Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1876-01-15 · Nr. 2. (15.1.1876) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 2. (15.1.1876)
Date
1876-01-15
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5367336-5990818-5990971--0539-5367580
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

noch besonders aus den Anhang (Nachtrag zu Abschnitt I V S. 158—160), in welchem höchst beachtenswerth das I. Cap. Aboth als eine Reihe von Lehren dargestellt wird, welche die Lehrer bei der Semicha - Ertbeilung den Jüngern mitgaben, während von C. ll an die Weisheitssprüche für Alle gesammelt sind; sodann S. 118 die Erklärung von Spnhed. 104 b s»uv מ׳, S. 151 ff über מטמא את הידים u. S. 154 über R. Gamatiel und!einen christlichen Schüler (Sabbat 30 b). Dem neuen ״isr. Literaturvereine" wünschen wir, daß er noch oft gleichwerthigen literarischen Schöpfungen Palhendienste leisten möge, dem Verfasser, daß er sein reiches Wissen in gleich ersprießlicher Weise weiter verwerthe. Dr. Sero tu. Vdfmftäch, Dr. 2K. Direktor der Samsonschule zu Wolfenbüttel (Realschule II. Ordn.): Volksbildung und Volksschule im allen Judenthum zur Zeit des jüdischen Staatswesens. (Im Jahresbericht über das Schuljahr 1874/75.) So lange Unwahrheit, Unwiffenschaftlichkeit und Tendenz sich bemühen; das Urtheil über einen Gegenstand zu verhüllen oder absichtlich zu verschieben und zu verdunkeln, so lange dürfen Wahrheit, Wissenschaftlichkeit, Objectivität nicht ermüden, Licht über den Gegenstand zu verbreiten und dem gerechten Urtheil zum Siege zu verhelfen. Betrifft dieser Gegenstand nun gar ein ganzes Volt, an dessen Charakter und religiöse Anschauung durch jene UrtheilSverschiebung ein Makel gehestet «»erden soll, dann wird es zur doppelt heiligen Psticht, dem Jrrthum in seinen Anfängen itachzugehen, um ihn mit seinen Wurzeln auszuroden. Dieser Arbeit hat sich der Vers, der obige» sehr geeigneten Programmschrift mit Liebe und Fleiß unterzogen. War auch Einzelnes über biblische und talmudische Pädagogik in Broschüren und Aufsätzen schon zusammengetragen, so gebührt dem Vers, doch das Verdienst, das Material durch Parallelen aus den Werken deutscher Pädagogen bereichert und vertieft und es als starkes Bollwerk zur Bertheidigung gegen die grundlosen Verdächtigungen der humanen altjüdischen Anschauungen und Grundsätze über Lernen, Lehren und Erziehen. Der Verfasser wendet sich vorzüglich gegen folgende zwei, durch alle Werke über die Geschichte der PLdagogik bei den Culturvölkern sich wie unbestreitbare Axiome hinschleppende, in den alten Schematismus eingereihte und von Werk auf Werk immer neu sich vererbende Haupt- und Lehrsähe: 1) daß der llnterricht und die Erziehung bei den Juden, wie bei allen Völkern des Morgenlandes, in der Hand der Priester sich befanden, weil der Priesterstand durch die ausschließlich in seinem Besitze befindliche, geistige Bildung, wie durch seinen Einfluß auf's Familienleben vorherrschend gewesen, daher auch das Lernen ein mechanisches Auswendiglernen, ohne Verständniß des Inhalts, was jeden geistigen Fortschritt im Volksleben ausschließt. 