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Das jüdische Literaturblatt · 1876-05-01 · Nr. 9. (1.5.1876) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 9. (1.5.1876)
Date
1876-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Wische NtemtMA Zur Beleuchtung alter Judenthum u. Juden betreffenden titernrischen Erscheinungen nuf dem Gebiete derPhilosophie.Geschichte, Sthnagraphie.rheilagit, Brientati», Exegese, Homtletlk, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz lahmer Magdeburg, 1. Mai 1§16. Bücher der einschiägigen Literatur, weiche der Red de« ״Jüd. Meraturbiatt" in Magdedurg (oder der ״I»raet. «ochenschr." in Stettin)!ugesandl werden, finden in diesem Klette eingehende Besprechung. V____^ Nr. 9. Erscheint am 1» u 18. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochenschrift" (die jührl. S Mark kostet) g r a t i s. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen: in Leipzig durch Robert Friese. 5. Jahrgang Juden i« Breslau. Bortrag*) gehalten von Rabbiner vr. M. Brann. Wissenschaft und Leben sind jbie beiden gleichberechtigten Mächte, welchen diese Anstalt, der wir angehören, zu dienen bestimmt find. Eine wissenschaftliche Erziehung für das Leben, im besonderen für das jüdisch-religiöse Leben, zu ert heilen und zu verbreiten, macht die wohlerwogene nno von jeher kräftig und glücklich durchgeführte Ausgabe aus, welche die Gründer und Leiter, die Lehrer und Förderer dieser Anstalt sich gestellt haben. Wir, die wir heute das Ziel, das die Anstalt und wir selber uns gesteckt, erreicht haben, wir fühlen uns glücklich in dem Gedanken, nunmehr vollbürtig dem Kreise anzugehören, der an dieser Stätte seinen Mittelpunkt hat, und der von hier aus zum ersten Mal in diesem Jahrhundert die geistigen Interefsen des Judenthums zu lebendiger und lebenskräftiger Einheit zusammengeschlossen hat. Mittelbar hat dadurch unsere Stadt und unsere Gemeinde eine immerhin hervorragende Bedeutung in der Entwickelungsgeschichte des modernen Judenthums erhalten, einite Bedeutung, die für uns persönlich darum noch nachhaltiger ist, weil Breslau für uns den Judegriff der liebhen Erinnerungen an unsere Studienzeit darstellt. Wenn es Sitte geworden, von einer Breslauer Richtung im Judenthum zu reden, so dürfte es gerade für uns, die wir dieser Richtung angehören und angehören wollen, nicht ohne Interessen sein, gleichsam den geschichtlichen Boden zu untersuchen, auf welchem diese zu einer segensreichen Blüthegelangte Anstalt erwachsen ist. Je dichter das Dunkel ist, in welches die Geschichte der ersten Ansiedlung der Juden am obern Laufe der Oder sich hüllt, desto mehr und desto genauer wissen natürlich die Geschichtensammler von ihrer frühen Niederlassung zu berichten. Der treffliche Cuwäus meint auf S. 109 seiner Sileaia 1euorata — und selbstverständlich sind dieser Meinung auch Alle, die ihn ausgeschrieben, gefolgt — er meint also, daß die Juden bereits in den urältesten Zeiten zu den ersten Ansiedlern gehört und lange vor Christi Geburt den Glauben ihrer Väter hierher verpflanzt hätten. Er beweist das abenteuerlich genug, indem er den Namen des Zobtenberges, der eigentlich Sabbothus geheißen, a luce Judea i. e. a die Sabbafcho ableitet. Hier hätten die ersten jüdischen Einwohner allsabbathlich feierliche Zusammenkünfte gehalten. Das hätten die slavischen Ansiedler von ihnen gelernt und beibehalten und darum den Berg den Sabbathberg genannt. Leider wissen wir nun aber, daß der Berg bis in der Mitte des 14. Jahr- Hunderts Henz geheißen hat und erst durch das damals aufblühende, an seinem Fuße liegende Städten Zobten seinen Namen erhalten habe. Ein klein wenig besser steht es um eine andere Vermuthung, die der paotor prioaarius O. W o l f f in Grüneberg im 116. Bd. der Schles. Prov.-Bl. über die erste Ansiedelung der Juden in Schlesien aufgestellt hat. Er meint, daß die alte römische Bernsteinhandelsstraße die Oder entlang an die Ostfee gegangen sei, und daß an dieser Straße, wie am Rhein und an der Donau, so auch an der Ostsee die ersten Juden sich angebaut hätten. Urkundlich läßt sich das freilich nicht beweisen; denn die älteste Nachricht, aus der auf die Anwesenheit der Juden in Schlesien geschlossen werden kann, datirt aus dem Jahre 1060. In den Aufzeichnungen der Franziskaner zu Ratibor wird nämlich erzählt, daß die Kirche zu Altendorf in der Nähe von Ratibor bereits im Jahre 1060 erbaut und nach alter Ueberlieferung einst eine Synagoge gewesen sei. Leider bietet aber auch diese Nachricht keine Gewähr geschichtlieber Sicherheit, da jene Aufzeichnungen erst im vorigen Jahrhundert gemacht wurden und noch dazu selber die ganze Angelegenheit als bloße Ueberlieferung darstellen. Am ehesten annehmbar würde darum die Vermuthung meines früh verewigten Freundes 1)r. Hermann Kohn sein, den im Jahre 1870 ein jäher Tod abrief, wenige Monate vor dem Tage, an dem er seine Studien dieser Anstalt beenden sollte. Seine weisen Notizensammlungen liegen zum großen Theil diesem Vortrage zu Grunde. Er vermuthete über die vorliegende Frage, daß die Judenschlachten, welche mährend der Kreuzzüge, und namentlich zu Beginn derselben, die Juden nach Polen flüchten gemacht, sie auch zuerst in größerer Anzahl in Schlesien eine Ruhestätte vor dem Grimm des Drängers suchen ließen. In der That haben die schlesifischen Piaster das edle Verdienst, den damals überall blutig verfolgten Juden ein möglichst sicheres Asyl geschaffen zu haden. Glücklich und zufrieden wohnten die Juden in den Städuf dem Lande unter ihrem milden Scepter, bis mit *) Gehalten zur Entlassung aus dem jüd.-theol. Seminar am 27, Januar 1876. räuritu. Unlv.3־lfc I Frar.Mu.t^Msln.

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