Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr.11. (1.6.1875)
- Date
- 1875-06-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5367336-5990816-5990951--0459-5367522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
tenb find. .Nur in Folge der klaren Disposition, indem' nach vorangehender Einleitung, durch die der Leser in das Innere delabyrtnthartigen Buches Hiob eingeführt wird, in vier Theilen zunächst die verschiedenen und verschiedenartigsten Urtheile über Person und Reden des Elihu vorgesührl, dann die gegen׳ die Echtheit derselben herrschenden Gründe geprüft, darauf die für ihre Echtheit sprechenden in ungedeuchelter Be scheidenheit dem prüfenden üttheile vorgelegt werden, woran sich endlich einige auf die in Erwägung gezogene Frage de zügltche Betrachtungen anschließen —, nur durch diese klare unb zweckmäßige Eintheiiung konnte der ungeheure Stoff, der übrigens das Werk zur wahren Fundgrube der einschlägigen Literatur macht, bewältigt und übersichtlich behandelt werden. Bon diesen vier Theilen-verdient der zweite, für die Erledigung der Aufgabe, die sich der Versasier gestellt, wichtigste Theil. der die gegen die Echtheit der Elihu'schm Reden von den G׳׳gnern vorgebrachten Einwände widerlegt, besonders hervorgehoben zu werden. Wenn sich auch überall großer Scharfsinn und ein tactvolleä Feingefühl in der Beurtheilung und Widerlegung zu erkennen gibt, so ist es in diesem Theile in erhöhtem Maaße der,, Fall. Man glaubt sich zuweilen schon an der äußersten Grenze haarspaltenden Unterscheidungsvermögens, auf einer üNgMöhNllcheu, fast Schwindel erregenden Höheaitgelangt, von der aus der Rückweg auf ebenen Boden höchst steil und gefährlich scheint; aber siehe da, der Bersasser führt uns noch weiter, weiß uns indeß dann auch wieder sickeren Weges' und festen Schrittes aus Seitenwegen zurüazugeleiien an den Punkt, von dem wir ausgegangen und von dem wir jetzt mü Verwunderung auf jene Höhe zurückblicken. Es soll damit kein direkter Stabet ausgesprochen sein, als fänden wir die Beweisführung, resp. Widerlegung etwas gezwungen und auf schmaler Grundlage ruhend; es findet dieser Umstand vielmehp in der unmäßig großen Zahl von tl)eils wirklicheil, theilS Scheirangriffev der Gegner, die mit ähnlichem Scharfsinn gejucht und erfunden sind, seine Berechtigung. Ein gewöhnsicher Kämpfer wäre deshalb der Zahl und dem persönlichen Gewichte der Gegner nicht gewachsen, geschweige gar überlegen, wenn er auch Bundesgenossen hätte. — Denn cs ist dies eben ein Kampspst.tz, aus dem weniger Heroismus, als fein berechnende Strategie und erlaubte Knnstaugriffe Etwas auszurichlen vermögen In einem solchen Kampfe zeigen sich nicht selten auch auf'Seiten des Siegers inanche Schwächen, die aber in Folge der Siege und des Endresultates zurücktreten und von geringer Bedeutung sind. Der Verfasser hat geschickt das Rüstzeug zu feincin wisiensckäsllichen Kampfe bald seinen Bundesgenossen, bald seinen Gegnern entlehnt, dje er also um ihre» eigenen Waffen schlägt; und dies volldringt, er mir großer Gewandtheit und Meisterschasl Er bringt' die waüteuden und baufälligen Gebäude beider Partheien durch wuchtige, wohlberechnete Schläge zum Falle, sucht aus ve» Trüinmern brauchbare Steine für sein neu zu errichlenhes Gebäude, macht sie zuweilen sogar zu Ecksteiuen und stell! so mit mathematischer Genauigkeit und Berechnung einen Bau her, in welchem Stein an Stein fest aneinander gefügt ist. — Zusäiniuenfassend können wir am Ende nur jagen, daß der Plan, wie der Erfolg der Arbeit ein gelungener ist; und ist für den Fachgelehrten und Sachkenner, dem das lateinische Sprachgewand kein Hinderniß ist, die Lectüre derselben ebenso inlereffam, wie lehrreich und den kritischen Sinn fördernd. Radbincr vr. Kusznitzki. Schulprogramme. 