Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr.8.9 (15.4.1875)
- Date
- 1875-04-15
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Lösung um so dringender heischte, als von ihr allein die Ver- I bindlichkeit einer großen Anzahl religiöser Vorschriften abhing, vor die Frage: welche Schrift ist prophetisch, welche ist es nicht? In welchem Buche ist das reine Gottesworr unverfälscht wiedergegeben, in welchem dagegen hat mau Produkte menschlichen Geistes zu erblicken? Daß Ideen und Aussprüche eines Buches letzterer Art nicht als allgemein giltige und bindende Principicu hingestellt werden können, ,ah Jeder ein; daß man aus solchen Büchern keine Gottesgesetze ableitei« dürfe, war klar. Allein das Volk hat ja alle Bücher, auch die augenscheinlich nichtprophetischen, verehrt; alle als Vermächtniß einer glorreichen Vergangenheit treu bewahrt! Eine Prüfung, eine Sonderung mußte nun vorgenonlmen werden. Aber wer sollte richten uub verurtheilen, wer Hand anlegen an die geheiligten Dokumente der Vorväter? Die Ausgabe war eine überaus schwierige. Schon über die nöthigen zuverlässigen Merkniale, nach welchen die Göttlichkeit einer Schrift beurtyeilt werden sollte, haben gewiß die größten Meinungsverschiedenheiten bei den einzelnen Sopherim geherrscht, und die Autorität derer, die sich dieser Aufgabe unterzogen, niußte jedenfalls eine über allen Zweifel erhabene gewesen sein. Wer die Aufgabe gelöst, das proph. Schriftthum zu einem Corpus gesammelt, von welcher Behörde und bei welcher Gelegenheit; diese Frage gehört in ein anderes Kapitel. Hier sollie nur feslgestellt werden, worin die Bedeutung der Sammlungsthätigkeit bestand. (Schluß folgt.) Ein Ausflug iu's heilige Land. Im ״Verein der Freunde der Wissenschaft und Geselligkeil" zu Posen hielt Herr Professor vr. Grätz aus Breslau einen Vortrag: ״Ein Ausflug in das heilige Land," aus welchem dortige Blätter folgenden Auszug brachten: Die Tausende von Pilgern und Forschungsreisenden, welche seit Jahrhunderten Palästina besuchen, würden, von Europa kommend, durch die Macht der neuen Eindrücke erdrückt werde», wenn der Uebergang nicht auf dem Schiffe, das sie wenigstens mit den Bewohnern des Orients schon vorher in Berührung bringt, einigermaßen vermittelt würde. Die lebhaften Tinten des Südens, die durchsichtige Luft, die gewaltigen fruchttragenden Palmen, die riesigen Orangen und Granaten bieten dem europäischen Auge weit alle bisherigen Vorstellungen Uebertreffendes, und ihr eigenthümlicher Zauber nimmt den Ankömmling gefangen. Die erste Landung bei Jaffa ist mit Schwierigkeiten verbunden. Die weißen Felsen scheinen keinen Eingang zu bieten, das Dampfschiff muß fern vom Lande ankern. Bald erscheinen auf kleinen Kähnen die Eingeborenen mit nervigen Armen, und jeder Reisende muß in dem Momente, wo das Boot von einer ulächligen Welle emporgehoben wird, oft mit Lebensgefahr in dasselbe hinabspringen. Ein gewaltiger Fels — derselbe, an den Andromeda einst von der Hera angeschmiedet worden sein soll — verdeckt den unnahbaren Eingang, aber die Geschicklichkeit der Araber weiß den Kahn selbst auswärts über den Fuß des Felsens hinweg zu lenken. Nun betritt der Reisende das hei- Uge Land, bis in dessen Milte er bei der klaren, durchsichtigen Lust schon meilenweit vom Schiffe aus hineinschauen konnte. Hin zieht es ihn nach Jerusalem, der ewigen Stadt, ewig wie Athen und Ron>. Jenes war das Ideal der Kunstschönheil, dieses der staatlichen Ordnung und Machtsülle; Jerusalem dagegen die Stätte der Religio», der von der Religion getragenen Ethik, wie sie vom Propheten Jesaias bezeichnet wird. Das staatskluge Rom wußte Athen und Jerusalem in sich zu vereinigen und suchte die Völker der alten Welt in eiserne Fesseln zu schlagen. Aus dem kleine.