Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr. 23. (1.12.1875)
- Date
- 1875-12-01
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
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Literaturbericht. Recenfionen. A»r«ekittsches H^rediglmagazi«, homiletische Monatsschrift, herausgegeben in Verbindung mit namhaften Predigern von D r. M. Rahmer, Rabbiner zu Magdeburg. Erster Jahrgang (Oct.1874—Sept.1875). Leipzig, Robert priese. 3002. Es ist schon vor einigen Jahren vo.i Herrn Or. M. Kayserling der Versuch gemacht worden, eine ähnliche Zeitschrist in's Leben zu rufen; auch waren bereits mehrere Heste edirt worden, die das Scheitern des Unternehmens aus dem Schreiber dieser Zeilen unbelamiteit Gründen (wahrscheinlich wegen Mangels an Abonnenteil) bedauern lassen. Wir führen diese Thatiachen nur deshalb an, um zu zeigen, wie förderlich, um nicht zu sagen ilothwendig eine solche Zeitschrift, die ausschließlich der Predigt und der homiletischen Literatur gewidmct ist, für die Weckung und Hebung des religiösen Sinnes, für die Läuterung und Klärung der religiösen Gefühle in israelitischen Familien und, sagen wir es gerade heraus, in kleineren Gemeinden sein muß: wenn heute wiederuin Männer von Ruf und Bedeutung in Israel jener Aufgabe in neuer, zweckentsprechenderer Art sich unterziehen. Freilich gibt es viele Predigtsammlungen, selbst von den berühmtesten und besten jüdischen Kanzelrednern neuerer Zeit; aber diese sind mehr Proben und Zeugnisse von der Beredtsamkeit derjenigen, deren Ramen sie tragen — zuweilen auch Muster für juilge Leute, die sich dem Predigerfache widmen —, als religiöse Erbauungsmittel für Einzelne und kleinere Gemeinden Ein Hauptgrund, weshalb solche Sainmlungen diesen letzten Zweck nicht erfüllen können, liegt schon darin, daß sie, während sie für ein und denselben Sabbath oder Festtag mehrere Predigten enthalten, für andere feierliche Tage derer ermangeln. Oder wenn in ihnen gar für alle Sabbathe und Festtage des Jahres gesorgt ist, so lassen sie sich von dem Privatmann nur ein, zwei, höchstens drei Mal andächtig und in gehobener Stimmung lesen, von dem sie zu Vorträgen in den Gottesdienste benutzenden Eantor oder Lehrer nur ein Mal verwerthen unb in Anwendung bringe». Etwas ganz Anderes ist es, wenn ein Prcdigtmagazin, eine fortlaufende Monatsschrift, nach den Wochenabschnitten des Jahres ausgelesene, mustergiliige Predigten liefert, wie sie daS erste Heft der besprocheiten Monatsschrift zn bringen verspricht. Solche Lieferungen ersetzen den Israeliten auf dem Lande oder den Bewohnern ganz kleiner Gemeindeil, die keinen Prediger und keiilen ihn vertretenden Beamten haben, für das ganze Jahr den Mangel eines Predigers. Er findet darin an jedem Sabbath, zu jedem Wochenabichnitte den nun einnial in unserer Zeit für die Erbaung und religiöse Bildung nothwendig geivordenen Homilet. Theil des Gottesdienstes, in dessen Ermangelung dein glaubensinnigen, religiös gesinnten Gemüthe der höhere Inhalt des Gottesdienstes abgehl. Der gelesene Wochenabschnitt erhält durch die in einer Geist und Herz ansprechenden Weise ih>n gewordene Behandliing für den Leser der betreffenden Predigt erst einen dauernden, unvergänglichen Werth, die todten Buchstaben gewinnen Leben, die Worte Kraft und Eindruck. — Aber nicht nur in Rücksicht auf den Laien soll und wird eine solche Monatsschrift einem tiefgefühlten Bedürfnisse abhelfe», sondern auch dem Fachmanne, der die Predigt weniger wegen seines erbauenden Elementes, als wegeil seines inhaltlichen Kernes und seiner kunstgerechten Form liest, kann sie willkoininen sei», indem auch er darin findet, was er besonders in anderen Predigtsaminlungen vergebens sucht, näinlich hovliletische Abhandlungen. Rccensionen u. a. — Der nunmehr abschlossene e r st e Jahrgang