Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 1. (1.1.1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische LitMlmblall. Zur Beleuchtung aller Zullenthum u. Zullen detreffenllen literarischen Erscheinungen aus llnn Gebiete ller Philosophie,Geschichte, Ethnographie, Lheoiogie, PrtentaU«, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. I J Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz Nahnecr Magdeburg, 1. Januar 1876. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Nell, de» ״Zull, pteraturdlatt" in Magdrknrg (oller der,Israel. Wochenschr.- in Stettin);ugesanllt werden, finden in lliese« Platte eingehende Besprechung. V___/ Nr. 1. Erscheint am I. u 15. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochenschrift" (Sie jährl. S Mark kostet) g r a t i s. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. . 5. Jahrgang. Speifegefetze und Naturgesetze. Von Michael Leoy in Jnowraclaw. 1. Das Salz Schon in dem erste» Jahrgänge der ״Israelitische» Wochenschrift" Nr. 37 habe ich einen Aussatz: ״Die Speisegesetze der Menschen" veröffentlicht. Das nämliche Thema hat später mein sehr verehrter Freund, der Kaufmannn M. Kornselb in Posen, derart geistreich variirt, daß dessen diesbezügliche Aufsätze*): I. Was sollen wir essen, II. Die obligatorische Fleischschau in Birchow'S ״Archiv für pathologische und für klinische Medicin", Bd. 62, Aufnahme und sehr weitreichende Anerkennung gefunden haben. Die ״Isr. Wochenschrift" Nr. 36, 37 und 38 brachte sodann vom Nedacteur derselben Herrn I)r- Treuenfels ״Zwei Bemerkungen über die jüdischen Speise - Gesetze," welche über dasselbe Thema fast erschöpfend und vom religiös-wissenschaftlichen Standpunkte Licht verbreiten. Ein Bortrag des tüchtigen Chemico-AnalytikerS Herrn vr. Hulva zu Breslau, welchen ich jüngst gelesen, giebt mir ganz dringende Veranlassung, nochmals auf meine» ersten Aussatz (ISr. Wochenschrist 1870 Nr. 37) zurückzukommen. Dort ist u. Ä. (S. 303) auch die hohe physicalische Wichtigkeit und der überraschend große Nutzen erörtert, welchen das bei den Juden strengrituelle ״Aussalzen" des zum Kochen zu verwendenden Fleisches erzielt. Aus dem Vortrage des Herrn vr. Hulva ״Ueber Einfluß der Salze auf die Ernährung" ergiebt sich die auf unwiderlegliche Experimente gestützte Thatsache, daß das jüdisch-rituelle Verfahren des Aussalzens, um das Fleisch von Außen herein zu beeinflussen und dessen Blut aufzusaugen, \ nicht nur das chemisch-physikalische Ergebniß liefert, das sonst für die Ernährung fast werthlose ״Suppenfleisch" eminent schmackhaft und nahrhaft zu machen, wie ich 1870 nachwies und durch die Autorität Liebig's erhärtete, sondern auch, daß sothän rituell behandeltes Fleisch auf die Lebhaftigkeit. Gewecktheit und Schwungkraft des Organismus deutlichst fördernd einwirkt! Was man bis jetzt als besondere Ausstattung mit Aufgewecktheit und Elasticität des jüdischen Stammes voraussetzte, dürfte somit aus dessen auch physiologisch wunderbar richtigen Speisegesetzen und rituellen Speisezurichtungen sich! wirklich Nachweisen und begründen lassen. Es steht Nichts im! Wege, daß auch Nichtjuden de» 118118 des ״Aussalzens" des zu *) Sgl. daS Jüd. Literaturblait 1875 Nr. 16. )Der Aufsatz II ״die , obligatorisch« Fleischschau" ist vom Herrn KreiSphysikuS vr. Kornfeld in Wohlau. Red) kochenden Fleisches annehme» und somit dasselbe nicht allein nahrhafter machen, sondern auch die damit verbundenen physiologischen Vortheile sich zuwenden. Wir geben hier einige Auszüge aus dem Vortrage: Ueber denEinfluß der Salze auf die Ernährung ״Man hat auch die Anforderungen des thierischen und menschlichen Körpers sür die mineralischen Nährstoffe ermittelt. Wie sich die Ernten richten nach den verschiedenen Bodenarken. so die Gewebe nach den Blutarten, jeder Unterschied in der Nahrungsflüssigkeit beider macht sich geltend in der Verschiedenartigkeit der Erzeugniffe des Pflanzen- und thierischen Orga, niSmis. Die zur Constitution der Gewebe und Gäste nothwendigen Salze, welche mit den organischen Kürperbeslandtheilen in mehr oder minder innige Verbindung getreten sind, nennt man Körpersalze. Für diese constituirenden Salze besitzt der Körper zwar eine große Genügsamkeit, er giebt sie eben dann ab, wenn in der Nahrung keine derartigen Stoffe geboten werden; dabei geht derselbe jedoch zu Grunde und zwar noch eher, als es bei völliger Entziehung aller organischen Nahrung der Fall wäre. Das Salz ist ein charasteriftischer Bestandtheil aller Verdauungssäfte uud schleimigen Substanzen des Thierkörpers. Es äußert als solches ferner sehr günstige Wirkungen auf die Säftebildung, indem es einerseits den Uebergang der Nährstoffe, namentlich der Eiweissubstanzen, aus dem Verdauungscanal in die Blutbahn erleichtert, damit die Saftströmung den Organismus, den Umsatz der Nahrung nnd der Energie des Stoffwechsels erhöht; andererseits auch den Appetit rege macht, dem Futter größere Schmackhaftigkeit ertheist und in Folge dcffen die Aufnahme größerer Quantitäten von sonst auch weniger zusagenden Futterstoffen ermöglicht. Im thierphysiologischen Laboratorium zu Bonn fütterte man zwei junge, 7 Wochen alte Hunde mit gleichen Mengen von gehacktenl Fleisch, dem durch Wasser die Salze extrahirt waren. Der erste erhielt als Beigabe nur etwas Kochsalz der zweite neben Kochsalz noch die im frischen Fleisch vochandenen Kalisalze. Obwohl nun die Verdauung und Resorption des aufgenoinmenen Futters bei beiden Thieren gleich war, befand sich der sogenannte Natron-Hund zu Ende des Versuches von 26 Tagen in einem sehr traurigen Zustand; derselbe hatte kaum an Gewicht zugenonimen, lag theilnahmlos mit glanzlosen Augen im Winkel und verzehrte nur noch unwillig seine Mahlzeiten. Der Kali-Hund dagegen zeigte eine 2'/,fach