- ^astina. 30 Meilen lang und 12 Meilen bmt, goß kch. wie al- ׳״m n0(j, neren Attika, geistige Fülle über die ganze Erde u.״ Alle Völker dev Erve, vor allen Engländer und ä.־4-״ tauet, betreten mit hägei Scheu dieien Baden, auf dem jeder F.-ck historu'ckte B.de», mg für V.rgau aenhetr, Gegenwart und Zukunfi hat. Weiche Gefühle mögen unsere von Racenstolz erfüllten geistvollen Geschichtsforscher erfüllen! Die alten Vü.ker st Hut uochma.S vor ihren B.icken auf, in een arabischen Kapufuhteru sehen ste sie Lovtien von! Stamme Daii, welche Deborab besiegt, sie sehen das L.tild, wo noch heute in den Thälern wirk.ich Milch uns Honig fließt. Feigenbäume, Oelbäume, Pistazien liefern wie früher wohlschmeckende uub wohlriechende Früchte, dre Felder tragen Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Hirse und Bohnen. Aber die Höhen, die einst mächtige Waldungen trugen und frnchlbringendeil Rege» herbeizogen, sind jetzt öde und kahl, und ihre Pstanzeit erzeugende Ackerkrume ist weggespült. Das Land zerfällt geologisch in Judäa, dem der Kalkboden eine üppige Vegetatioil uitd Heiterkeit verleiht, und in Galiläa, dessen Basalifelscu ihm einen düster» Charakter aufdrücken, das stets Asketiker hervorgerufen und sein Gepräge dem von hier über werte Länder ausgegangcnen geistigen Leben ausgehaucht hat. Das Land, das früher Hunderte von Städten und Dörfern zählte, und noch vor Jerusalems Zerstörung zur Zeit des Paffahfestes einmal 2'/. Million Betende vereinigte, besitzt jetzt kaum eine Viertel Million Einwohner; Jerusalem selbst hat 32,000: 16,000 Mohamedaner, 8000 Juden und 8000 Christen. Die ehemaligen Hügel der Stadt sind abgetragen, die allen Stadttheile nicht mehr zu erkennen, selbst der Tempelplatz, auf dem jetzt eine Moschee von Omar steht, ist nicht mehr bestimmbar. Die Weftmauer des alten Tempels soll noch erhalten sein, an ihr verrichten Freitags Nachmittags die Juden ihre Gebete, doch nicht mit der Weihe, wie auf dem bekannten Gemälde, ״die trauernden Juden in Jerusalem," denn arabische Jungen schießen zwischen ihnen ihre Purzelbäume. Die Grabeskirche im Nordwesten der Stadt ist Gegenstand häuftger Raufereien zwischen den christlichen Sekten, welche muselmännische Soldaten zu derhindern suchen, die aber die christliche Aildacht durch Rauchen und Kartenspiel stören. Die schönste Aussicht gewährt der Oelberg, östlich vom Kidronlhal; man hat von dort einen Rundblick bis zu deil Schneegefilden des 25 Meilen weit entfernten Hermon, der bei der Durchsichtigkeit der Luft ganz nahe zu liegen scheint. In der aumuthigen Gegend von Hebron liegt die Doppelhöhle der Erzväter, deren Besuch die Mohamedaner, die Abraham hoch verehren, nicht gestatten. Der See Tiberias hat heiße Sprudel von der Wärme der Carlsbader Quellen von 54 Grad Reaumur. Den umfassendsten Blick hat nian aus ver Höhe von Sichern weil nach Osten ins Land hinein und zurück dis zmu Meere. Literaturbericht. Recknsionen. עיר הצדק Geschichte der Krakauer!)labbinate vom Anfange des 16. Jahrhuitderts bis auf die Gegenwart, als Beitrag zur Geschichte der Juden in Polen von I. Nt. Z u n z. 1874. In Commisflon bei A. Faust, Buchhandlung in Krakau. (Schluß.*- S. 08. Der Verfasser erwähnt, daß auch Joseph Karo de Rossi's .>160r Eiiajim verpönt hatte; ein Beweis der Ausrichtiguitd Charakterfestigkeit Karo's. In eben diesem Werke spricht de Rosst von Karo mit sehr großer Hochachtung; ja *) I» vor. Nr. S. 28 u sind 2 sinnentstellenende Kehler zu berichtigen. Z. 1V in in dem Üitate aus Geiger'S Klo Cliofuajim ist st. ״des Maimonides zu lrjen ,,de! Medigo's", und Z. 22 st. angreist z. I. anpreist