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Das jüdische Literaturblatt · 1875-06-15 · Nr. 12. (15.6.1875) · p. Seite 48

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 12. (15.6.1875)
Date
1875-06-15
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 Die unter Leitung des Hrn. Prediger vr. Neustadt siehende ״hebräische Unterrichtsanstalt", über welche der 7. Bericht im Oetober v. I. ausgegeben wurde, setzt unter mannigfachen Opfern ihrer anerkeniienswerthen Bestrebungen, ein tieferes hebräisches Wissen (bis zu Mischua und Talmud aufsteigend,) bei vielen Schülern zu verbreiten, unermüdlich fort. Dieselbe erfreut sich jetzt einer jährl. Unterstützung aus der Gemeinde-Kasse und mancher Zeichen des Wohlwollens Seitens der städtischen Behörden sowie auswärtiger Privaten. Die Anstalt zählte im Herbst v. I. 7l Schüler, von welchen ein großer Theil für die Hälfte des Schulgeldes, 18 ganz unentgeltlich — Bücher ebenfalls frei — unterrichtet wurden. Auch die liturgische Anleitung und Uebung ist nicht zu uilterschätzen. Schon um dieser Zwecke willen verdient diese Unter richtsanstalt auch ferner Förderuilg und unterstützende Theil nähme, um die nöthigen Lehrkräfte beschaffen und erhalten zu können. — Ter auf S. 6 in der Anmerk. ausgesprochenen Rüge über die verhältnißmäßig hohen Preise der von der orthodoxen Bibclanstalt gedruckten Bibelausgaben stimmen wir oei und dehnen den Vorwurf auch auf die andere israelitische Bibelanstalt aus. Der ״Jahresbericht über die jüdische Gemeinde-Schule in Tho r n" umfaßt die Elementar- und Rcligionsschule daselbst. Die erstere zählte am Ende des Schnljahres 1874: 74 Schüler, die letztere: 67 Knaben und 110 Mädchen (zus. 177). In den einleitenden Worten des Hrn. Rabb. vr. Oppenheim spricht sich derselbe mit warmeil Worten gegen die auch anderwärts sich geltend machende irrige Anschauung vieler Mischer Eltern aus, daß mit dem Barmizwah-Tage der Religionsunterricht seine Endschaft erreicht habe. Für Veit Barmizwah, der zur Thora hintritt, um über sie den Segen zu sprechen, beginnt jetzt erst recht die heilige Pflicht, diese Thora näher kennen zu lernen, jetzt, wo er die nöthige geistige Reife mitbringt, ihren Inhalt zu begreifen. Sollen etwa die mühsam einstudirten B'racholh nebst Haphtara den Höhepunkt des jiid. Religionsunterrichts für unsere Knaben bilden? Soll das mechanisch eingelernte Tefillin Legen das ganze religiöse Rüstzeug sein, womit der jüd. Jüngling gegen alle theoretischen und praktischen Angriffe auf seine Religion gewaffnct sein soll? Es gibt thörichte Eitern, die das ברוך שפטרני auch auf den Besuch der Religionsschule beziehen — gegen solchen Jrrthum kann nicht oft und nicht stark genug geeifert werde». Aus dem ״Prüsungsprogramm" der Oels'er Religionsschule ersehen wir, daß Hr. Prediger Cohn es sich angelegen sein läßt den Schülern (in 3 Klaffen) und Mädchen (in 2 Kl.> den Unterricht in Religion, bibl. Geschichte, Bibel׳ und Gebetübersetzen, sowie in hebr. Grammatik und jüd. Schreiben angedeihen zu lasten. Daß unter den Schülern sich auch Primaner befinden ist sehr erfreulich, dagegen ist das Mißoerhältniß in der Zahl der Knaben (44) und Mädchen (nur 14) ausfallend. Hier, in Magdeburg, wird die aus 4 Knabennnd 4 Mädchenklassen bestehende Religionsschnle gegenwärtig von 62 Kn. und 68 Mädchen besucht. Für diejenigen Schüler u. Schülerinnen, welche die Pensa dieser Klaffen absolvirt haben, ist eine Selecta errichtet, worin dieselben noch Unterricht in jüd. Geschichte und Literatur (nach Grätz) und in den Pirke Aboth (im Sommer) und ausgewählten Stücken aus prophctischen und poetischen Büchern der heil. Schrift erhalleit. R. Notizen zu Freudrnthal's ,Hellenistische Studien. II."