Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 6. (15.3.1876)
- Date
- 1876-03-15
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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,. Dr. JL, Jedidjah Salomo Norzi'S Einleitung, Titelblatt und Schlußwort zu seinem masoreti schen Bibelcom- «,entar. Wien, Brüder Witter 1876, X u. 22 S- 8'. , Durch Herausgabe dieser Blätter hat Herr Dr. Jellinek «ne literarische Gewissenlosigkeit gesühnt, welche sich Raphoel Chajim Basila, der Herausgeber des מנחת שי, zu Schulden kommen ließ. Basila verschweigt nicht nur Norzi'S höchst interestante Einleitung und Schlußbemerkung zu seinem masoretischen ^ivelwerke, sondern fälscht sogar auch den Titel ^נח ח מר in מנחת שי — was ihn besonders zur Titelsäl- Ö veranlaßt, ist uns freilich ganz unersindlich, da er ja S Autorschaft durchaus nicht äntastet.*) In der Einleitung find es besonders die Kimchide», deren Leistungen unserem Rorzi die schmeichelhafte Anerkennung abgerungen ואמרתי נמ אני כל קמחייא קמח ודרמתי סלת (p»g• י) Wahrhaft beachtenswerth ist die tiefe, das Verhältniß der Vocale zu den Consonanten in den semitischen Idiomen charakterisirende Bemerkung im Namen des מיחכחיר (pag. 19) gebracht: נמשלו האותיות לגוף והנקודה לנשמה כי הנקודות מניעות האותיות כמו שהנשמה מניעה את הנוף — eine Ansicht, welch« vbn deutschen Prosesioren in der Regel erst Wilhelm von Humboldt in den Mund gelegt wird. Die erläuternden Bemerkungen des Herausgebers gereichen diesem Heftchen zur Zierde. 1) נכדיאל Historische Erzählung aus dem dreißigjährigen Kriege von Salomo» Kohn. Ins Hebräische übersetzt von I. B. Frumckin. Jerusalem. 2) מלחמת האמונה והאהכה Erzählung von Miß Grace Aguilar. Ins Hebräische übersetzt von Jes. Gelb- Haus. Mainz. , Die hebräische Literatur ist nicht allzu reich an derartiger Lectüre; es ist daher den Verfassern als ein Verdienst anzurechnen, die hier zu besprechenden Erzählungen dem hebräisch lesenden Publikum zugänglich gemacht zu haben. , Beide Romane sind frei übersetzt und in gewandtem, biblischem Hebräisch abgefaßt. Jndesien hat ״Gawriel" einige sehr störende Mängel. Zunächst macht die sehr schlechte Ausstattung des Merkchens — schlechtes Papier und noch schlechterer Druck — keinen guten Eindruck. Hierdurch aber hat das Buch so viele unleserliche Stellen und Jrrthümer. daß das sehr reiche ״Register zur Berichtigung der Jrrthümer" nicht alle aufzuführen im Stande war. Zu dem kommt noch der Uebelstand hinzu, daß an einigen Blättern Sätze verdruckt sind, wie dix 2. Seite von Blatt 22 u. s. w. Es kommen auch einig« Germanismen in der Uebersetzung vor: S. 29 R. 10 von unten, und öfter ״ דומית מותTodesstille". Bl 35 S. 2 9t. 2 ׳באורח נורא s. h. ״auf eine furchtbare Weise". Und nun gar Bl. 83 S. 2 Z. 11 עננה הרת תונה, soll wohl heißen ״kummerschwangere Wolken", eine deutsche Phrase, die für Leute, welche den deutschen Ausdruck nicht kennen — und für solche ist ja das Buch zunächst übersetzt — kaum ein Verständniß haben kann. Ferner schreibt der Verfasser immer הנהעמע statt דגהע^א• Betreffs der schlechten Ausstattung des Merkchens mag dem Verfasier zur Entschuldigung dienen, daß er ohne alle Unterstützung, im Gegentheil, unter sehr erschwerenden Umständen seine Geistesprodukte zu Tage fördern «uß. Zu bemerken wäre noch, daß dieser Roman Anfangs der fünfziger Jahre in den ״Prager Sippurim" erschienen und *) שי sollen höchstwahrscheinlich die Initialen von Norzi'S Vornamen |TTT שלמה lein; obwohl N. aus dem Titelblatt diese Vornamen in umgekehrter Reihenfolge angiebt, so unterschreibt er sich doch im Schlußwort nur ׳שלמה bildet auch daraus die Jahreszahl יכרית שלומי so daß hieraus ersichtlich, daß ש׳ in erster Reihe sei» Name war. Basila wollte also mit dein von ihm gewählten Titel anoeulen, daß er in dem von ihm -um ersten Male massoretische» Werke eine ״Gabe Schlomo Jedidjah'S darreichc. 1Red.> Verantwortlich.