enthält eine reiche Auswahl nach Inhalt und Form ausgezeichneter Fest-, Sabbath-*) unb Ge- *) Die sabbathpredigten reichen wegen der zahlreichen Fest- »ad Gelegenheitsreden — von ersteren 15, von letzteren 13 — im vorliegcnden erften Jahrgang bis Ende des 2. Buches Mos., und werven im zweit,n Jahrgang fortgesetzt. (Red.s Berantworilicher Redakteur: l>r. M. Rahm er. legenheitspredigten von bewährten Kanzelredner» und Rabbinem der ansehnlichste» Genleinden Deutschlands. Wir unterlaßen es. Einzelnes hervorzuheben, wo Alles gut und gediegen ist, und erwähnen nur, daß sich darunter auch aus dem schristlichen ׳Nachlaß des sel. Berliner Rabb. Dr. Michael Lachs eine Festpredigt befindet. Voran geht ein als Vorwort dienender Vortrag über Zweck und Ziel der Predigt der Gegenwart, der an Wahrheit und Gediegenheit seinesgleichen sucht; in einer anderen Abhandlung wird die Aufgabe der isr. Predigt in der Gegenwart in trefflicher Weise dargelegt. Dem löblichen Unternehmen ist in jeder Weise Gedeihen und günstiger Fortgang zu wünschen, um zweckentsprechend für die Hebung und Fürderung der Predigt, wie des religiösen Bewußtseins in Israel wirken zu können. Der Preis von 6—7 Mark für eine Sammvon 48 - 50 Predigten ist — wenn man die sehr eng begrenzte Zahl der für diesen Literaturzweig sich Jnterejsirenden bedenkt — ein niedriger, höchstens die Kosten deckender. Dr K. Notizen zu dem Artikel über Salomo de Rosfi in Nr. 18. Von Raphael Kirchheim. 1) Las Gutachten über die Einführung der Vokalmusik in die Synagoge ist aus einem nicht benannten Buche abgedruckt in ט תעודת ולמה• Salmon Chasan*) S. 47 und vor Jahren von Jellinek in einem Flugblatt. Das Gutachten verfaßte 1605 Leon da Modena, dein 4 Rabbiner zugestiinmt hatten. Die Drohung des Bannes gegen denjenigen, der es versuchen würde sich dem rabb. Urtheil zu widersetzen, findet sich nicht in dem edirten Gutachten und wird wahrscheinlich bei dem Abdruck der Rossi'schen Compositionen 1623 zugefügt worden sei». 2) Im נגד ומצוה ist am Ende eine Elegie über die beiden Israels beigedruckt von DIN der vielleicht mit obigem identisch ist. x 3) Herr Mannheimer in Worms besitzt einen Eod. von Jair Bacharach (Autogr.), in dem sich alle Hymnen, Bußgebete und Gedichte seines Vaters Simson befinden. Einige Gebete und Gedichte in Beziehung auf die Zeitgeschichte hat Jair B. in seiner Responsensammlung abgedruckt. S. 57 dieser Handschrift findet sich ein Sabbath-Lied init der Ueberschrift, daß er solches zu Ehren seiner Frau gedichtet, die es in obligater Begleitung eines Instruments singen sollte. Simson Bacharach hatte mit seinen Dichtungen, die übrigens keinen poetischeit Werth haben, wenig Glück. So beschwerte er sich in einer Ueberschrift über den Rabbiner in Prag (Simson war dort Darschan), weil er sein Bußgebet über die Belagerung von Prag nicht allgenommen und selbst ein solches verfaßt, sogar den von ihm zum Gebettag bestimmten (17. Cheschwan) auf einen andern Tag festgesetzt habe. Auch sein Bußgebet wegen der Leiden der Juden in Brod sei durch den Neid eines andern Dichters nicht zum Druck angenonnnen worden. In der Ueberschrift zu diesem Bußgebet schreibt er. daß am 8. Elul 1626, in seiner Hochzeitswoche. Mansfeld Brod eingenommen und den Juden eine Contribution von fl. 10,000 auserlegt habe, was nicht sofort bezahlt werden konnte. Als nun Mansfeld nach drei Tage» durch das kaiserliche Herr genöthigt wurde, Brod zu räumen, habe er zwei der vornehmsten Inden als Geißeln mitgenommen, worunter auch sein Schwiegervater war. Glücklicherweise hatten sie Gelegenheit gefunden sich zu befreien. *) Derselbe war ein Enkel von Salmon Lhasan, der 30 Jahre in Franksurl funetionirt« und 1705 gestorben ist. Er war der Stamm■ vater meiner Familie. R. K. I , Druck u. Verlag von C. Scharnke in Barby.