Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr.20. (15.10.1875)
- Date
- 1875-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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J«HW Litemtmblatt Zur Beleuchtung aller Judenlhum u Juden detreffenden literarischen Erscheinungen aus dem Gebiete der Philosophie,Geschichte,Ethnographie,Theologie, Prientali», Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Hcrausgkgebkn von Rabbiner Di׳. Moritz Rahnrer. Magdeburg, IS. Oktober 487S. Bücher der einschlägigen kiteratur, welche der Red. de» ״Iü». Kiteraturdlatt" in Magdeburg (oder der ״Jorael. Hvochenschr." in Stettin) ,ugesandt werden, finden in diesem Platte eingehende Besprechung. Nr. 20. Erscheint zweimal monatlich. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Woche»- schrist" (die jährl. 9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Fries«. 4. Jahrgang. Salomo de Rosst. Lin Beitrag zur Geschichte der spnagogalen Musik.*) Mau kannte seit langer Zeit einen israelitischen Compositeur Namens Salomo de Rosst, aus der berühmten Familie der 1אדומים) in Mantua (Italiens gegen das Jahr 1570 geboren. Sein Name wird von einigen Geschichtsschreibern, unter Anderen von FLtis'), erwähnt, welcher den Katalog seiner musikalischen Werke, Madrigals mit 3, 5 und 8 Stimmen, Canzoneiten und Sonaten sür Klavier mit Begleitung verschiedener Instrumente, herausgegeben hat. Aber ebensowenig als die andern Biographen, die sich mit S. de Rosst beschäftigt haben, sagt FStis etwas von dessen j ü d i s ch-musikalischen Compositionen, welche er ebensowenig als seine Vorgänger kannte. Der einzige Wolf in seiner ״Bibliotheca Hebräiea“ spricht von einer Sammlung Psalmen und Cantiken, von de Rossi in Musik gesetzt, und betitelt sie: Lasso Haschirim ascher Lischlomoh 2אם1 השירים אשר לשלמה> ohne die Bedeutung des Wortes Lasso I zu ahnen. Fürst in seiner Libliotbeea Jadaica hat dieselbe Unachtsamkeit begangen, indem er genau den von Wolf gegebenen Titel reproducirte. Glücklicherweise haben wir heute Dokumente, welche, ungeachtet ihres unvollständigen Zustandes, uns gestatten, die Ungenauigkeiten der früheren Schriftsteller über unseren Compositeur zu verbessern. ES ist außer Zweifel, daß die Sammlung der hebräischen Gesänge Rossi's im Jahre 1623 in Venedig bei Pietro Lorenzo Bragadini gedruckt worden ist; aber es ist auch wahrscheinlich, daß davon nur eine sehr mäßige Anzahl Exemplare abgezogen wurden, die beinahe unauffindbar sind. Durch einen ganz besonderen Zufall ist der Name dieses Compositeurs eben in das Gedächkniß der Bücherliebhaber zurückgerufen worden. Herr Moses Schwab kündigte in der Revue Isradlite an, daß die Pariser National-Bibliochek, bei der er beschäftigt ist, die Akquisition der Sammlung der hebräischen Gesänge von Rossi gemacht habe. Seit mehreren Jahren besaß ich die Te- *) Wir geben im Obigen die in Nr. 15 unseres ״LiteraturblatieS" vom vor. Jahr zugesagte Uebersetzung der im Agudath Schirim vom Obercantor Raumbourg in Paris atS ״Appendix" beigegebenen Studie über den berühmten jüd. Componisten. (Red.) ■j des Roux, italienisch De Rcsei. י) Allgemeine Biographie der Musiker Tom. VII nor und Baßparthien, ohne die vollständigen Parthien erlangen zu können. Jene Ankündigung erweckte meine Aufmerksamkeit, und ich beeilte mich, das fragliche Werk in der National-Bibliothek zu prüfen, aber meine Verwunderung war groß, als ich sah, daß bas, was man für die Rossi'sche Sammlung ausgab, nur das Sesto, d. h. die 6. Partie oder die 6. Stimme, war. Dte drei oben erwähnten Hefie si.,0 Alles, was man bis jetzt hat finden können. Jedem dieser Hefte geht eine Widmung, eine Vorrede und eine Würdigung (הסכמה) des von 4 italienischen Rabbinern Unterzeichneten Werkes voraus, natürlich in hebräischer Sprache. Aber die Baßparthie enthält außerdem interessante, an die Seite geschriebene, dtotizen von *mm Gelehrten, dessen Name unbekannt ist (um 1830) und einen in italienischer Sprache geschriebenen Brief von dem Florenzer Rabbiner, Anania Cotzn an seinen Freund Samuel della Volta aus Mantua vom 21. Mai 1832. Es geht aus diesen Dokumenten hervor, daß diese Gelehrten in Venedig eine Sammlung Madrigalen und religiöser Gesänge von Rossi gesunden haben, sie haben die Baß-, Teiwr- und Altstimmen vor sich gehabt, aber sie sagen nicht, daß sie die das Sopran gesehen haben. Ich habe die hebräischen Piecen studirt, die als Vorspiel zu der Rossi'schen Musik dienen und die Details, die ich geden werde, scheinen mir von einein großen Interesse, nicht allein für die Geschichte der jüdischen Musik, sondern auch für die Geschichte der Musik jener Zeit überhaupt, in ivelcher unser Glaubensgenosie de Rossi lebte. Die Widmung, im reinsten Hebräisch geschrieben, ist an seinen Pretector, Moses Sullam, einen reichen Israeliten aus Mantua, gerichtet, dem er seine künstlerische Erziehung und die Mittel verdankt, seine Arbeit drucken zu lassen. In einem dieser Wortspiele, bei den Schriftstellern damaliger Zeit so sehr in der Mode, vergleicht er die Mildthätigkeit 2 u l l a m' s mit der Jakobsleiter (סלם), deren Füße auf der Erde ruhen, und deren Gipfel den Hinimel erreicht. Nicht um seinen Namen zu illustriren, fügt er hinzu, noch um den Menschen zu gefallen, habe er diese Gesänge componirt, sondern zuin Ruhme des Ewigen und zum Angedenken seines Vaters. Dieser Widmung solgt eine Zorrede des be-! rühmten Rabbiner Jehuva Arie Leon da Modena, in welcher wir einige Auskunft über Rossi finden. Wenn wir diesem Rabbiner Glauben schenken, wäre Rossi ein Musiker ersten