׳. R-׳oa eteur: Dr. M. Rah m er. Druck von seines abersteuerlichen und spannenden Inhalts wegen i» jüdischen Kreisen vielfach gelesen worden ist. Bester ausgestattet ist die unter 2 aufgeführte Uebersetzung v<m Gelbhaus, wiewohl auch hier zu einigen Stellen Mattches zu bemerken bleibt. S. 10 11 לא לוחם אחה tritt btt Gegensatz, welcher sagen will, daß gar mancher Streiter sich tapfer bewährte, nicht scharf genug hervor; man könnte es beinahe falsch verstehen. S. 40 R. 5 von unten בנימים soll heißen בנעימים S. 90 Z. 16 von unten u. S. 26 Z. 18 ist das ״ — תקח חבלAntheil nehmen" ein Germanismus. Ich glaube nicht, daß der Verfaster für ״Theilnahme" den Ausdruck לקיחת חבל acceptiren wird. Ebenso S. 78 Z. 3 u. 5 אחת היא soll heißen ״ist mir eins — einerlei", ist ebenfalls keine hebräische Redeweise.*) Uebrigens ist es. zu verwundern, daß der Verfaster, der sich als gewandter hebt. Stylist documentirt, es unerwähnt läßt, daß diese Erzählung schon 1860 von Pisa ins Deutsche übersetzt, durch das ״Institut zur Förderung israelitischer Litera.ur" herausgegeben worden ist. Es ist doch kaum anzunehmen, daß ihm diese deutsche Uebersetzung unbekannt geblieben. Magdeburg. N—n. Nachtrag zu der Recension über die Erfurter Handschrift der Toßefta in vor. Nr. ״... Zuckermandels Buch über die Toßefta hat mich sehr angeregt; seine diesbezüglichen Arbeiten scheinen von epochemachender Bedeutung zu sein. Befremdend war mir nur seine Aengstlichkett, daß man ihn nicht in dem Lager, in welchem er jetzt in Berlin zu verkehren scheint, für einen Ketzer halte; deshalb das wiederholte Betonen seiner conservativen Gesinnung. Da» schwächt den Eindruck seiner echt wissenschaftlichen Arbeit. Ein Schüler Frankels sollte doch den Muth haben, sein« mistenschaftliche Ueberzeugung furchtlos auszusprechen, vhne sich deshalb erst entschuldigen zu müssen.**) Wollen Sie der in Nr. 5 gebrachten ReceNsiVtt über Z.'S Buch folgende kleine, nicht ganz werthlose Notiz hinzufügen r Z.'s Annahme vom jerusalemischen Charakter und dem Verhältniß der Toßefta zu jerus. Gemara erhält durch folgende von Ezechiel Landau, Jacob Arnstein und dem Vers, des בית מאיר mißverstandene, nur von Jacob Lista richtig aufgefaßte Jeruschalmi-Stelle einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit. Im Tract. Therumoth (Auf.) citirt der Jeruschalmi die Mischna Gittin n., 5 und bemerkt אתאי כר׳ ישמעאל בנו של ר׳ יוחנן בן ברוקה דתנן חש״ו שקידשו ובו׳ ר׳ ישמ' ב׳ריכ׳ב אומר בינן לבץעצמן אין קידושיהן קידושין ׳בינן לבין אחרים קידושיהן קידושין,• Das obenerwähnte Mißverständniß, als sei hier von .קידושי אשד die Rede — was schon wegen der nöthigen gül- Ligen Zeugen ביני לבין עצמי undenkbar — interessirt uns hiev weiter nicht, (R. Jacob aus Lista hat das bereits berichtigt, indem er den Sinn als auf עמר מרה sich beziehend richtig, erkannte, vgl. Mischna Parah V. 5.); wohl aber die beachtenswerthe Thatsache, daß eine solche Ansicht von ד״י בין ר׳י׳ב׳ב׳ in keiner babylonischen Mischna anzutresten, sondern einzig und allein in der Toßefta Parah c. 4. Dabei ist die Art des Citirens charakteristisch. Der Jeruschalmi fühlt kein Bedürfniß, die Toßefta, wie gewöhnlich bei einer Boraitha, ganz anzuführen, sondern er setzt die Bekanntschaft derselben voraus. 8. *) (Bergt, dagegen Hiob 9, 22. Red.) **) Andrerseits glauben wir «in« etwas vage Aeußerung Z.'s hier zurückweisen zu müssen: er sagt: Ls ist ihm (Frankel 1צ'ל) nicht gelungen, bei seinen Jüngern allgeniein die Liebe zum Talmudstudiuni zu erwecken, was nach der alten Methode bei logisch gebildeten Menschen nie und nimmer wird erreicht werden können." (Red.) Briefkasten der Redaction. Hrn. Dr. K. in W. Ich erhielt Ihren Art. auS P. für diese Nr. zu spät; also in nächster. Hrn. Radb. I. T. in B. Ihre Postkarten- Notiz in nächster Nr.; die gewünschte Zusicherung betr. Mischna Aboth ' könne» ivir, bevor wir den Artikel nicht gesehen, nicht geben. s. Scharnke i» Bardy. Verlag: Rodert Friese in Leipzig.