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Das jüdische Literaturblatt · 1875-08-01 · Nr. 15. (1.8.1875) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 15. (1.8.1875)
Date
1875-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zur Befruchtung aller Judenttium u Juden betreffenden litrrurischen Erscheinungen aus dem Gebiete berPhitosophie.Geschichte, Ethnographie,Lheotogie, Ltrientati», Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz Rahme». Magdeburg, 1. August 187 S. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Ned de» ״Jüd. KiteraturblaU" in Magdeburg (oder der ״Israel. Wochenschr." in Stettin) )»gesandt werden, finden in diesem Platte eingehende Besprechung. t Nr.15. Erscheint zweimal monatlich. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ,,Israelitischen Wochenschrist" (tote jiihrl. 9 Mark kostet) grati s. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. ’S—WW.■■" i■■»» 4. Jahrgang. Das Buch Jona. Von I. S. Bloch, Rabbiner in Güstrow. (Schluß.) Jona den Amithai — er ist ein ungeduldiger, aber willensstarker Prophet, dem der Auftrag wird, einer gewaltigen überaus großen Heid. Stadt, der Hauptstadt des fern im Osten belegenen assyrischen Reiches, das Gotteswort zu künden, sie durch Androhung des Unterganges der Gottesidee zuzuführen. Er weigert sich deß; statt nach dem zum Missionszwecke ihm angewiesenen Orte zu gehen, macht er sich auf, um in entgegengesetzter Richtung nach dem an der äußersten Westgrenze der damals bekannten Welt liegende« Tarteffus zu entfliehen, vertraut sich einem dahingehenden Schiffe an, in Gesellschaft von Heide», Er bezahlt sein Fährgeld und meint, vor des Herrn Gewalt genügend geschützt zu sein. Aber der Herr bestraft seinen Uugehorfamen, es treffen ihn Unfälle über Unfälle, gefahrvolle Stürme lassen das Meer toben, und das Schiff gedachte zu scheitern. Jona schläft im untern Schiffraum, beachtet kaum die drohenden Gefahren. Die geängstigten Seeleute rufen sämmtlich ihre Götter an und' suchen nach heidnischer Sitte den durch das Loos zu ermitteln, um deffentwillen die Götter zürnen. Das Loos fällt auf Jona, und dieser hat auch allmählich sein freventlich Beginnen als solches einse en gelernt. Nun vermeinen Alle schuldlos zu fein, nur er allein habe den Zorn der Götter und die Mißgunst des Schicksals heraufbeschworen, er allein muß es büßen. Und als der Schiffsherr ihn streng inquirirt, nach seinem Vaterlande, seinem Volke, seinem Geschäfte, seinem Berufe fragt, so versucht er keine Verstellung, sondern antwortet in stolzem Stammes- und Nationalbewußtfein frei und kühn, wie das Juden! hum auch während des ganzen Mittelalters: עברי אנכי ואת ד׳ אלהי ״ השמים אני יראEin Hebräer bin ich, und den Ewigen, den Gott des Himmels, fürchte ich." Den schuldbeladenen Propheten wirft man in's Meer, auf daß die Götter sich versöhnten. Er verschwindet, ein Seeungeheuer verschlingt ihn. Einen Augenblick scheint es, daß Jona aufgehört hat zu eristiren, daß feinem Schalten und Walten auf der Erdoberfläche, seinem Mühen, Ringen und Thun in der Menschenwelk ein Ende sei. Allein dem ist nur scheinbar so. Gott, dem der Prophet früher hatte entfliehen wollen, suchte er im Elend und fand ihn. Er betet und wird gerettet. Mit dem alten Auftrag wird er wieder betraut. Er thut, wie ihm befohlen, geht nach Ninioeh, kündigt der Stadt den Untergang an binnen 40 Tagen, u. fordert sie aus Buße zu thun. Und wirklich, die Heiden bessern sich. Eine allgemeine Umkehr finder statt, eine fromme Bewegung beniächtigt sich aller Herzen. Selbst der König steigt von seinem Thron, beugt sein Haupt vor Gott. Die früher gottlosen Heiden, verfallen einer mönchischen Askese, gehen in der Fröminigkeit so Mit, auch daS Vieh drei Tage fasten zu lasten. Das verkündete Unglück der Stadt ist nunmehr beschworen; natürlich! Jona aber wird der Lüge bezüchtigt; was er, der Prophet, verkündet -hatte, war H nicht eingetroffen. Wiewohl er in sich da- BewaWxin ja, wiewohl sie Alle überzengt sind, daß nur nLf Predigt und seiner Lehre sie gerettet worden nn 4ugewendet, so sieht er sich doch-überall urlLHjs f geschmähet und verlästert — auS der Stadt gestoßen. Die Schmach kränkt ihn, wiederum zürnt er seines Gotte. Pjj sinnreiche Weise wird er belehrt, daß Gott auf die einzÄH^ >* Person, das einzelne Volk, nicht Rücksicht nehmen könne, wo eä> sich um ein gewaltiges Ganzes handelte. In dem Bewußtsein, daß er allein es war, von dem die Völker ihre heilsamen Lehren, ihre religiösen Wahrheiten empfangen, müste der Prophet es ruhig über sich ergehen lasten, wenn man ihn den falschen Propheten heiße. All' die Räthsel des Buches Jona, all' die Wunderlichleiten und Sonderheiten ieiuer Erzählung lösen sich nun zu einem großartigen, historischen Gemälde auf, welches in wemgen scharfen Zügen Israels Erfahrung in der Vergangenheit und feine wechselvollen Geschicke in der Zukunft in wahrhaft prophetischem Geiste schlicht und bedeutsam darstellt. Was die äußere Form der Dichtung anlangt, so läßt Alles aus eine bedeutende dichterische Kraft schließen. Die Anschaulichkeit der Darstellung, die Kürze und Feinheit der Cha« rakteristik werden nicht leicht übenroffeu werden. Ein merkwürdiges Geschick offenbart sich insbesondere in der phychologischen Treue der Personenschilderungen, sowie in der genauen Angabe der Oertlichkeit, zweckentsprechender Wabl derselben. Ite unnatürliche Größe, die Ninive gegeben wird, das, wie die Llafsiker berichten, auch die größte Stadt der damals bekannten Welt.') ist nicht zufällig, entspricht vielmehr der Tendenz der Erzählung. Ebenso finden:vir erklärlich, daß 1, 2 >) Nach Strabo XVI, 1, z, war Ninive größer als Babylon: nach Üksias bei Diod. U, 3 betrug ihr Umsang 480 Stadien.

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