1) Eiur«d»»gsschrist zur öffentlichen Prüfung der Religionsschule der Gemeinde Adas Jisroäl vom Director Rabbinet Dr. I. Hildesheimer in Berlin. Vorangeht: ״Die Bibel im Urtexte, die einzige Grundlage des jüdischen Religionsunierrichtes" von Dr. Michael Cohn. 2) ASufUttdzwauzigüer Jahresbericht^über die Reli-׳ givnsunterrichts-AnsialtderSynägogen-Gemeindeza Breslau. Von vr. Samuelsohn. 3) Siebenter Bericht der hebräischen Unterrichtsanstalt׳ von Prediger vr. P. Neustadt in Breslau. 4) Jahresbericht über die jüdische Gemeinde-Schule zu Thorn. Von Rabbiner vr. I. Oppenheim. Lin unstreitiges Verdienst hat sich Hr. Rabb. vr. Hüdesheimer um viele Mitglieder der Berliner isr. Gemeinde durch die von ihin daselbst ins Leben gerufene Religionsschule erworben; denn seit dem Fortgange des vr. Rosin aus B erlin fehlte es dieser großen Gemeinde an einer in echtjüdischem Geist« geleiteten Religionsschule. Ta die Hildesheimer'fche ׳ icht blos auf die Kinder der Separatgemeinde sich beschränk, sottdern allen Elter», denen an einem guten hebräische« Unterricht ' ihr. r Kinder gelegen ist, offen steht — unbemittelten Schülern werde» sogar durch den löblichen ״Verein für arme Schulkinder" die nöthigen Schulbücher unentgeltlich verabfolgt — so ist das Wachsthum dieser Religionsschule erklärlich und im Interesse der religiösen Durchbildung der Berliner jüd. Schul-' jugend nur wünschenswerth. Der Schule, die aus 5 Knaben- und 4 Mädchenklqssen besteht, stehen tüchtige Lehrkräfte zu Gebote; neben dem Dirigenten unterrichten noch 7 Lehrer an derselben, von denen dem Hrn. vr. R. Deutschlaender ״für seine fortgesetzte organisatarische Thäsigkeit" im Jahresbericht der Schule besonders ausgesprochen wird.. Der dem Bericht vorangehenden gut geschriebenen Abhandluitg von vr. M. Lohn stimmen wir aus ganzem Herzen bei, besonders auch dem Satze (S. 16): ״durch Wissenschaftlichkeit und richtige Methode muß ersetzt werden, was an Zeit verloren geht;" wir hätten nur gewünscht, Hr. C. hätte auch die pädagogische Vertheilung des riesenhaften Stoffes, den die Bibei darbietet, aus die verschiedenen Klaffen und Altersstufen nach wohlgeoibneten Pensen vorgenommen, um die Möglichkeit^ der Ausführung darzulegen, wie bei 2 Stunden wöchentlichem Bibelunterricht während 5—6 Jahren die ganze Bibel zum geistigen Eigenthum des jüd. Schülers gemacht werden soll. Wir bringen es beim besten Willen nicht weit über den P»ntaleuch und einige ״Proben" ans den Psalmen, Sprüchen Salomo's und den Haphtaroth hinaus. Man muß zur ״Auswähl" greifen. Die durchgeiwmmenen Peitsa anlangend, hat cs uns gewundert, daß man in der obersten Knaben- und Mädchenklaffe in Geschichte nicht über ״die Zerstörung des 2. Teuchels" hinausgekommen ist; soivie, daß von den Megilloth nicht wenigstens ״Esther" und ״Echa" durchgenoimnen worden. Ob für die Mädchenklasfeu, die ja doch in ״systematischer Religion" unterrichtet werden, statt des Pentateuch nicht die ״Pirke Atwth" und die ״Hagaga" ein geeigneterer Uebersetzungsstoff wären, geben wir der Erwägung anheim. Wir begleiten das Gedeihen dieser Religionsschule mit regsten! Interesse, weil sie, inehr als jede andere, in der Lage ist, die größtmögliche Leistungsfähigkeit zu entwickeln. (Schluß folgt.) Israelitisches Predigt-Magaiin. Das weben uusgegebene Doppelheft — April-Mai entfallt: 1) ״Der Auszug aus Mizraim.“ Predigt von Rabbiner Dr. Michael Sachs, s. A. — 2) ״Predigt am zweiten Pessachtage. Von Rabb. Dr. Klemperer. — 3) ״Die Ehre des Gotteshauses.“ Einweihungspredigt v. Rabb. Dr A. Treuen fels. (Nebst dem Weihu. Dankgebete.) — .) ״Predigt am ersten Tage des Schabuotfestes.“ Von Landrabb. Dr. Kroner. — 5) ״Gebete an den Vorabenden des Scbabuothfestes.“ Von demselben. — 6) ״Predigt am zweiten Tage des Schabuothfestes.“ Zur Todteufeier. V. Rabb. Dr. Rabiner. Man abonuirt auf das ״Israelitische Predigt-Magazin“ bei allen Postanstalten und Buchhandlungen für 9 Mark 90 Pf pro Halbjahr (6 Helte). Einzelne Hefte werden, soweit der Vorrath reicht, Gegen frankirte Einsendung von 1 Mark (Doppelhefte gegen 2 Mark) zu- ^gesand^vonjder^x^ed^der^JsraeL^JVochenschriftJn^a^deburg.