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Das jüdische Literaturblatt · 1875-02-15 · Nr. 4. (15.2.1875) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 4. (15.2.1875)
Date
1875-02-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mische AterMMtt. Zur Bklruchiung aller Judenlhum u Juden betreffenden literarischcn ErscheenuNAen aus dem Gebiete der Philosophie,Geschichte,Ethnograph!r,Lheoiogie, Prientati«, Srezese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegebcn von Rabbiner D1\ Moritz Rahmer Magdeburg, IS. Februar 1873. Bücher der cinschl.igigr» Literatur, welche der Ned de» ״Jüd. Literaturbiatt" in Magdeburg (oder der ״Israel. Wochrnschr." in Stettin) sugesandt werden, finden in diesem Dtottr eingehende Besprechung. Nr. 4 Erscheint zweimal monatlich. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrist" (die jährl. 9 Mark kostet) g r a t i s. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. Jahrgang. Veranlassung und Zweck der Kanon-! fammlung. Bon I. S. Bloch, Rabbiner der israel. Gemeinde zu Rendsburg. (Fortsetzung.) De Welte*) wollte auf diese Weise die beiden entgegengesetzten Hypothesen in eine verschmelzen: Die Annahme, daß man im A. T. eine Sammlung vaterländischer Schriften und die andere, daß man barin eine Sammlung heiliger Schriften habe Herstellen wollen, ist eigentlich nach dem Inhalte der meisten alttest. Bücher und dem thcokratischen Geiste des jüdischrn Alterthums eine. Das wahrhaft Baterländische war auch religiös. Allein es ist durchaus nicht zu erklären, geschweige nachzuweisen, daß die Althebräer keine reinweltliche Literatur, ohne allen religiösen oder nationalen Beigeschmack geschaffen hätten. In den Kanon wollte man derartige Literaturstücke nicht aufnehmen, das beweist jedoch nicht, daß solche nicht existirt haben. In der nachexilischen Epoche war die Geistesströnlung im jüdische!׳. Volke allerdings der Schaffung einer iveltlichen Literatur nicht günstig. Dasselbe aber auch von der früheren Zeit, der Blüthezeit der hebräischen Poesie, zu behaupten, ist gelinde gesagt, sehr gewagt. Die frommen Reden der Propheten sind gewiß ächt theokratisch, wer aber das ganze Volk von solch' rein-religiösen Ideen und Strebungen dilrchdrungen sich denkt, in dessen Kopf muß allerdings das Hebräerthum in einer sehr wilnderbaren Gestalt erscheinen. Es mangelt übrigens auch nicht an sicheren Beweisen für das Gegentheil. Die kleinsten Ueberreste eines Thieres aus der prähistorischen Zeit geben den! Zoologen sichere Kunde von der einstigen Existenz nicht blos des einzelnen Individuums, sondern einer ganzen Art; was aber dem Zoologen, dem exacten Naturforscher gestattet, kann dem Philologen, dem Historiker nicht unerlaubt sein. Es gibt nur eine Logik, und ein Vernunftgesetz der Ordnung und Regelmäßigkeit beherrscht die Schöpfungen im Reiche der Natur und des Geistes. Ein Gedicht z. B., so formvollendet wie das Hohelied, gelingt nnmöglich beim ersten Anlauf; und ein großer Erfolg weckt Nacheiferung. Es hätte mit ganz seltsamen und abnormen Dingen zugehen nlüssen, wenn diesem Liede nicht Gedichte ähnlichen Genre's in großer Anzahl sowohl vorhcrgegangen als gefolgt wären. Sie sind uns verloren gegangen, wie alle jene Schriften, deren die hebr. Chronographen vielfach erwähnen. Ihres iveltlichen Inhaltes wegen verweigerte inan ihnen die Aufnähme in den Kanon; da aber in einer späteren Zeit nichtkanonische Bücher zu lesen verboicn war, so mußten natürlich alle diese Schriften verschwinden. 9lur der Name Salomo's rettete uns das Hohelied. Daß man wirklich eine große Anzahl von Schriften der Kanonifirung nicht gewürdigt hat, erhellt auch aus jenem eigenthümlichen Bericht (Megilla 14, a), wonach gar viele Prophetieen, welch« für die zukünftigen Geschlechter von keinem besonder» Nutzen zu werden versprachen, gar nicht ״geschrieden" wurden: .... הרבה נביאים עמדו להם לישראל נבואה שהוצרכה לדורות נכתבה שי־״א הוצרכה לדויזת לא נכתבה. Betrachtet man noch schließlich die Hypothese, welche Grätz mit all' den bedeutenden Mitteln, die diesem Forscher zu Gebote stehen, zu stützen sucht, so findet man, daß auch sie nichts weniger denn befriedigt. Bekanntlich ward es während des zweiten Tempels Brauch, neben den Pentateuch-Perikopen auch Abschnitte aus den Propheten vorzulesen. Durch die Sammlung des Propheten-Kanon erhielten diese Schriften nothwendig eine noch höhere Weihe und Schätzung, diese äußerte sich darin, daß inan sie zu öffentlichen Vorträgen benutzte. Vielleicht wollte man auch *) mit dieser Einrichtung den Gegensatz gegen die Samaritaner, die das Prophet. Schriftthum nicht anerkannten, deutlich hervorheben. Wahrscheinlich aber wollte man mittelst dieser Vorlesungen noch andere Zwecke erreichen, über die wir noch zu handeln haben werden. Grätz kehrt das Verhältniß um. Die Vorlesungen aus den Propheten am Sabbath und an Feiertagen waren keine Folge, sondern Ursache der Kanonsammlung. Sollten die Propheten zu öffentlichen hastarischen Vorlesungen dienen, so mußte der Propheten-Kanon abgeschlossen werden. Schon diese Umkehrung oder Verstellung der Verhältnisse zwischen Ursache und Wirkung scheint an sich bedenklich, allein hören wir die weitere Argumentation. Jene Vorlesungen hatten nach Grätz ursprünglich den Zweck, Jerusalems Heilig- *) Nach «in» Vcrmuthung Jsst's, das Judenthu« und sein« Srct«n I. p. 178. Sinnt. 2. *) Eint. §. 16.

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