Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr.20. (15.10.1875)
- Date
- 1875-10-15
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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beziehen, welche ähnlich der griechische», wonach dieselbe aus , den Milchtropsen entstand, die aus Iuno's Brust geflossen sind, 1 als sie den säugenden Herkules wegschleuderte. 32) 29, 1. Die Aitschauung des Hebräers vom Gewit- 1er: Gott verläßt seinen heiligen Hechal und durchzieht in der Gewitterwolke de» Aether. der Donner ist seine Stimme, der Blitz sein flammender Odem (oder nach a. St. sein Pseil, den er von seinem Bogen, den Regenbogen, abschießt), sodann kehrt er wieder zurück zu seinem Hechal, wo er von den Engeln mit dem Ruse 1122 begrüßt wird. Der Ausdruck י״י למבול ישב ist jedoch auffallend, und die gewöhnlichen Erklärungen geben keinen befriedigenden Sinn. Ich vermuthe, daß מ-ול ursprünglich nicht Sintfluth, sondern Wasserbehälter heißt, daher die Bildung mit מ• Der Hebräer dachte sich eine Wolke, einen Wafferbehälter, als Thron Gottes, eine An׳ nähme, die durchaus wahrscheinlich, wenn man Stellen, wie Ps. 1)4, 3 vergleicht, woselbst der Palast Gottes als eine Wolke mit Wasserpalast dargestellt wird. Vergl. u. A. Rüge, Reden über Religion. Daß in der Genesis zumeist המבול mit den! Artikel steht, sogar 1, 7 את המבול מים bestätigt diese Annahme und dachte man sich die große Fluth zu Zeilen Noah's dadurch entstanden, daß dieser unerschöpfliche Wasserbehälter sich zur Erde senkte und unendliche Waffer ausspie. Hiernach giebt V. 10 eineir guten Sinn. Nachdem Gott in seinen Palast zurückgekehrt und von den Engeln mit dem üblichen Huldigungsrufe begrübt worden, kehrt er zurück zu seinem Throne und setzt sich wieder hin, als König thronend, cf. auch Talmud Traktat Taanith מאי פלג אלדים ובו' תנא י כמין קובה יש ברקיע שמבנה גשמים יוצאים• 33) 135, 7. ״ נשיאיםFürsten" und ״Wolken"; demokratischer Humor des hebr. Sprachgenius, der Geist des Hebräismus neigt überhaupt zur Demokratie. 34) Proverb. 31, 10 ff. Das Stück geht sicher auf eine weibliche Persönlichkeit, vgl, V. 29, und zwar auf ein bereits dem Matronenaller nahestehendes Weib, bei der die Schönheit bereits verblichen, V 30, — vielleicht aus die Mutter des Samuel selbst. In dieser Schilderung eines weiblichen Ideals spiegelt sich deutlich der praktisch verständige Sinn des Israeliten, der wohlthuend absticht sowohl gegen die romanttsch überspannte Vergötterung des Weibes, welche dasselbe von sentimentalm Gesichtspunkt feiert, als auch gegen die griechische übertriebene Richtung, die nur für die plastische Schönheit und sinnlichen Reize desselben ein Auge hat. Nicht als ob der Hebräer nicht auch für die physische Schönheit des Weibes sich begeistern könnte (cfr. das Hohelied), aber er weiß es auch von eiuer andern Seite zu würdigen, als tüchtige, sorgsame, fleißige Hausfrau, die dem Hauswesen tüchtig vorsteht, recht spart und arbeitsam ist, für die kleinsten Bedürfniffe des Mannes sorgt, ihn gehörig pflegt rc, kurz, wir haden hier die Schilderung einer Hausfrau, wie sie sein soll, die ihre Hauptlebensaufgabe darin sieht, den Wohlstand des Hauses zu wahren und dem Manne das Leben angenehm zu machcn. Keine Pantoffelheldin und keine sentimentale Schwärmerin. Auffallend kann es scheinen, daß hier nichts bezüglich der Kindererziehung erwähnt wird, doch scheint diese damals mehr von dem Manne gehandhadt worden zu sein. Literaturbericht. Rcmtfiooen. A«pk«n, Abr. דברי ימי יהודים מאז היותם יער היום מאת ד״ר צבי גרעטץ• Brüder Winter, Wien. 1875. Heft ln. 2. Mit der Uebertragung ins Hebräische hat das Grätz'sche Geschichlswerk eineil bedeutenden materiellen und moralischen Erfolg errungen - einen materiellen, weil es so Leserkreisen erschloffen wird, welche bisher nicht die geringste Notiz davon nehmen komiien, einen moralischen, weil es nunmehr in hebräischem Gewände am Leichtesten das