so. Als im Jahre 1342 ein großer Theil der Stadt durch eine Feuersbrunst zerstört worden war, gab König Johann von Böhmen in einer Urkunde vom Dienstag, den 27. September 1345, die Erlaubniß, sämmtliche Grabsteine vom Kirchhof der Juden, die über und unter der Erde gefunden würden, ausgraben und wegführen zu lasten und nach dem Befinden des RatheS zur Wiederherstellung der Stadtmauer zu verwenden. Und der Rath entblödete sich nicht, die frischesten Gräber zu berauben. Ein Theil dieser Steine ist nämlich wieder aufgesunden worden. Als im Jahre 1848 ein unterirdisches Gemach im hiesigen Rathhause geöffnet wurde, fand man sechzehn Steine, die als Pflaster gedient hatten. Sie wurden als jüdischeS Alterthum von hohem Werth den! Vorstand der israe-!irischen Gemeinde ohne Entschädigung überlasten. Als dieser das kostbare Geschenk auf den jüdischen Friedhof schaffen ließ, wurden sie sammt und sonders in Folge einer mißverständenen Instruction von dort beschäftigten Arbeitern gänzlich zerschlagen. Zum Glück hatte der sel. Salomon Nisse», der still

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