*) 1). Wie Artapan in seiner Trugschrifl auch manches ans dem egyptischen Sagenkreise entlehnt und es mit biblischen Angaben verquickt, wenn es nur zur Verherrlichung seiner bibl. Helden beiträgt, ist geistvoll nachgewiesen. So Hai er (s. S. 144) Moles mit dem ägyptischen Tot-mosis, und dem gnechi schcn ״Musaios" der Namensähnlichkeit wegen, identiftcirt u. dgl. Nun flicht Artapan auch noch die Angabe ein, Moses sei der Pflegesühn der Merris gewesen; Wer war Merris? Nach Laut» unv Brugsch iveuliich mit Isis. Woher der Name? Es ist vielleicht nicht unwahrscheinlich, daß deal Artapan der bibl. Name der טריט vorschwebte, der älteren Schwester des Mose, die für ihn die Amme (die leibliche Matter) besorgte. Wenn Synkellos noch eins andere Bezeichnung der Merris, nämlich ״Pharitz" anführt, so erinnert dieser Name an ״Schiphra", eine der zwei Hebammen (Exod. 1, 13 ), in welcher die hebr. Tradition ebenfalls bald Jocheded bald Mirjam erblickt (Mldr. rabb. c. 1. שפרו ורבו ישראל על יריך, auch nach dem Midr. wirb das ש׳ als nicht zum räckix gehörig gedeutet.) 2. ) Bezüglich der Verwandclung des C». in 8. resp. Wiedergabe des ersteren durch das lctzlere, (Churonr-Suron, bei Freud. S. 207 Amu. 10) ist vielleicht auf Hieran, ^cke situ st vom. Loc. Hebr. s. v. Ophir* zu verweisen, woselbst H. das ״Seria" des Eusebius durch ״Hierin" wiedergiebt. Josephus hat auch Seria. 3. ) Zu der S. 180 in der Note besprochenen Schlaugenvertilgung durch Mose mag dem Artapan die bibl. Erzählung (Numeri 21, 7—10) von der ״ehernen Schlange" die Verunlastung abgegeben haben. 4) Seder Olam e 12 stand Josua nur 28 Jahre an der Spitze des isr. Volkes, nicht 30 I. wie Eupolemos S 116 angiebt; es sei denn daß er die Zrhl adrnnoeke. 5) lieber die S. 134 in der Note erwähiue Verehrung der Taube bei den Samaritanern giebt folgende ״Notiz" aus Beyrul Aufschluß: ״Wir stehen am Sterbebette eines Völkchens, daß einst ruhmvollere und glücklichere Tage gesehen hat, und das vielleicht schon am Ende dieses Jahrhunderts von der Erde verschwunden sein und nur noch der Geschichte »»gehören wird. Wir meinen nämlich das Volk der Samaritaner. Bonden Königen Affyriens, nachdem dieselben das Reich Israel erobert und deffen Bewohner an die Ufer des Enphrar und Tigris verbannt hatten, aus Mesopotamien hierher verpflanzt, um das von Menschen entblößte Land wieder zu bebauen, brachten sie ans ihrer Heimalh nebst ihrer Mutlersprache, des Chaldäischen, auch ihre Raiional-Goltheiten mit sich nach Palästina und ernchieteu ihnen hier uGder Stadl Lamaria besondere Heiligthümer. Unter den letzteren spielte das Bildniß eurer Taitbe, das ursprünglich nur die Königin Semiramis (astyrijch: die Taube) vorstelleu sollte, das aber später bei den Arischen Völkern das Symbol des Verniililers zwischen der Gottheit aiD der Mensch nt wurde, eine sehr wichtige Rolle, und noch heute, trotzdem sie sich schon vor dritlhalbtausend Jahren zum Jndenihum bekehrt haben, erivei!en sie demselben göttliche Ehre und bewahren es auch in ihrer Synagoge auf. Dagegen ist ihnen von ihrer einsttge» Muttersprache nicht die geringste Erinnerung mehr geblieben, da sie schon läirgst alle Arabisch sprechen, und beim Gottesdienste bedienen sie sich des Altebräischen, das sie mit Phönizischen Lettern schreiben. Die drillhalb Jahriaujende, die über dieses Völklein dahingeeilt sind, haben seine Zahl bedeutend vermindert, und heule zählt cs im Ganzen dreihundert und Zwölf Seelen in Palästiira und ungefähr sechsz>g Seelen in Bombay, wo eine Colouie von ihnen schon seit den Tagen der Selencidcn cxistirt. Die Großbriranntjche Ratio», oder viel bester gesagt, die Englische Mistionsgesellschasl, hat »un ihre Blicke nach dem kleinen Häuflein der Samaritaner geworfen und sucht dasselbe so schnell als möglich, aber nicht durch Belehrungen and Religionsdisputa» tionen, sondern durch klingende-Münze für das Ehrisienthum zu zewinnen Sie streut jetzt mit vollen Händen die blanken Sovereigns unter den Samaritanern ans, und den Nachwuchs derstlben sichen sie sich durch Volksschulen. Die Samaritaner widerstrebeir nicht dem Gelds, werden dem alten Glauben untreu und bekennen sich heimlich zum Christenthum " *) Siehe ״Litbl. Nr. 10" S. 40, Anmerkung Red. Aerannvcrtlicher Revueleur: Di׳. M. Rah 1»er. Druck u. Perlag von C. Scharnke in Barby.

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