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Das jüdische Literaturblatt · 1875-06-15 · Nr.13. (15.6.1875) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr.13. (15.6.1875)
Date
1875-06-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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\ Das 1 ♦ ץ- Zur Beleuchtung aller Judenthum u. Juden betreffenden literarischen Erscheinungen auf dem Gebiet« der Philosophie,Geschichte,Ethnographie,Theologie, Drirntalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. I _/ Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz Rahmer. Magdeburg, IS. Juni I87S. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Red. de» ״Jüd. Literatardlatt" in Magdeburg (oder der ״Jorael. Wochenschr.- in Stettin) sngtsandt werden, finden in diesem Platte eingehende Besprechung. V_—__/ 114. 4 O Erscheint zweimal monatlich. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnmten der ״Israelitischen Wochen- *»4.-I.O. schrist" (Die jahrl. 9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen Lurch all« Buchhandlungen; in Leipzig Lurch Robert Friese. 4. Jahrgang.! Das Buch Jona. Von I. S. Bloch, Rabbiner in Güstrow. (Fortsetzung.) Was die neuesten Anschauungen über das Büchlein Jona anlangt, so will ich dem Leser in aller Kürze die wichtigsten Hypothesen der bedeutendsten Kritiker vorführm, damit er sich selbst über den jetzigen Stand der Frage ein Urtheil bilde. Bekanntlich sind ähnlich lautende Mythen auch bei den Griechen anzutreffen, so der Mythus von der Hesione und Herakles bei den spätem Schriftstellern, z. B. in Lycophrons Caffandra 33 ff., ferner der Mythus von der von Perseus befreiten Andromeda (Plin 5, 15) mit welchem Jona sogar die Lokalität Joppe gemein hat. . Diese in Wirklichkett blos zufällige') Aehnlichkeit hat viele ältere Forscher veranlaßt,-in Jona eine alte von Auswärteingedrungene Sage zu erblicken, die der Dichter zu einem didaktischen Zwecke selbstständig verarbeitete. In neuerer Zeit ist Herzseld in seiner Geschichte Israels 3, 26 als Vertheidiger dieser Anschauung aufgetreten, aber in einer Weise, die nicht dazu angethan, ihr neue Anhänger zuzuführen. Von anderer Seite (vgl. Jllgens Zeitschr. 7) versuchte man die Jonaerzählung auf Figuren der babylonischen und aflyrischen Mythologie zurückzuführen, indem man darauf hinwies, daß die Babylonier ihre Kultur von einem Oannes, einem Ftschungeheuer mit zwei Menschenfüßen, die aus dem Fischschwanze hervortralen, erhalten zu haben vorgeben, das jeden Morgen dem rothen Meere entstiegen und nach Babylon gekommen sein solle, um dvrt Gesetze und Gewerbe, Sitte mld Ordnung zu lehren; die Namen Oannes und Jo na-S (?) erscheinen nach ihrer Ansicht in gar zu verdächtiger Aehnlichkeit. Allein der wafferentstiegene Oannes stammt entschieden von ״ אניSchiff, Schiffsleute", und kann mit .111' ״Taube" nur in sehr entfernter Beziehung stehen. Die Schicksale dieses Ungeheuers erinnern aber in keiner Weise au den jüd. Propheten, der weder dem rothen Meere entstiegen, noch eine Fischgestalt hatte. Ernst« Forscher haben es daher aufgegeben, die Erzählung unseres Büchleins auf mythologische Einflüffe zurückzuführen. Es war das eine alte im israel. Volke cursirende Volkssage, die der Dichter in einer neuen Form wiedererzählt, der vielleicht hier- ') Vg!. Roldecke, die alttest. Literatur p. so, Bleek Emieit. p. 17ö, Schräder, De Weites Einl. p. 462. bei gleichzeitig ״dem beschränkten rel. Particularismus, wie er bei der Mafle der Juden herrschend war, als ob der vonihnen verehrte Gott eben nur ihr Gott sei, seinen Wohnsitz nur in ihrem Lande habe und immer nur ihr Volk mit väterlicher Liebe umfaffe", entgegenarbeiten wollte. Diese von vielen alten Theologen, zuletzt noch von Bleek vertheidigle Hypothese hat auch bereits vielfache Widerlegungen gefunden, ich verweise auf Riehm, Stud. u. Krit. 1862 p. 413, der dieselbe als ein ״völliges Mißverständniß des ganzen Buchet bezeichnet. Von einer Mißgunst gegen Heiden, oder von einem Kampfe gegen solche Mißgunst zeigt das Buch in der That1 auch sonst keine Spur. Wenn Jona den göttlichen Auftrag nicht ausführen will, so ist es lediglich, weil er ungehorsam ist, well er sich nicht blos zu schwach fühlt, sondern vielleicht auch wirklich zu schwach noch ist, zu einer so gewaltigen un« eigennützigen und gefährlichen Mission an die Heidenwelt, well ihm noch das Vertrauen mangelt zu seiner eigenen Kraft, der Glaube fehlt an seine eigene Intelligenz, deren er sich erst in Noth und Gefahr bewußt wird — nicht aber, weil er die göttl. Gnade den Heiden mißgönnte, weil er, wie Bruno Bauer') sagt: ״den Gedanken, daß die Gnade Gottes auch den heidn. Völkem zu Theil werden solle, nicht ertragen könne." Eine andere Hypothese, von deren zahlreichen Verttetern ich die Namen Riehm, Phllippson, Herzfeld nenne, sinket in dem Schriftchen folgende Lehren dargelegt: daß eine prophet. Verkündung nicht nothwendig eintreffen müffe, daß Gott seine Entschlüße ändere, sobald die Völker in ihrem Verhalten eine Aenderung eintrete» lassen; ferner, daß der Prophet nicht aus sich selber rede, daß er reden müffe, selbst wenn er nicht wolle,- sowie endlich, daß es unmöglich sei, Gott zu entfliehen, mit einem Worte, der Verf. wollte dem Volke zu einem richtigen Verhalten den Propheten und ihren Drohungen gegenüber Anleitung geben. Der Leser wird wohl mit mir einverstanden sein, daß ein großer Theil dieser ״Lehren" so banal sind, daß sie gar nicht ״gelehrt" werden brauchten; daß namentlich die Art und Weise, wie diese ״Lehren" im Büche Jona angeblich vorgetragen werden, sehr auffällig und durchaus nicht zu rechtserttgen oder zu erklären. Denn daß Gott seine Entschlüsse entsprechend dem Verhalten der Menschen ändere, hat das Volk von Alterher gewußt; daß der Prophet nur das Wort Gottes verkünde. *) Die Rel. d«S A. T. in Lex grsch. Entiv. ihrer Principim 2, p. 301.

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