2) Wenn auch die Erziehung der Judeit, als eine national-religiöse, mehr als die irgend eines andern Volkes des Alterthums der christlichen nahe komint, so ist sie doch als tief unter der christlichen stehend zu betrachten, weil sie sich nicht zu dem christlichen Humanitätsprinzipe emporschwingen konnte, indem dem Judenthume die Idee von einem Universalgotte und einer gleich berechtigten Menschheit fehlte. Der Vers, weist das Unwissenschaftliche — wir möchten hinzufügcn das Lächerliche — dieser Behauptungen aus bib- Üschen und talmudische« Quellen gründlich nach; daß er es mit der nöthigeit Ruhe und Objectivität thut, sich nirgends durch die Bodenlosigkeit jener Sätze, man möchte fast sagen Boshaftigkeit, mit welcher die Menge klar und deutlich das Gegentheil lehrender Bibelsätze — von Mischna und Talmud gar nicht zu reden — übersehen worden, in Harnisch bringen läßt, vermehrt die Wucht der logischen Schläge und verdient besondere Anerkemtung. Gewundert hat es utts, daß der Vers, zur Widerlegung des Vorwurfs ״mechanischen, verständnißlosen Auswendiglernens" iticht aus die Mischna 6 Abschnitt VI der Pirke Aboth hingewiesen hat. Auch der Satz, daß vor Josua bei! Gatnala nur die zahlungsfähigen Schüler deit Verantwortlicher Nedacteur: l)r. M. Nahmer Unterricht genoffen und für die armen und verwaisten nicht gesorgt war (S. 12), läßt sich in dieser Allgemeinheit wohl nicht beweisen. Indem wir zum Schluß noch bemerken, da^ der a l t testamentliche Bibelvers (Levit 19, 18): ״Liebe deinen Nebenmenschen, wie dich selbst" schon frühzeitig den christlichen Bibelübersetzern ein Dorn im Ange war, und daß schon Hieronymus ihn tendenziös falsch mit: ״Diligas amicum tuum“ übersetzte — während er kurz vorher (V. 16) dasselbe Wort durch ״proxinum tuum“ wiedergiebt —, damit Moses nur gesagt haben solle: ״Du sollst deinen Freund lieben", sprechen wir dem Vers, nochinals Daitk und Anerkennung für seine schöne Programmarbeit aus. R. Bibliographie. Demnächst zur Besprechung gelangende Bücher. 1) K. Hokstei«, erstes Buch Moses, Theil 1, zunächst für die isr. Jugend bearbeitet. Gleiwitz, Albert Jäger, 1875. 2) Hkudäkf A«chs. Ha-Thora w’ha-Loschaun. Hebräisches Lehr- und Lesebuch für die zweite Klaffe israelitischer Volksschulen. 3) Hlttdokf A«ch». Daffelbe für de dritte Klaffe. 4 — — Reschith Limmudim Erstes hebräisches Lese- und Spruchbuch zum Schul- und Privatunterricht. 1. Theil: Die Leselehre. 2. Theil: Gebete und die Schöpfungsgeschichte. 5. Jos. Löweustein, Der Pentateuch im ebr. Text mit worttreuer, deutscher Uebersetzung, ausführl. Erklärung uitd eiiter sprachlichen Zergliederung des ebr. Textes, nebst Raschi-Commentar in deutscher Sprache nach dem einfachen Wortsinne übersetzt. Für Schule . und Haus. 6) K. Siegfried. Analeota Rabbinica ad N. T. et Patres ecclesiasticos spectantia. 7) I. Hfrager, Dr. phil. De Veteris Testamenti \' Verstaue Syriaca, quam Peschittho vocant, Quaestiones critieae. Pars I. 8) Jac. Artist. Einleitung in die Mischnah. Das Leden und die Lehrmethode der Gesetzeslehrer von Esra bis zutn Abschluß der Mischnah. 9) Dr. S. Hamburger, Landrabbiner. Real-Encyclopädie für Bibel uitd Talmud. Abtheilung II. Heft 2. (Essäer-Hastara.) 10) Dr Simo» Sachs. Aphorismen aus meinen Tagebüchern. Prosa und Poesie. Zweite Abtheilung. Briefkasten der Redactton. Hr. J. H. in K. lieber Ihre Bemerkung zu 4 in nächster Nr. Näheres. — Hr. Rabb. l. T. in B. Auszügliches aus Ihrem hebr. Schreiben in Uebers. ebenfalls in nächster Nr. Israelitisches Aredigt-Wagazin. Die drei ersten Hefte des zweiten Jahrgangs sind erschienen und gegen Einsendung von zwei Mark franco zu beziehe» durch die Exped. der Isr. Wochenschrift in Magdeburg _ Das ״Jüd. Literaturblatt" Rr. 1 des abgelaufenen Jahres 1875 wird von der Re- > da kt io n zu kaufen gesucht. Dieselbe bittet um bezügl. ' Mitiheilung per Postkarte. Druck u. Verlag von C. Schar nke in Barby.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.