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Das jüdische Literaturblatt · 1875-07-01 · Nr. 14. (1.7.1875) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 14. (1.7.1875)
Date
1875-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische ölcraliirtilntl. Zur Btttnchtung «Mer Judenttzu» ». Jude» betreffende» literurischeu Erscheinungen «uf km Sedtrte der Philssophie,Geschichte,Ettzn1gr»phit,TH«»t»gie, Brientntt-, Exegese, Hmitetik, Liturgik, Pskngsgik. Herausgegebcn von Rabbiner vr. Moritz Nahnrer •❖<>• Magdeburg, 1. Juli 1875. Bich» der eiaschtjgigen Literalur, welche der Red de, ״IS», ffiternturdlutt" in Mngdedurg (,»er »er ^»,raet. Wwtzenschr.- in Stettin) -»gesandt werden, finde» in diese« Blatte eingehende Besprechung. V___y Nr. 14. Erscheint zweimal monatlich. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Wochenjchrist" (die jiihrl. 8 Mark kostet) g r a t i S. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen: in Leipzig durch Robert Friese. 4. Jahrgang. Das Buch Jona. Von I. S. Bloch, Rabbiner in Güstrow. (Fortsetzung.) Und doch hat der Dichter Alles gethan, um uns über daS, was er erzählen und lehren wollte, nicht im Unklaren zu lassen. Der Held der Erzählung, der sonderbar ungehorsame Prophet, der vor Gott entfloh und drei Tage im Bauche eines Seeungeheuers »eilte, ohne Schaden zu leiden, heißt יונה כן * *פתי• Der Name Jona hat mit dem babylonischen Oannes gewiß nichts gemein, aber sonderbar ist er nichtsdestoweniger. Das Wort bedeutet ״Taube" — wie kommt der männliche Prophet zu einem Feminalnamen? Wir stoßen hierbei schon auf grammatische Bedenken. Die Taube spielt in den alt- und neuhebr. Schriften eine eigne Rolle, als Symbol und Sinnbild, sozusagen als daS Wappen Israels כנסת ישראל ׳ליונה אמתלא Sabb. 53 k, 130», Ber. 53 k, Gittin 45 kt, Synh. 95 a, Midr. Zehir u. an unzählig anderen Stellen. Entschieden in gleichem Sinne wird Zephania 3, l die Hauptstadt Israels העיר היונה genannt.') Bekanntlich haben die Affyrer ein Mannweib Semiramis verehrt, das ebenfalls ״Taube" gehetßen. Das Bild einer Taube prangte auf ihren Fahnen. Wir haben hier demnach wiederum chaldäischen Einfluß auf die hebräische Literatur zu constattren. Vos dem geheimnißvollen Throne des Königs Salonro wird im Targum II. zu Esther 1, 2 erzählt, daß an dessen Spitze eine goldene Taube gestanden, einen Raubvogel überwältigend, mit dem Bemerken, die Taube sollte Israel und den Messias repräsentiren, in deffen Händen das Schicksal der heidnischen Welt einst liegen wird.*) Ich könnte noch andere Belege aus dem Midrasch, selbst aus der Liturgie beibringen, auch über die Entstehung dieser Anschauungen Einiges sagen, für uns genügt es, die Thatsache an sich zu constattren, die schon in den biblischen Schriften zu Tage tritt Zephanja 3, 1. — In der ganzen alt- und späthebräischen Literatur begegnet uns ferner Keiner mit dem Namen ״Amithai"; nur der Vater *) ועל ריש כורסיא קיימא יונה די דהבה אחידא בר נצא בידיה ואף כדין עתידין כל אומיא ולישניא יתמסרון ביד מלכא משיחא ובית ישראל• Es ist sogar überflüssig, daß der Sommeniatoc nochmals demerkl ויונה די דהבה רמו לישראל• *) So übersetzen auch X die 70 und die Vulgala; Hieronymus be> zieht in seinen Lommentarien •zu Zeph. 3, 1.) selbst di« Stelle חרב היונה Zerem. 46, 16 (gladius coliimbae) auf — Nebukadnezar. (Red.) dieses Propheten wird so benannt. Der Syrer und die Araber schreiben מתי. die LXX Amathi, allein das Wort stammt entschieden von אמת, wie schon Hieronymus sagte: ״Amathi enim nostra lingua veritatem sonat.“ Wenn das AMibut der absoluten Wahrheit Gott allein Mkommt, womit bekanntlich nach dem Midrasch im Zusammenhang stehen soll, daß das Wort אמת aus dem ersten, mittelsten und letzten Buchstaben de- Alphabet zusammengesetzt ist, — so ist ISrael, ״der erstgeborene Sohn" Gottes (Ex. 4, 22; vergl. Deut. 14, 1. u. a. O.) der alleinige Jona ben Amithai. Jona ben Amithai ist demnach daS mtt der Prophetenmission an die gesammte heidnische Welt bettaute Israel, daS sich abffr weigerte, den göttlichen Auftrag auszuführen, statt nach Ninive, sich aufmacht, nach ganz mtgegengesetzter Richtung vor Gott zu entfliehen, ohne daß alle Ermahnungen und Drohungen vermochten, es zum Gehorsam zurückzuführen. Und der Wakfisch, jenes Seeungeheuer, das den Propheten verschluckte, in deffen Innern Israel sich Gott wiederum zugewandt, Gott wiederum angerufen, Gott gesucht und gefunden, — was, wer ist dieser Wallsisch? Nun, es ist Nebukadnezar, richtiger, das länderverzehrende, völkerverschlingende Babylon? Wer in der Geschichte des Hebräervolkes nur einigermaßen Bescheid weiß, der kennt auch den Umschwung und die Aenderung, die im Verhalten Israels zu Gott in der kurzen Zeit seines Westens in Chaldäa eingetteten, der weiß, daß erst in Chaldäa Israel seine wahre Mission erkannte und den festen, unerschütterlichen Entschluß gefaßt hat, sich voll und ganz ihr zu widmen. Allein das Alles ist nicht lediglich eine Auslegung oder eine Vermuthung, sondern es ist der Prophet Jeremias, dem ich die Lösung des Jonaräthsels abgelauscht habe. Cap. 51, Vers 34 nennt dieser Prophet den Eroberer Nebukadnezar, oder das Reich Chaldäa ein gefräßiges Seethier, das Israel verschluckte und mtt dessen Köstlichkeiten sich den Bauch angefüllt. Vers 44 weissagte er Babel, daß ihm Gott zur geeigneten Zeit das Verschluckte aus dem Rachen reißen wird.*) Das Seethier herßt da zwar nicht ,דג נתל ופקדתי על בל בבל והצאתי בלעו מפיו(*• vww'»״, der das ״Verschlungene" dahin deutet, ״speziell was dem Götzen atS Opsergeschenke verehrt worden, ii» Allgemeinen ivas Babel den Völkern abgenommen hat" — hat die Pointe dieser Redeweise, die aus VcrS 34 sich bezieht, wohl mißverstanden.

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