rigorose Vorurtheil jener Fanatiker widerlegen kann, als wehe nicht allenthalben ein wahrhaft jüdischer Geist in dem gewaltigen Werke des beruhmteil Autors. Wenn wir die Thatsache constatiren, daß die Uebcrsetzung weit hinter dem Originale zurückbleibt, so ist dies ein Botum, welches keinesweges einen Tadel gegen den Uebersetzer ausspricht, sondern oietmehr ei» Satz, unter dessen Eiir- Wirkung wohl jede Paraphrase zu leiden hat. Wir stehen nicht an, die Gewandtheit des Uebersetzers unbedingt anzuerkennen. Die Uebertragung i. ohne alle Frage eine correcte, fließende, bisweilen sogar eine elegante zu nennen Es ist in diesen Worten wahrlich viel gesagt. Wer ein klares Bewußtsein davon hat, wie sehr der Genius der modernen deutschen Schriftspräche o» dem der hebräischen absteht. der wird die bedeutendeil Schwierigkeiten zu würdigen wiffen, welche ein in modeinem Deutsch abgefaßtes literarisches Erzeugniß einer Uebertragung ins Hebräische bietet. Dort oft Ueberlegung, Tendenz, Pointe — hier Natürlichkeit, Einfachheit, Naivetät. Es ist unter diesen Umständen Herrn Kaplan'S Uebersetzung ein bedeutender, Respekt einflößender Versuch. Daß die Noten nicht wieder gegeben werden, darüber wollen wir mit Herrn Kaplan nicht rechten. Dagegen möchten wir ihn auf einen principiellen Fehler bei seiner Uebertragung aufmerksam machen. Er wurzelt in der allzuscrupulösen Gewiffenhastigkeit des Uebersetzers, ivelche bisweilen sogar an das Pedantische streift. Bei aller Treue und Genauigkeit, die wir vom sorgsamen Uebersetzer erwarten, empfiehlt es sich doch nicht. jede Phrase und jedes dem Deutschen geläufige Bild mit peinlicher Aengstlichkeit wiederzugeben. In dieser Beziehung tritt Herr Kaplan dem Genius der hebräischen Sprache nicht selten zu nahe. Der Deutsche darf wohl mit Grätz ״Aegypten die Wiege des Judenthums" nennen. Darf aber der.Hebräer mit Kaplan (pg. 28) sagen: מצרים•• ■ערש לדת? Grätz trennt Schurzfell und Schaufel ״Symbole des Effäerthums", ein Ausdruck, den Herr Kaplan (pg. 91) durch טוטפות wiedergiebt, wobei er die Leser ganz speciell informiren muß, daß er das W:rt ״Symbole" übersetzen wolle. Derartige Beispiele ließen sich noch mehrere ansühren In solchen Fällen ist es angezeigt, tlicht sclavisch wörtlich, sonderit gedanklich treu zu übersetzen. Mit dem Hinübergreifen auf fremde Gebiete sollte Herr Kaplan vorsichtiger sein. Wenn Herr K. (pg 7) meint, das im Jeruschalmi sich findende אלנטתץ sei gleichbedeutend mit ״Hellenisten", so irrt er. אלנסתין in der fraglichen Stelle ist, wie schon Mussaphia richtig angiebt das griechische hellen isti, und heißt hier Nichts weiter, als ״in griechischer Sprache". Einen anderen Sinn laffen offenbar die Worte nicht zu: (שמע קלין קריין שמע אלונסתין ובו׳(מוטה פ״ז d. h. ״er hörte das שמע in griechischer Sprache lesen." Alle weiteren Consequenzen des Herrn K. sind demnach nicht statthaft. Da man שמע in jeder Sprache beten darf, thaten es Einige in griechischer, was aber R. Levi zu bindern suchte. 'Noch unhaltbarer ist die vage Conjeclur (pg. 32), nach welcher das griechische Wort ״Alabarch" aus eine verntuthlich ägyptische Wurzel zurückgeführt wird. Dieses äußerliche und Willkürliche Verfahren erinnert mich an den Fund eines Literaten im Hamagid, welcher das talmudische '212 vom lateinischen harha. ableitet mit gelinder Verwechselung von ״ זקןBarl" mit ״ זקןalt." Trotz dieser im Ganzen unwesentlichen Ausstellungen verdient die vorliegende Uebersetzung unbedingt lobende Anerkennung. Möge eine rege Beiheiligung des lesenden Publikums, welches ztl den Freunden der hebräischen »nb jüdischen Literatur sich zählt, dem Uebersetzer einen gringeir Ersatz bieten für die opferfreudige Hingebung, mit welcher er seine verdienstliche Arbeit zu fördern sucht! Soyrau, O/S., im September 1875. Dr. I m m auuel Deutsch, Rabbiner. BeEa1Un)0rtlicf)n Üetactcuv: Dr, M. Rah 1»er. Druck u. Pertag von tS. -Lcharnkr in Varby.